Schweres Geschütz gegen Riesenbärenklau

Von: P. St.
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Zuerst wird Staude des Riesenbärenklaus umgelegt, aber das reicht noch nicht: Entscheidend ist, dass die Wurzelrübe vollständig aus dem Erdeich entfernt wird. Foto: P. Stollenwerk
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Stattliche Größe: Entsorgter Riesenbärenklau an Rurbrücke zwischen Hammer und Dedenborn. Foto: P. Stollenwerk

Lammersdorf. Seit sieben Jahren geht das nun schon so: Im Hochsommer rüstet sich die Untere Landschaftsbehörde der Städteregion Aachen im Kampf gegen den Riesenbärenklau, der einfach nicht kleinzukriegen ist und Jahr für Jahr neue Blüten treibt. Machen die konzertierten Attacken gegen den weißen Doldenblütler, auch Heracleum mantegazzianum genannt, eigentlich Sinn?

Udo Thorwesten von der Unteren Landschaftsbehörde, der an vorderster Front die Maßnahme begleitet, lässt sich nicht von den bis zu drei Meter hohen Giganten nicht so schnell unterkriegen: „Man muss sehr genau arbeitet, dann macht die Aktion sehr wohl Sinn, und unser Vorteil ist außerdem, dass wir jedes Jahr wiederkommen.“

So habe sich beispielsweise in den Naturschutzgebieten im Wurmtal und bei Kesternich sowie im Bereich des Kelzerbaches an der Kalltalsperre der Einsatz gelohnt, und die Bestände seien massiv zurückgegangen.

Am Montag stand dann die folgerichtige nächste Vernichtungsaktion an. Treffpunkt zur Lagebesprechung war der ehemalige Bahnhof hinter dem Bauernmuseum in Lammersdorf, wo sich direkt entlang Vennbahn die Herkulesstaude breit macht.

Dabei fällt aber nur dem geschulten Auge die ungeliebte Giftpflanze auf, die hier noch ganz klein ist und sich im knöchelhohen Gras versteckt. Nach dem Motto „Währet den Anfängen!“ rückten sowohl Mitarbeiter des Aachener Netzwerkes „Wabe“ wie auch das Fachunternehmen Udo Thoma als Spezialist für chemiefreie Unkrautvernichtung dem Bärenklau auf den Pelz.

Abmähen allein reicht nicht: Gegen den Bärenklau muss schon schwereres Geschütz aufgefahren werden. Die bloße Beseitigung der ausgetriebenen Pflanzenteile ist das falsche Mittel und begünstigt sogar noch die Ausbreitung. Da der Einsatz von Pestiziden in Naturschutzgebieten und in der Nähe von Fließgewässern nicht in Frage kommt, kann man den Riesenbärenklau nur ausgraben oder mit heißem Wasser übergießen.

Die für die untere Landschaftsbehörde tätigen Mitarbeiter der Wabe e.V. graben die Wurzeln und Knollen der Pflanzen aus, schneiden die Blüten im grünen Zustand ab, packen beides in Plastiksäcke und geben dies dann in die Verbrennung. Stängel und Blätter bleiben an Ort und Stelle.

Größere, flächendeckende Bestände werden mit einem Heißschaumsystem der Firma Thoma aus Konzen bearbeitet. Das auf einem Pkw-Anhänger montierte Gerät ist mit einem Hochdruckreiniger vergleichbar, der mit fast kochendem Wasser betrieben wird. Eine Lanze mit mehreren Öffnungen in der Spitze wird in die Wurzelknolle gerammt und kocht diese mit dem schäumenden, 95 Grad heißen Wasser vollständig durch.

Bei allen Aktionen ist höchste Vorsicht geboten, denn der Riesenbärenklau kann bei Hautkontakt für den Menschen zu großflächigen Verbrennungen dritten Grades führen. Im Gegensatz zum heimischen Bärenklau verdrängt der Riesenbärenklau die heimische Pflanzenwelt. Man nennt diese eingewanderten Pflanzen „Neophyten“. Zu ihnen gehören auch die Goldrute, das drüsige Springkraut und der japanische Knöterich.

Der Riesenbärenklau ist eigentlich im Großen Kaukasus zu Hause. Im ausgewachsenen Zustand fallen die großen Blätter mit einem Durchmesser bis zu einem Meter, die riesigen weißen Blütendolden und seine Gesamthöhe von mehr als drei Metern auf.

Für Menschen sind die Pflanzenteile giftig. Der Hautkontakt kann schnell zu großflächigen Verbrennungen dritten Grades führen. So gehört die ehemals viel verkaufte prächtige Staude inzwischen zu den besonders intensiv bekämpften Pflanzen in Deutschland. Ihr Lebenszyklus dauert etwa drei bis fünf Jahre. Nachdem sie rund 20.000 Samen produziert hat, stirbt sie ab. Diese Samen bleiben zwei bis drei Jahre keimfähig.

Nach der Aktion in Lammersdorf wurden noch weitere stattliche Einzelexemplare am Rurufer in Dedenborn und Hammer aus dem Verkehr gezogen. Im und am Gewässer findet der Riesenbärenklau gute Wachstumsbedingungen. Er gedeiht sogar mitten im Bachbett und richtet sich nach einer Regenflut schnell wieder auf.

Seit Ende Mai werden bereits die in den Vorjahren bearbeitete Riesenbärenklau-Vorkommen von Baesweiler über Herzogenrath bis Monschau wieder kontrolliert und Restbestände behandelt. Auch neue Standorte wurden unter anderem von Bürgern, der Landschaftswacht und der Biostation gemeldet. Sie wurden kartiert und individuell bekämpft. Auch vom Land wird die Aktion finanziell unterstützt.

Insgesamt 53 Aktionspunkt zur Bärenklau-Bekämpfung gibt es in der Städteregion. In der Nordeifel werden vor allem die Ufer der Rur nicht aus dem Auge gelassen. Udo Thorwesten würde sich wünschen, dass noch mehr Bürger, Kommunen und Verbände sich am Kampf gegen den Riesenbärenklau beteiligen würden.

Wegen der hohen Kosten und der Giftigkeit der Pflanzen bittet die Untere Landschaftsbehörde alle Bürger, keine Grünabfälle in der Landschaft zu entsorgen, da auf diese Weise häufig auch die Neophyten in wertvolle Naturgebiete eingebracht werden. Zudem soll jeder, der diese Pflanzen mit entsprechendem Schutz der Haut aus seinem Garten entfernt, die Pflanzenteile immer in den Restmüll geben, damit nicht der Kompostkreislauf die Ausbreitung fördert.

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