Schwarmsaison: Wenn 20.000 Bienen im Garten landen

Von: Stephan Johnen
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So sieht ein Bienenschwarm aus: Oftmals sammeln sich Tausende Bienen an Bäumen oder Sträuchern. Kundschafter machen sich auf die Suche nach einem geeigneten Nistplatz. Foto: Ulrich Schnitzler
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Ulrich Schnitzler ist Imker in Vossenack. Foto: Johnen

Vossenack. Ein Bienenschwarm ist ein beeindruckendes Naturschauspiel. Doch wenn bis zu 20.000 Bienen und eine Königin auf der Suche nach einer neuen Niststätte im Garten einen Zwischenstopp einlegen, reagieren selbst Tierfreunde nicht unbedingt mit grenzenloser Begeisterung.

„Es ist völlig normal, dass Menschen angesichts eines Schwarms etwas nervös sein können“, sagt Ulrich Schnitzler aus Vossenack, stellvertretender Vorsitzender des Imkervereins Rurtal Düren. Von den Bienen gehe aber keine Gefahr aus. Dennoch rät er, schnell zu handeln: Und nicht etwa die Feuerwehr oder einen Kammerjäger zu rufen, sondern einen Imker.

„Wir sammeln die herrenlosen Schwärme gerne ein“, sagt Schnitzler. Der Schwarm, der sich meist in Traubenform sammelt, wird dazu in eine Transportkiste „abgeschlagen“. Die Imker haben als Hilfestellung für Bürger während der Schwarmzeit von Mai bis Mitte Juli eigens eine „Schwarm-Hotline“ geschaltet (siehe Infokasten).

„Das Schwärmen ist die natürliche Art der Völkervermehrung“, erklärt Ulrich Schnitzler. Die alte Königin zieht mit einem Großteil des Volkes aus, um sich an anderer Stelle eine neue Behausung zu suchen. Die neu geschlüpfte Königin baut das Restvolk dann wieder zu einem vollwertigen Bienenvolk auf. „Wir Imker versuchen, wildes Schwärmen zu verhindern, indem wir die Königinnenzellen entfernen“, sagt Schnitzler. Doch nicht immer gelinge dies. Wildvölker gebe es nicht zuletzt wegen der Varroamilbe in unseren Breiten kaum noch. Ein Volk, das sich in der freien Natur einen Nistplatz suche, habe kaum eine Chance, sagt Schnitzler.

Taucht ein Schwarm im heimischen Garten, auf der Terrasse oder an einem Spielplatz auf, sei schnelles Handeln geboten. Die Bienen haben etwa „Proviant“ für zwei bis drei Tage im Bauch, während sich ein Großteil des Schwarms in einer Traube sammelt, gehen Kundschafter auf die Suche nach geeigneten Nistplätzen. Da es keine Behausung gibt, die die Bienen verteidigen müssen, sei der Schwarm friedlich, vor „falschem Heldenmut“ allerdings warnt der Imker dennoch.

„Wir müssen den Schwarm schnell einsammeln, am besten noch am ersten Tag, bevor die Kundschafter einen Nistplatz gefunden haben“, sagt Schnitzler. „Wenn sich die Bienen beispielsweise hinter dem Klinker eines Hauses einnisten, sind sie dem Tode geweiht. Dann können auch wir oft nichts mehr machen“, bedauert er. Dann müsse doch der Kammerjäger ran.

Doch in den meisten Fällen könnten die Bienen gerettet werden. Nach einer kurzen Zeit in Quarantäne reihen Imker die „eingesammelten“ Bienen in ihre Bestände ein. „Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist geregelt, dass herrenlose Schwärme demjenigen gehören, der sie ausfindig macht“, erklärt Schnitzler.

„Wir Feuerwehrleute sind froh, dass sich Imker für diese Aufgabe bereiterklären“, sagt Walter Kurth, Leiter der Feuerwehr in der Gemeinde Hürtgenwald. Die Feuerwehr sei „dafür weder ausgerüstet noch ausgebildet“. Der erste Notruf habe die Wehr in der vergangen Woche erreicht. „Die beste Lösung ist es immer, direkt einen Imker hinzuzuziehen“, sagt er.

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