Schwalbenfreundliche Häuser: Zwölf Bewerber in der Städteregion ausgezeichnet

Von: Johannes Mohren
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Auf einer der wenigen überirdischen Stromleitungen zwischen zwei Häusern in Dedenborn hat eine Leserin diesem Naturschauspiel zugesehen und es mit der Kamera festgehalten. Hunderte Schwalben schwärmten immer wieder auf und ließen sich kurz darauf wieder nieder. Foto: Sandra Paustenbach

Monschau. Karl Gluth hat Jahr für Jahr nachgezählt. Seit 1972 verfolgt der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Aachen-Land die Entwicklung der Mehlschwalbennester in Alsdorf-Ost.

„Da ist ein ganz massiver, kontinuierlicher Rückgang zu verzeichnen”, betont Gluth. Die grafische Auswertung seiner Zählungen unterstützt seine Worte: Die Kurve des Diagramms ist seit Jahrzehnten fallend, und seit 2008 bleiben die Schwalben in dem Alsdorfer Stadtteil sogar völlig aus.

Einst - in den siebziger Jahren - gab es dort noch fast 80 Nester. „Das ist eine traurige Entwicklung”, sagt Gluth. Und das sei keinesfalls nur ein lokal begrenztes Phänomen.

Mit der erstmalig umgesetzten Aktion „Schwalbenfreundliches Haus” wolle man nun die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Situation der Schwalben lenken, erklärt der zweite Vorsitzende des Nabu, Eike Lange.

Und natürlich wolle man den Menschen danken, die den Zugvögeln, die inzwischen auf der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel Deutschlands in der Kategorie V (Vorwarnliste) auftauchen, an ihrem Haus einen Nistplatz gewähren. Zwölf Bewerbungen sind für die Auszeichnung in diesem Jahr eingegangen.

Von Monschau bis Herzogenrath, von Würselen bis Eschweiler - in der gesamten Städteregion werden in Zukunft die quadratischen Glasplaketten mit dem Bild der Schwalbe an Hauswänden zu sehen sein.

„Zugegeben, es sind noch nicht die ganz großen Zahlen, von denen wir sprechen”, sagt Lange, aber man befinde sich in der Städteregion ja auch erst ganz am Anfang der deutschlandweiten Aktion.

Dass die Schwalben Hilfe brauchen, daran lassen die Nabu-Vertreter keinen Zweifel. „Die fehlenden Nistmöglichkeiten sind dabei nur ein - wenn auch sehr wichtiger - Baustein”, betont Karl Gluth. Damit wolle er keinesfalls die Bedeutung des vorbildlichen Verhaltens der von seinem Verband ausgezeichneten Schwalbenfreunde schmälern, versichert er, sondern lediglich die Augen für die Tragweite der Problematik öffnen.

„Wir müssen uns bewusst sein, dass den für uns relevanten Mehl- und Rauchschwalben besonders die Nahrungssuche zunehmend zu schaffen macht”, erklärt er.

Denn wenn die Schwalben jedes Jahr im April aus ihrem warmen, afrikanischen Überwinterungsquartier nach rund 5000 Kilometern Flug in unseren Gefilden eintreffen, erwartet sie hier nicht mehr das „Schlemmerland” früherer Tage.

„Die Schwalben leben von Insekten, gerade auf Wiesen”, betont Eike Lange. Und die gebe es halt immer weniger. „Die Kommunen pflegen ihren Rasen, dass man darauf golfen könnte, für die Privatgärten gilt ähnliches, und bunte Wiesen gibt es auch kaum mehr”, hebt Karl Gluth hervor.

Das sei eine Katastrophe für die Schwalben, die früher vornehmlich hier ihre Nahrung erbeuteten. Und diese Kombination aus akutem Nahrungsmangel und fehlenden Brutmöglichkeiten machten der Schwalbe das Leben schwer, und lasse sie nahezu überall verschwinden. Eine Entwicklung, die es nach Auffassung des Naturschutzbundes unbedingt zu stoppen gilt.

Die Verleihung der Glasplaketten an die zwölf schwalbenfreundlichen Hauseigentümer in der Städteregion sei dabei sicherlich ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.

Die Schwalbe als Sommerbote hat Tradition, meint Eike Lange, und allein deshalb lohne sich der Einsatz für den kleinen Zugvogel, auch wenn die „Kleckereien” an Wänden und auf Bürgersteigen selbst die „Schwalbenfreunde” nicht wirklich lächeln lassen.
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