Seit fast 300 Jahren zum Gnadenbild

Von: fm
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Am Pilgerkreuz in der Nähe des Püngelbaches kurz vor Hirschrott verweilen jedes Jahr die Pilger aus Höfen und Kalterherberg zum gemeinsamen Gebet. Wie Reiner Jakobs versichert, der seit Jahren die gesamte Anlage pflegt, nutzen auch viele Wanderer im Nationalpark die Ruhebänke neben dem Kreuz zu einer Rast in der wunderschönen Landschaft des Püngelbachtales. Foto: Franz Mertens
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Im Bruderschaftsbuch in Heimbach sind die ersten Pilger aus Kalterherberg bereits für das Jahr 1730 vermerkt. Foto: Heimatverein

Kalterherberg. Aus vielen Pfarreien des Monschauer Landes pilgern seit Jahrhunderten Gläubige zum Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter Gottes in Heimbach. Die Pilger machen sich jedes Jahr nach Mariä Heimsuchung zu Fuß auf den Weg zum Gnadenbild.

In der Schrift „Kloster Maria Wald“ aus dem Jahre 1991 ist die Entstehungsgeschichte der Pilgerreisen zum Gnadenbild beschrieben. Der Strohdecker Henrich der Fluitter aus Heimbach kaufte um 1475 in Köln eine Statue der Schmerzhaften Mutter, eine Pieta, und stellte sie auf dem Kermeter auf. Durch sie sollen Wunder geschehen sein. So kam es zu den Prozessionen zum Gnadenbild. Sie führten anfangs zur 1511 neu errichteten Kirche des Klosters Maria-Wald. 1636 entstand die Bruderschaft zu Ehren der Sieben Schmerzen. Sie zählte zeitweise mehr als 7000 Mitglieder, die aus mehr als 300 Orten der näheren Umgebung stammten.

Seit der Auflösung des Klosters durch Napoleon im Jahre 1795 befindet sich der wertvolle Schnitzaltar des Klosters mit dem Gnadenbild in der Heimbacher Pfarrkirche. Seit der Auflösung des Klosters ziehen die Pilger auf ihrer jährlichen Wallfahrt nicht mehr auf den Kermeter, ihr Ziel ist seitdem die Heimbacher Pfarrkirche.

Bereits in den Anfängen der Wallfahrtsgeschichte zum Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter zogen auch Kalterherberger Pilger dorthin. Aus dem Bruderschaftsbuch in Heimbach lassen sich bereits für das Jahr 1730 die ersten Pilger aus Kalterherberg nachweisen. Damals zogen 16 Pilger, Männer und Frauen, zum Gnadenbild. In der Chronik der Kalterherberger Heimbachbruderschaft ist eine Fahne mit dem Bild der Schmerzhaften Mutter erwähnt.

Unter Pfarrer Hermkes besaß die Bruderschaft seit Mitte des neunzehnten Jahrhunderts eine Fahne mit dem Bild der Schmerzhaften Mutter. 1869 zogen der Chronik zufolge 190 Pilger nach Heimbach. Im Dritten Reich verboten die Nazis die Wallfahrt. Erst mit der Erlaubnis der Militärregierung vom 06.07.1946 war es wieder möglich, die alte Tradition fortzusetzen. Leider war die Fahne der Bruderschaft in den Kriegswirren abhanden gekommen. Die St. Lambertusbruderschaft überließ deshalb der Heimbachbruderschaft ihre zweite Fahne mit dem Bildnis des Pfarrpatrons.

Pause am Püngelbach-Kreuz

In den letzten Jahren hat Norbert Jansen die Chronik der Heimbachpilger fortgeschrieben. Vor ihm hat lange Zeit Franz-Michael Peters die Chronik geführt. Seit 1964 zieht die Bruderschaft nicht mehr allein nach Heimbach. Die Pilger aus Höfen und Kalterherberg versammeln sich in ihren Pfarrkirchen zum Pilgersegen und ziehen aus ihren Heimatorten nach Rothe Kreuz.

Von dort geht es gemeinsam weiter nach Einruhr. Mit dem Schiff geht die Wallfahrt weiter nach Rurberg. Über Schwammenauel führt der Weg schließlich nach Heimbach. Auf dem gemeinsamen Weg zum Gnadenbild besuchen die Pilger aus Höfen und Kalterherberg auch das Pilgerkreuz am Püngelbach, kurz vor Hirschrott und Erkensruhr. Das Pilgerkreuz am Püngelbach geht auf eine Initiative von Leo Conrads aus Kalterherberg zurück.

Sein Sohn Josef Conrads, Heinrich Mertens und Josef Mathar unterstützten ihn dabei. Seit 1977 wird gemeinsam am Pilgerkreuz gebetet und gesungen. Mitglieder der Lyra Höfen und der Harmonie Kalterherberg begleiten den Gesang; das nicht nur am Pilgerkreuz, auch über die gesamte Pilgerstrecke.

Die Pflege des Kreuzes hat bereits seit Jahren Reiner Jakobs aus Höfen übernommen. Die Kalterherberger Bruderschaft könnte im Jahre 2030 auf eine dreihundert Jahre lange Geschichte zurückblicken. In den letzten Jahren lässt die Beteiligung an den Wallfahren kontinuierlich nach. Wenn die Bruderschaft nicht bald Zuwächse erfährt, kann deren Geschichte bereits vor dem möglichen Jubiläum zu Ende gehen.

Diese Entwicklung beobachtet Norbert Jansen, der die Bruderschaft seit einigen Jahren zum Gnadenbild führt, mit Sorge. Wenn die Bruderschaft 2030 das runde Jubiläum erreichen will, müssen keine Wunder geschehen, wie zu Beginn der langen Wallfahrtsgeschichte. Es reicht schon, wenn viele jüngere Leute bereit sind, sich auf das Gemeinschaftserlebnis einer Fußwallfahrt einzulassen und so die Tradition früherer Generationen fortsetzen.

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