Schwierige Arbeiten ganz leicht gemacht

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Ganz einfach werden die Arbeiten mit der Erfindung „Handhebelmaschine“ von Günter Klinkhammer. Foto: CBW

Imgenbroich. Sie nimmt den Anfang vom Gummi. Ein Zentimeter dick, auf eine Rolle gewickelt. Das Gummi ist eine Dichtung, die den Boden eines Tabletts mit dem Rahmen fixiert. Das Tablett ist ein Meter mal ein Meter groß. Lebensmittel-Öl macht das Gummi willig. Ein leichter Druck genügt und sie hat das Gummi eingearbeitet.

Am Ende ist es hundertprozentig dicht. Nicht mal zwei Minuten dauert die Arbeit. Schnell nimmt sie das nächste Tablett und arbeitet das Gummi ein.

Mandy (24) ist eine von 23 Mitarbeitern in der Stanzmontage in der Werkstatt des Caritas Behindertenwerks (CBW) in Imgenbroich. Sie ist eine von den vielen Mitarbeitern, die jeden Tag gerne zur Arbeit kommen, die ihre Kollegen mögen und die auch schon mal akzeptieren können, wenn sie nicht gut drauf sind. „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt der Arbeit“, sagt Günter Klinkhammer, Bereichsleiter in der Stanzmontage.

Der 60-Jährige ist Ansprechpartner für sein Team, wenn mal was nicht stimmt. „Das können private Probleme sein oder auch Schwierigkeiten mit Kollegen“, weiß der gelernte Schreiner, der seit 18 Jahren bei der CBW arbeitet. „Ich teile die beschäftigten Mitarbeiter und die angestellten Mitarbeiter ein, immer so, wie es ihren Fähigkeiten entspricht. Ich höre den Beschäftigten zu, wenn es Probleme gibt und binde, wenn es erforderlich ist, die Kollegen des Sozialdienstes ein. Ich erstelle Angebote und kümmere mich letztlich darum, dass alle Arbeiten termingerecht abgeliefert werden“, zählt Günter Klinkhammer sein Arbeitsspektrum auf.

Die CBW hat acht Werkstätten an sechs Standorten in der Städteregion. Rund 1200 Menschen mit Behinderung arbeiten in 20 Bereichen. Von der Druckerei, über die Näherei und Wäscherei, der Schreinerei und den Metallbereichen, bis hin zum Reinraum, wo medizinische Instrumente für den sterilen Klinikbereich sortiert werden. „Finanziert werden wir zum einen vom Landschaftsverband Rheinland, der die angestellten Mitarbeiter bezahlt, aber auch von unseren Auftraggebern aus der freien Wirtschaft. Das so erwirtschaftete Geld geht an unsere Beschäftigten“, erklärt Dipl.-Ing. Michael Doersch, Geschäftsführer der CBW.

Gemeinsam mit seinen vier Betriebsleitern akquiriert er Auftraggeber in ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland. Immer auf der Suche nach Arbeiten, die von den Menschen mit Behinderung durchgeführt werden können. Da werden Ventildeckel montiert, Lichtröhren zusammengesetzt, es werden Kisten und Paletten gefertigt, Hemden gewaschen und gebügelt. „Häufig sind vor allem Neukunden überrascht, welche schwierigen und komplexen Aufträge wir bearbeiten können“, erzählt Günter Klinkhammer, der längst ein Gespür dafür entwickelt hat, wie Arbeiten für die Menschen mit Behinderung gestaltet sein müssen, damit die Auftraggeber zufrieden sind.

Da ist eine Handhebelschere in eine Art Käfig gestellt, die auf Knopfdruck komplizierte Teile schneidet. „Das wäre schon für Menschen ohne Einschränkung schwierig. Nun ist es mit Sensoren und Druckknöpfen so einfach gemacht, dass auch Menschen mit Handicap Teile sicher, genau, schnell und ohne Kraftaufwand bearbeiten können“, beschreibt Betriebsleiter Dipl.-lng Karl Wertz die Innovation von Günter Klinkhammer. „Er ‚erfindet im Sinn unserer Beschäftigten und macht sie so zufrieden, weil sie vieles schaffen“, sagt Karl Wertz, der stolz ist auf seine Mitarbeiter im Werk Am Handwerkerzentrum 13.

Die 136 Beschäftigten sind gut gelaunt, machen ihre Arbeit gewissenhaft. „Wenn es mal so scheint, dass ein Auftrag nicht termingerecht fertig wird, arbeiten alle, auch die angestellten Mitarbeiter, mit. So schaffen wir unsere Termingeschäfte immer“, sagt Günter Klinkhammer.

Seine Ideen, die Arbeiten erleichtern, machen komplizierte Dinge einfach. Wie beispielsweise die Klebestraße, die aus Teilen einer Messeinrichtung zusammengebaut wurde, die seit Jahren nicht mehr gebraucht, aber glücklicherweise nicht weggeworfen wurde. Jetzt muss eine Schutz-Folie auf Aluminium-Profile aufgebracht werden, so lautet der Auftrag.

Mit Teilen der ehemaligen Messeinrichtung und einem selbstentwickeltem Klebeapparat wird die Folie auf den bis zu 2,50 Meter langen Profilen nicht nur ganz genau aufgebracht, sondern auch sehr schnell. „Wir sind wirklich einzigartig in Schnellig- und Genauigkeit.“ Das rechnet sich für Auftraggeber. „Außerdem können Kunden, die selber Arbeitgeber sind und an die CBW Aufträge erteilen gemäß Paragraf 140 SGB 9 bis zu 50 Prozent der Arbeitskosten des Rechnungsbetrages auf die zu zahlende Ausgleichsabgabe anrechnen“, weiß Günter Klinkhammer. Wird die CBW beauftragt, ist das ein Gewinn für die CBW und für den Auftraggeber. „Und vor allem für unsere Beschäftigten“, sagt Bereichsleiter Klinkhammer.

Klinkhammer sieht den Inklusionsgedanken der Regierung mit gemischten Gefühlen. „Es gibt Beschäftigte von uns, die sind in der Werkstatt die Besten, die wünschen sich auf den ersten Arbeitsmarkt zu kommen. Dann suchen wir einen passenden Arbeitsplatz außerhalb der Werkstatt. Aber in der freien Wirtschaft gibt es keine ‚Zuhörer‘, die sich bei Bedarf um einen Beschäftigten kümmern“, weiß Klinkhammer, der früher selbst in der Industrie gearbeitet hat. Ein guter Beschäftigter wurde kürzlich in Imgenbroich wieder eingegliedert. „Nach einem halben Jahr kam er zu uns zurück, weil er mit dem sozialen Umfeld nicht zu Recht kam und sich als Einzelgänger fühlte. Leider hat dieses Scheitern auch eine Narbe auf seiner Seele hinterlassen, denn er hat es als Versagen gedeutet.“

Mandy versagt bei ihrer Arbeit nicht. Sie ist schnell, gut gelaunt und weiß um die Qualität, die sie abliefert. „Ich mache das gut“, sagt die 24-Jährige, die gewissenhaft ihren Job macht. Dank der Erfindung von Gunter Klinkhammer ist Mandy mit jedem Tablett in zwei Minuten fertig. So schnell, wie das möglicherweise auf dem ersten Arbeitsmarkt niemand schafft.

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