Schüsse und eine schlagende Verbindung im Eifelkrimi von Rolf Eversheim

Von: htj
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Nordeifel. „Die Luft ist zum Schneiden dick. Vollgepackt mit Bierdunst, Kerzenbrand und Männerschweiß“. Mit diesen Worten leitet Rolf Eversheim seinen ersten Krimi „Abschuss“ ein und zeichnet damit ein anschauliches Bild der Atmosphäre, die der Leser bereits zu Anfang des Werkes zu erwarten hat.

Es ist die Atmosphäre, die in einer trinkfreudigen Studentenverbindung in Bonn herrscht, einer Organisation, die in dem Eifelkrimi auffallend positiv dargestellt werden.

Der Autor, der selbst mit Stolz bekennt, Mitglied einer studentischen Verbindung zu sein, bringt seine Sympathien gegenüber solchen Männerbünden deutlich zum Ausdruck; sogar ein eigenes Glossar für das in Stundenverbindungen benutzte Vokabular wird mitgeliefert. Soziale Abgründe wie Drogen, Alkoholmissbrauch und Prostitution spielen in dem Regionalkrimi ebenfalls eine Rolle.

Ein rustikaler und lockerer Schreibstil entführt den Leser in die Welt von Roman Mülbeck, Jäger und Berufsaussteiger, der mit Mitte 50 immer noch in einem Wohnmobil lebt. Er ist der Protagonist des knapp 230 Seiten langen Eifelkrimis.

Auf einen spannenden Prolog folgt zunächst ein recht ernüchterndes erstes Kapitel, das unterschwellige Gefahr vermittelt und damit eine gewisse Spannung aufbaut. Auffällig ist in diesen Kapiteln, dass der 1959 geborene Autor, der selber viele Jahre Geschäftsführer des deutschen Jagdverbandes war, die Jagd mit Sachverstand beschreibt. Der Handlungsstrang des Romans ist in sich schlüssig, grenzt jedoch stellenweise an Utopie, besonders wenn es um die Loyalität innerhalb besagter Studentenverbindungen geht. Die Figuren und ihre Hintergründe werden authentisch und verständlich dargestellt.

Auch wenn der Leser auf die im Klappentext versprochene Entführung tatsächlich etwas warten muss, ist das Buch eine kurzweilige Lektüre: Amüsante Vergleiche und humoristische Details regen zum Weiterlesen an, zumal der Autor sich nicht mit Detailbeschreibung einer Situation abgibt, sondern lieber auf „platt“ sagt, was genau geschieht. „Platt“ ist zum Teil auch die Sprechweise der Figuren: Der Eifeler Dialekt findet Eingang in die Dialoge und wird für Leser, die des Dialektes nicht mächtig sind „übersetzt“.

Der Roman bietet viele zum Teil unerwartete Wendungen und zeichnet ein anderes Bild der sonst oft so romantisierten Eifel. Schade ist, dass durch einen fast durchgehend parataxischen Satzbau in einigen Abschnitten des Romans die stimmungsvolle Atmosphäre fehlt. Dennoch: eine nette Lektüre für zwischendurch.

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