Schüler und Senioren: Patenprojekt wird vom Bund gefördert

Von: Peter Stollenwerk
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Der Bessere soll gewinnen: Spaß an der Freude gehört dazu, wenn im Rahmen des Patenschaftsprojektes „Jung & Alt“ die Schülerinnen der Mädchenrealschule St. Ursula zu Aktivitäten mit den Bewohnern in den Nordeifeler Senioreneinrichtungen (wie hier im Simmerather Seniorenstift Seliger Gerhard) zu Gast sind. Foto: P. Stollenwerk
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Vorlesen macht Freude: Lea ist regelmäßig bei Bewohnerin Irmgard Hermanns im Seniorenstift Seliger Gerhard in Simmerath zu Gast. Foto: P. Stollenwerk
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Petra Schiller ist die Initiatorin des Patenschaftsprojekts „Jung & Alt“. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Lara ist am Zug. Sie hat die schwarzen Steine. Ihre Mitspielerin ist Marianne Kreitmann; sie zieht mit den weißen Steinen. Gespielt wird der Klassiker „Mühle“, und die bessere Spielerin soll gewinnen. Im Simmerather Seniorenstift Seliger Gerhard ist es eigentlich nichts Ungewöhnliches, dass zum Zeitvertreib Brettspiele auf den Tisch kommen, aber diese Partie ist nicht so ganz alltäglich.

Lara ist Schülerin der Monschauer Mädchenrealschule St. Ursula und ihr gegenüber sitzt Marianne Kreitmann; sie ist Bewohnerin im Altenheim.

Kennengelernt haben sich die Beiden über ein Schulprojekt, das inzwischen weite Kreise gezogen hat, und als Beitrag im Rahmen des Bundesmodellprogramms „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ seit Oktober 2016 sogar vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als herausragendes Projekt gefördert wird. 500 lokale Allianzen gibt es zwischenzeitlich im Bundesgebiet.

„Schön, dass Du da bist“

Einmal bis zweimal im Monat besucht Lara die ältere Dame, die sich auch diesmal über den Besuch freut: „Schön, dass Du da bist“, sagt sie, und Lara fragt nach, wie man denn die gemeinsame Zeit an diesem Tag verbringen könnte. Mal wird eine Runde gespielt, mal gibt es eine Spazierfahrt im Rollstuhl.

Gemeinsam Zeit verbringen mit Spielen oder Vorlesen, Freude schenken oder einfach nur erzählen: Das ist der wesentliche Baustein des Patenschaftsprojektes Alt & Jung, das im Jahr 2010 an der Mädchenrealschule gestartet wurde. Die Gründungsinitiative ging von Petra Schiller aus Simmerath aus, deren Tochter damals die Schule besuchte. Aus Anlass des 300-jährigen Bestehens von St. Ursula wurden nachhaltige Projektideen gesucht, und Petra Schiller, die bis heute treibende Kraft und Projektleiterin der Initiative ist, stieß mit ihrem Vorschlag auf offene Ohren. In der Schulleitung und in Lehrer Wolfgang Ophoven als Projektbetreuer fand sie verlässliche Mitstreiter.

Längst ist aus dem kleinen Schulprojekt eine in der Nordeifel flächendeckende Aktion geworden, denn später übernahmen auch Schüler des St. Michael-Gymnasiums Patenschaften, und in diesem Jahr steigt die Sekundarschule Nordeifel ein.

Zu einem Zwischenfazit trafen sich jetzt die Projektbeteiligten im Simmerather Seniorenstift Seliger Gerhard. Einrichtungsleiter Thomas Pulwey, der das Projekt als Bereicherung für die Alltagsgestaltung im Seniorenstift sieht, hatte für eine einladende Atmosphäre in der Gesprächsrunde gesorgt. Bei dieser Gelegenheit bezeichnete Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns die Initiative als hervorragendes Beispiel für den konstruktiven Dialog zwischen Jung und Alt. Der Fortbestand der Aktion sei in hohem Maße der Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit von Initiatorin Petra Schiller zu verdanken.

