Schweres Geschütz gegen das Pumpspeicherkraftwerk

Von: P. St.
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Mit aller Kraft gegen das geplante Pumpspeicherkraftwerk Rursee: Edgar Dartenne von der Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ bei der Veranstaltung im Rurberger Antoniushof. Foto: P. Stollenwerk

Rurberg. Die Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ hat sich festgelegt: Für sie ist der geplante Bau des 640 Megawatt-Pumpspeicherkraftwerks Rursee (PSW) „landschaftsvernichtender Irrsinn“ und der „ökologische und touristische Totalschaden“ für die Region.

Auch bei der ersten Veranstaltung der BI in der Gemeinde Simmerath wurde die Linie der Total-Ablehnung der Pläne des Netzwerk-Verbundes Trianel fortgesetzt. Im Rurberger Antoniushof hatten sich trotz winterlicher Außenbedingungen rund 180 Interessenten eingefunden, die fast ausnahmslos den strammen Antikurs der Rurseeretter unterstützen.

Demonstration ist geplant

In einer lebhaften Diskussion wurde deutlich, dass die Bürgerinitiative noch lange nicht am Ende ihrer Aktivitäten angekommen ist. Wenn der Regionalrat der Bezirksregierung in Köln am 15. März über die Genehmigungsfähigkeit des Oberbeckens und die Trasse für das Erdkabel entscheidet, wollen die Gegner vor Ort sein; außerdem will sich der Vorstand in der nächsten Woche mit der Planung einer Bürger-Demonstration gegen das PSW beschäftigen.

„Nur die Bürger in ihrer Gesamtheit sind in der Lage das Projekt zu stoppen“, hieß es, und kritische Fragen mussten sich die Grünen und sowie Bürgermeister und Rat der Gemeinde Simmerath gefallen lassen. Zuerst Pfiffe, dann Beifall erhielt der Simmerather Grünen-Ratsherr Klaus Stockschlaeder als er erklärte, dass man eine „ergebnisoffene Prüfung“ des Pumpspeicherkraftwerkes anstrebe, um auf dieser Grundlage dann eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

Eduard Müllejans, langjähriger SPD-Ratsherr aus Schmidt, forderte den Simmerather Bürgermeister auf, sich jetzt an die Spitze einer Bewegung gegen das PSW zu stellen. Ein Pumpspeicherkraftwerk bedeute die „Bankrotterklärung für die Rurseegemeinden“, und daher sei es wichtig, dass man endlich auch „in Rurberg auf die Barrikaden geht“ und den Rat der Gemeinde Simmerath zum Umdenken bewege.

Zuvor hatten sich die Angriffe auf den Investor konzentriert. „Stoppt Trianel“ hieß auch das Schlagwort in Rurberg, als Werner Löhrer (Schmidt) vom Vorstand der BI zum Auftakt deutlich machte, dass es nun gelte, „die Simmerather Bastion zu knacken.“

Löhrer verwies auf die über 2500 Unterstützer der BI nach 100 Tagen im Netz und brachte die Position noch einmal auf den Punkt: Trianel setze auf eine „veraltete Technik“ und sei zudem „nicht ehrlich.“ Die Bürger würden „eingenullt“, und das Unternehmen habe bis heute „keine einzige Antwort“ auf die vielen Fragen gegeben. Trotz des Widerstandes werde „munter weitergeplant.“ Bei bis zu zwei Metern Seehub durch den Kraftwerksbetrieb könne man das Strandbad Eschauel und die Neue Mitte Woffelsbach „vergessen“, prophezeite Löhrer.

Wortreich und detailliert ging dann Referent Edgar Dartenne (Schmidt) in einer Präsentation auf die Trianel-Pläne ein, die er zusammenfassend als „Gruselkabinett eines Pumpspeicherkraftwerks“ bezeichnete. Die 380 Kv-Leitung benötige eine wesentliche breitere Trasse als von Trianel beantragt, am Einlaufbauwerk im Schilsbachtal sei es nicht ausgeschlossen, dass eventuell durch die Kläranlage Woffelsbach belastete Sedimente aktiviert würden, und „verschlammte Ufer, wo Leute einsinken, werden die Regel sein.“ Negative Auswirkungen auf die Fischfauna seien nicht wegzudiskutieren, und es erfolge ein „radikaler, unumkehrbarer Eingriff in die Landschaft.“ Vor diesem Hintergrund fragte sich Dartenne: „Wie kann man unter solchen Umständen nur für ein solches Projekt sein?“

Trianel verfolge eine Salami-Taktik bis das PSW sich in einem Stadium befinde, „wo es kein Zurück mehr gibt.“

Pumpspeicherkraftwerke seien überhaupt nicht mehr in der Lage, die zukünftig erforderliche Menge an Regelenergie bereitzustellen; das könnten Gaskraftwerke viel eher leisten. Dartenne warnte die Gemeinde Simmerath davor, der nicht mehr zeitgemäßen PSW-Technik zu vertrauen: „Das Pumpspeicherkraftwerk wird Simmerath wie ein Mühlstein um den Hals hängen.“

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