Monschau/Simmerath - Schwimmbad: Nachbarkommunen sollen genau rechnen

Schwimmbad: Nachbarkommunen sollen genau rechnen

Von: Peter Stollenwerk
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Stark besucht war die Bürgerversammlung der „Interessengemeinschaft Schwimmbad” in Konzen. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob das Vennbad Monschau saniert werden soll oder ein gemeinsames Projekt mit Simmerath sinnvoller ist. Foto: P. Stollenwerk

Monschau/Simmerath. Hoch schlugen zeitweise die emotionalen Wellen bei einer Bürgerversammlung, zu der die Interessengemeinschaft „Schwimmbad” ins Hotel Jägersruh nach Konzen eingeladen hatte. Das Interesse an der Thematik, die momentan die öffentliche Diskussion bestimmt, war groß. Rund 70 Bürger aus Simmerath und Monschau fanden diskutierten knapp zwei Stunden lang.

Die zentrale Frage war, ob die beschlossene Sanierung des Vennbades Monschau am alten Standort Sinn macht oder ob ein gemeinsamer Schwimmbad-Standort mit Simmerath nicht zukunftsweisender ist.

Die Interessengemeinschaft, die sich an diesem Abend nicht näher vorstellte, sah durch die Tatsache, dass nach Monschau jetzt auch das Simmerather Schwimmbad wegen Baufälligkeit geschlossen wurde, „geänderte Voraussetzungen” und die Chance, „andere Lösungen mit der Bevölkerung abzuwägen.”

Nach teils intensiv geführter Diskussion stand am Ende des Abends ein Ergebnis, mit dem unter dem Strich alle zufrieden sein konnten. Die Zeit bis zum geplanten Baubeginn des Vennbades im September soll genutzt werden, dass die beiden Kommunen im Gespräch noch einmal genau rechnen, ob ein gemeinsames Schwimmbad machbar ist und wie es um die Folgekosten steht. Am runden Tisch beteiligt werden sollen auch die Schwimmabteilungen der beiden Sportvereine Tura Monschau und Hansa Simmerath sowie die Fraktionsvorsitzenden beider Kommunen.

Eingebracht hatte diesen Vorschlag Werner Krickel von den Monschauer Grünen („Man sollte die Frage auf den Punkt bringen.”) Und für Monschau sei die entscheidende Frage, dass der städtische Haushalt nicht mit mehr als zwei Millionen Euro Eigenanteil für einen Schwimmbad-Neubau, der insgesamt sechs Millionen Euro kostet, belastet wird. Das Gespräch mit Simmerath werde dann zeigen, „ob Monschau bei zwei Millionen landet.”

Auch Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter, die der Einladung der Interessengemeinschaft gefolgt war, konnte sich mit diesem Vorschlag anfreunden, betonte aber, dass es bereits Gespräche gegeben habe und die Kämmerer beider Kommunen auch schon gerechnet hätten. Dennoch freue sie sich „auf das Gespräch mit Simmerath, insbesondere über die Frage der Kostenaufteilung.”

Margareta Ritter, die teilweise einen schweren Stand hatte, konzentrierte ihre Argumentation auf die Frage der Folgekosten. Zwar dränge sich in der jetzigen Situation die Frage der Kooperation mit Simmerath auf und es wäre auch möglich, bereits zugesagte Fördergelder umzuwidmen, aber die Kostenbelastung für ein Schwimmbad richte sich proportional nach der Anzahl der erzielten Schülerschwimmstunden, und dies seien im Falle Monschau 1920.

Angesichts der jetzigen Haushaltslage sei man gezwungen, jede Investition unter dem Gesichtspunkt der Folgekosten betrachten. Simmerath sei nach Recht und Gesetz nicht verpflichtet sei, mehr Anteile zu tragen; dies betreffe auch beispielsweise die Schülerfahrtkosten. Alle diesen Kosten würden von Monschau getragen, „und Simmerath beteiligt sich mit keinem Cent”, machte Margareta Ritter deutlich. Daher sei ein neuer Schwimmbad-Standort auch für Monschau nicht attraktiv. „Er rechnet sich nicht.”

Sie verwies ferner darauf, dass das Schwimmbad in Monschau bereits seit 18 Monaten geschlossen sei, und sich die Stadt daher auch in einer ganz anderen Zwangslage als Simmerath befinde, wo nach Schließung der Halle immer noch das Lehrschwimmbecken in Lammersdorf zur Verfügung stehe.

Für Monschau stünden sechs Millionen Euro bereit, der politische Beschluss sei gefasst worden, und es seien auch bereits 300.000 Euro an Planungskosten investiert worden.

Margareta Ritter machte auch ihrem Ärger darüber Luft, dass „an Monschau vorbei diskutiert wird und die beiden Kommunen politisch gegeneinander vorgeführt werden.”

Immer wieder Gegenstand der Diskussion war auch das Beispiel des neuen Freizeitbades in Wassenberg, das die SPD Monschau zuletzt mit 4,5 Millionen Baukosten ins Spiel gebracht hatte.

Weder Planung, Erschließung noch Grundstückserwerb sei dabei eingerechnet worden, ließ die Bürgermeisterin Zweifel an der Rechnung aufkommen. Nicht zuletzt sei die ausführende Firma inzwischen auch insolvent.

„Ein Ratsbeschluss lässt sich rückgängig machen, und man sollte auf die Stimmen der Bürger hören,” griff Dietmar Schütteler, der im Monschauer Stadtrat die Linke vertritt, die Stimmungslage auf, und auch Günter Rasch vom Campingplatz Perlenau forderte dazu auf, „politische Barrieren zu überwinden”, wobei der jetzige Standort des Vennbades enorm wichtig für die touristischen Belange sei. „Simmerath hat den Rursee, und Monschau liegt trocken.” Diese Argumentation unterstützte auch Thomas Ritter von der Jugendherberge Hargard: „Der Verlust des Vennbades wäre eine Katastrophe.” Schon jetzt schreibe man „Riesenverluste” wegen der Schließung.

Gregor Mathar von der Monschauer SPD sah es als unbedingt erforderlich an trotz aller Gegensätze, „Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten.” Die Voraussetzungen hätten sich inzwischen geändert und er halte einen Schwimmbadzweckverband zwischen Monschau und Simmerath für denkbar.

Ein gemeinsames Bad für Monschau und Simmerath zwischen 4,5 und fünf Millionen Euro Kosten sah Ingo Braun von der Schwimmabteilung der Hansa Simmerath als machbar an und bezog sich dabei auf einen namentlich genannten Bäder-Fachmann „Man muss es nur wollen.”

Jener zitierte Experte habe den Bauauftrag in Monschau nicht erhalten, relativierte Margareta Ritter diese Aussage.

Am Ende der Versammlung ließ eine Bürgerin dann noch einmal Dampf ab, und sprach von einem „Trauerspiel”, was die Kooperation der beiden Kommunen betreffe. „Kinder und Familien sitzen auf dem Trockenen, und Ihr zankt Euch wie die Kesselflicker!”
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