„Das Projekt ist einfach genial“, freute sich auch Rolf Schneider, Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Region Eifel. Die Caritas konnte als verantwortlicher Träger gewonnen werden, was Voraussetzung für die Förderfähigkeit des Patenschaftsprojektes ist.

Den Gewinn für die Schule stellte Schulleiterin Dorothee Spinrath heraus: Die Schülerinnen erführen fachkundige Begleitung und erhielten Einblicke in die Herausforderungen der Gesellschaft. Bessere Voraussetzungen für ein Sozial-Praktikum könne man zudem nicht schaffen.

Diesen Aspekt würdigte auch Dr. Ulrich Albert aus Simmerath, der das Demenz-Netzwerk in der Gemeinde koordiniert: Das Projekt sei ein wichtiger Beitrag zu „sozialer Kompetenz“ und könne auch bei der  Berufswahl hilfreich sein.

18 Schülerinnen beteiligen sich

18 Schülerinnen sind in das Projekt, das sich über jeweils zwei Jahre erstreckt, eingebunden. Wenn jetzt die Sekundarschule hinzustößt sowie  erneut die Monschauer Gymnasiasten, die augenblicklich wegen eines Flüchtlingsprojektes pausieren, dann ist die Gruppe auch wieder gemischter.

Die St.-Ursula-Schülerinnen, die die Klassen acht bis zehn besuchen, sind in allen Seniorenheimen in Monschau, Simmerath und Roetgen im Einsatz – wenn es eben geht, wohnortnah. Mit den jeweiligen Alteneinrichtungen wird ein Aktionsplan aufgestellt

„Das Projekt ist ein Selbstläufer“,  erfordere aber auch charakterliche Kompetenz, weiß Betreuungslehrer Wolfgang Ophoven: „Diese AG kann auch schon mal eine Vier in Mathe aufwiegen.“

Durchweg positive Eindrücke nehmen die Schülerinnen von ihren regelmäßigen Besuchen mit: „Manchmal spielen wir oder gehen auf die Dachterrasse. Außerdem erzähle ich immer, was in Monschau gerade los ist“, berichtete Sandra, die eine ältere Dame im Monschauer Maria Hilf-Stift besucht. Laura und Julia besuchen im Stift regelmäßig einen älteren Mann, der erblindet ist. „Er spielt uns auf dem Klavier Musik von Bach vor und erzählt, dass er früher dafür viel geübt hat.“ Auch besuchen sie gemeinsam eine ältere Frau, deren Erzählungen aus früherer Zeit („Die Frauen durften sich damals keine eigene Arbeitsstelle aussuchen.“) im Gedächtnis haften bleiben.

Lea ist regelmäßig bei einer Bewohnerin , die im Seniorenstift Seliger Gerhard lebt, zu Besuch. Man erzählt sich gegenseitig vom Alltagsleben in der Familie, und dann liest Lea noch eine Kurzgeschichte vor. „Wenn ich sage, dass ich mal nicht kommen kann, ist die Dame traurig“, spürt Lea, dass sich im Laufe der Zeit schnell eine herzliche Verbindung bei den Patenschaften aufgebaut hat.

Gerne geht auch Lena regelmäßig ins Maria Hilf-Stift nach Monschau. Hier wird gestrickt und erzählt. Wie sehr beide Seiten von den Begegnungen profitieren, kann die Schülerin nur bestätigen: „So lerne ich jetzt das Stricken.“ Ähnlich sind die Erfahrung en von Miriam: Mit zwei älteren Damen trifft sie sich regelmäßig zum „Mensch ärgere Dich nicht“ oder zum Kartenspielen im Seniorenwohnsitz Lambertz in Kalterherberg: „Ich spiele selbst leidenschaftlich gerne, aber zu Hause spielt keiner mit mir.“

Die Vorteile des Patenschaftsprojektes als Beitrag zur sozialen Integration von Jung und Alt liegen also auf der Hand: Beide Seiten können nur gewinnen – außer beim Mühle spielen.

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