Rohren - Schütze vor unlösbarer Aufgabe: Warum der Vogel nicht fallen wollte

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Schütze vor unlösbarer Aufgabe: Warum der Vogel nicht fallen wollte

Von: P. St.
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Der 13-jährige Alexander Fuß weiß, wie man einen gezielten Schuss ansetzt. Die Verantwortlichen bei der St.-Cornelius-Schützenbruderschaft Rohren, Schriftführer Günther Lutterbach, Brudermeisterin Diana Lutterbach und Ehrenbrudermeister Bruno Gerhards (v. li.) wünschen sich noch mehr motivierten Nachwuchs. Foto: P. Stollenwerk

Rohren. Alexander Fuß ist ein überaus hervorragender Schütze. Der 13-Jährige gehört seit einem Jahr der St.-Cornelius-Schützenbruderschaft Rohren an und bringt bei den wöchentlichen Trainingsabenden im Schießheim am Sportplatz gelegentlich auch altgediente Schützen des Vereins in Schwitzen, die dann Mühe haben, mitzuhalten.

Auch Schriftführer Günther Lutterbach vom Vorstand der 1958 gegründeten Bruderschaft ist begeistert vom Nachwuchstalent aus dem eigenen Ort: „Es schießt bereits jetzt regelmäßig 140er-Serien.“ Schützen wissen, was das bedeutet: Mit der Luftdruckbüchse gilt es, aufgelegt aus zehn Metern Entfernung, das erbsengroße Zentrum der Zielscheibe zu treffen, was zehn Ringen entsprechen würde. Bei 15 Präzisionsschüssen muss also fast jeder Treffer im Zentrum landen, um auf eine solche Ringzahl zu kommen.

Bei dieser Treffgenauigkeit hätte es doch eigentlich eine leichte Übung für Alexander Fuß sein müssen, beim kürzlich stattgefundenen Schützenfest anlässlich der Rohrener Annakirmes den Holzvogel von seinem Sperrholzsockel zu entfernen. Doch es sollte anders kommen...

Zwei Mit-Bewerber sprangen ab

Alexander Fuß trat beim Schützenfest als Bewerber um den Titel des Schülerprinzen an und mit ihm zwei weitere Nachwuchskräfte aus der Bruderschaft. Doch als es dann ernst wurde, zogen sich die beiden anderen Anwärter plötzlich zurück, weil die Eltern ihnen die Teilnahme untersagt hatten. So wurde also aus dem Dreier-Wettbewerb eine Solovorstellung für Alexander Fuß, die dann auch noch einen überaus unglücklichen Verlauf nahm.

Mit seinen Schießkünsten hätte der Schülerprinz in spe eigentlich dem Holzvogel ein schnelles Ende bereiten können, aber nach etwa zehn Schuss kippte der Vogel dann leicht zur Seite, setzte sich und die Holzsplitter verzahnten sich ineinander. Jetzt fehlte dem Schützen plötzlich ein klares Ziel. „Ich sah nicht mehr viel und konnte nur ahnen, wohin ich wohl am besten schießen musste,“ erzählt Alexander Fuß, der praktisch vor einer unlösbaren Aufgabe stand. „Da ich der einzige Bewerber war, wollte ich eigentlich schnell fertig werden.“ Der 13-Jährige quälte sich aber dann ins Ziel, und nach 50 Schuss fiel der Vogel endlich von der Stange.

Unter diesen schwierigen Umständen war das in Ordnung, bestätigten ihm auch erfahrene Schützen, aber als dann in der Öffentlichkeit über den etwas ungewöhnlichen Verlauf des Schießens geschmunzelt wurde, fühlte sich Alexander Fuß doch ein wenig ins falsche Licht gerückt, und auch der Vorstand der St.-Cornelius-Schützenbruderschaft stellte sich schützend vor den neuen Schülerprinzen. „Diese Situation kann man nicht mit Schießen auf Tonröhrchen bei der Kirmes vergleichen“, sagt Schriftführer Günther Lutterbach, der aber bereits mit seinen Kollegen im Vorstand überein gekommen ist, „für das nächste Jahr zu überlegen, wie man solche Situationen vermeiden kann“.

Auch Ehrenbrudermeister Bruno Gerhards findet die Diskussion, die auf dem Rücken eines 13-Jährigen ausgetragen wurde, nicht hilfreich, da die Schützenbruderschaften derzeit ohnehin in der öffentlichen Wahrnehmung einen schweren Stand hätten. Jede Bruderschaft könne sich heute glücklich schätzen, „wenn junge Leute zu uns kommen“.

Für Alexander Fuß ist es „die Freude am Schießsport“, die für ihn den Schützenverein attraktiv machte. Gerhards räumt ein, dass es in der Tat ein großes Problem sei, noch Bewerber zu finden, die ernsthaft an einem Wettbewerb um die Königswürde interessiert seien. Dies betreffe nicht nur die Rohrener Bruderschaft, sondern eine Vielzahl von Schützenvereinen in der Region. Auch in Rohren betreibt man Ursachenforschung, hat aber noch keine schlüssige Antwort gefunden.

Nur mit Mühe und dank intensiven Einwirkens konnte es bei der Kirmes 2015 in Rohren gelingen, zumindest drei Bewerber zu einem ernsthaften Wettbewerb um die Königswürde zu bewegen. Bruno Gerhards und seine Vorstandskollegen hatten im Vorfeld des Schützenfestes beträchtliche Anstrengungen unternommen, um innerhalb der aus rund 110 Mitgliedern bestehenden Bruderschaft dafür zu werben, sich aktiv am Königsvogelschuss zu beteiligen.

Der Wettbewerbsgedanke beim Schießen soll bei den Rohrener Schützen trotz Mangel an Bewerbern weiterhin im Vordergrund stehen: Von vorab getroffenen Absprachen, wer Schützenkönig werden soll, hält man gar nichts. Man wolle den Vogelschuss auch unbedingt weiter in den Öffentlichkeit austragen.

Die Bestimmungen gelockert

Gegenüber den straffen Richtlinien des Schützenwesens aus vergangenen Zeiten wurden die Anforderungen bereits angepasst, wie auch in einem vorab verteilten Informations-Flyer dargelegt wurde. Die Zeiten, wo man als Schützenkönig den Gastgeber fürs ganze Dorf spielen musste und dabei an die Grenze seiner finanziellen Möglichkeiten stoßen konnte, sind längst vorbei. „An den Kosten liegt es ganz bestimmt nicht“, weiß der Ehrenbrudermeister.

Man habe die Bestimmungen soweit angepasst, dass für einen Schützenkönig maximal sechs verpflichtende Termine im Laufe eines Jahres anstünden, und zudem jeder entscheiden könne, ob er mit oder ohne Gefolge sein Amt repräsentiere. Gerhards: „Wir haben die Latte bewusst tiefer gelegt, wodurch wir uns neue Impulse für die Bruderschaft erhoffen.“

Für Alexander Fuß bleibt die St.-Cornelius-Schützenbruderschaft trotz der zurückliegenden Irritationen beim Schützenfest weiterhin erste Wahl: Er wird in seiner Amtszeit die mit der Schülerprinzen-Würde verbundenen Aufgaben wahrnehmen und beabsichtigt auch im nächsten Jahr bei der Rohrener Annakirmes wieder um den Titel des Schülerprinzen anzutreten – wenn auch mit einer ganz kleinen Einschränkung: „Wenn wieder kein anderer mitschießt, dann überlege ich es mir aber noch einmal.“

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