Schüler präsentieren ihren Zukunftsplan

Von: Andreas Gabbert und Jasmin Cool
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Wie vielen anderen Dörfern auf dem Land drohen auch Kalterherberg durch den demografischen Wandel Stillstand und Verfall: Um dem entgegenzuwirken, haben sich Schüler des St.-Michael-Gymnasium intensiv mit dem Ort auseinandergesetzt und Lösungsvorschläge erarbeitet. Foto: H. Schepp
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Trotz stressiger Abiturphase haben sie viel Zeit in den Dorfentwicklungsplan investiert: die Schüler des Erkunde-Leistungskurs des St.-Michael-Gymnasiums. Foto: A. Gabbert

Kalterherberg. Durch die demografische Entwicklung drohen den Dörfern in der Eifel Stillstand und Verfall. Die Menschen werden immer älter und immer weniger. Die Einwohnerzahl wird in der Stadt Monschau bis zum Jahr 2030 um 12,9 Prozent sinken. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, hatte sich der Erkunde-Leistungskurs des Abiturjahrgangs 2013 des St.-Michael-Gymnasiums im Dezember zum Ziel gesetzt, einen Dorfentwicklungsplan für Kalterherberg zu erstellen.

Solch ein Plan ist die Voraussetzung für die Förderung öffentlicher und privater Maßnahmen. Die Schüler wollten die Stärken des Dorfes benennen, aber auch Schwächen kennzeichnen und Lösungsvorschläge unterbreiten. Dazu hatten die angehenden Abiturienten rund 1700 Fragebögen verteilt und versucht, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Rund 850 Fragebögen haben die Schüler zurückerhalten und wissenschaftlich ausgewertet. Ihre Ergebnisse haben sie jetzt auf einer vom CDU-Ortsverband organisierten Bürgerversammlung der Öffentlichkeit vorgestellt. Rund 70 Personen, darunter viele Unternehmer und Vereinsvorsitzende, waren im Hotel Hirsch erschienen, um sich über die Arbeit des Erdkundekurses zu informieren.

„Den demografischen Wandel aufzuhalten oder gar umzukehren wäre auch für Kalterherberg ein utopisches Ziel, steckt doch ein gesellschaftlicher Wandel hinter diesem nicht aufzuhaltenden Prozess“, heißt es in der Analyse der Schüler. Es sei jedoch möglich, die Auswirkungen zu steuern und zu beeinflussen, so dass nicht nur negative Folgen zu verzeichnen seien.

An der Umfrage haben sich überwiegend die 41- bis 65-Jährigen beteiligt, die Einwohner, die größtenteils schon seit ihrer Geburt in Kalterherberg leben. Den dringendsten Handlungsbedarf sehen die 850 Befragten in Infrastrukturmaßnahmen (Verbesserung des ÖPNV, Breitbandverbindung, Erhalt der Grundschule und Nahversorgung) sowie dem Erhalt der Dorfstruktur (historische Bausubstanz, Verkehrsberuhigung, Förderung und Erhalt der Landwirtschaft, Treffpunkte im Dorfzentrum). Handlungsbedarf sehen die Bürger außerdem bei der Bevölkerungsentwicklung (Überalterung, leer stehende Häuser) und im Tourismus (einheitliches Vermarktungskonzept, Verbesserung der touristischen Infrastruktur). Den geringsten Handlungsbedarf sehen die Bürger im Bereich Umweltschutz und Natur.

Stärkung der Infrastruktur

Als erste Maßnahmen, um dem demografischen Wandel zu begegnen, schlagen die Schüler in ihrer Analyse die Stärkung der Infrastruktur durch den Erhalt und den Ausbau der öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten und Grundschulen vor. Der Rückbau öffentlicher Einrichtungen soll gestoppt, die Wirtschaftsstruktur gestärkt und die Attraktivität als Wohn- und Lebensraum gesteigert werden.

Um der immer älter werdenden Bevölkerung (der Anteil der über 65-Jährigen liegt in Kalterherberg bei rund 38 Prozent) entgegen zu kommen, empfehlen die Schüler, die älteren Häuser barrierefrei zu gestalten und freien Wohnraum jungen Leuten als Mietwohnung zur Verfügung zu stellen oder als Ferienwohnung anzubieten. Die Sanierung soll mit Fördergeldern möglich sein. Um den Ort für ältere Menschen attraktiver zu machen, schlagen die Schüler außerdem Seniorenwohngemeinschaften, Seniorenwanderwege, ein Sammeltaxi für gemeinsame Einkauffahrten oder zum Arzt vor. Weitere Anregungen sind Verkehrsberuhigung durch 30er-Zonen, bessere Querungsmöglichkeiten der Hauptstraßen und die Errichtung eines Dorfzentrums oder Bürgerhauses.

Im Bereich der Infrastruktur sehen die Schüler die Stadt Monschau in der Verantwortung. „Eine periphere Raumlage kann heutzutage nur durch eine sehr gute Infrastruktur ausgeglichen werden, um die Standortnachteile zu den Ballungsgebieten auszugleichen“, heißt es in der Studie. Wichtig sei in diesem Zusammenhang der schnelle Ausbau der Internet-Breitbandversorgung, bedarfsorientierte Ver- und Entsorgungseinrichtungen, ein moderner ÖPNV mit Ruf- und Schnellbussen sowie Sammeltaxien und ein Bürgerbus für gemeinsame Fahrten.

Im Bereich Freizeit und Erholung sehen die Schüler ein großes Potenzial, das gebündelt werden müsse. Dazu schlagen sie vor, alle Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten auf einer Internetseite zu sammeln (siehe Box) und feste Termine unter den Veranstaltern abzustimmen. Die Ausschilderung von Winter- und Seniorenwanderwegen und das Aufstellen von Ruhebänken gehören ebenso dazu wie die Ausschilderung der Mountainbikestrecke und die Umgestaltung der Dorfmitte mit einem Kinderspielplatz.

Auch im Tourismus soll die neue Internetseite eine große Rolle spielen – alle interessanten Informationen sollen dort gesammelt werden. Außerdem soll am Dorfplatz eine „Infobox“ aufgestellt werden, wo Touristen kostenlos eine Karte erhalten und mit weiteren Informationen versorgt werden. Zu den Plänen gehört das Räumen des Winterwanderwegs, die Vernetzung der Sportangebote der Vereine mit Mitmachmöglichkeiten für Touristen, die Ausweisung der Mountainbikestrecke, die Errichtung eines BMX-Parcours sowie die Förderung von Gastronomie und Ferienhäusern mit spezieller Gestaltungssatzung. Außerdem sollen traditionelle Feste wie die Kirmes für Touristen beworben und neue Attraktionen wie eine Mountainbike-Festival oder eine Pferdesegnung mit Festzug durch das Dorf geschaffen werden. Zu den Vorschlägen gehört auch ein historisches Dorffest mit Spezialitäten aus der Region.

Um die Wirtschaftsstruktur des Ortes zu stärken, schlagen die Schüler eine Senkung der Gewerbesteuer vor. Investitionen im Rahmen des Dorfentwicklungsplans sollen die Wirtschaft vor Ort zusätzlich stärken. Im Rahmen einer Wirtschafts- und Immobilienbörse könnten Kalterherberger Unternehmen ihre Firmen und Angebote präsentieren. Jungen Leuten sollte man aus Sicht der Schüler mit Hilfe von günstigen Existenzgründerdarlehen die Möglichkeit schaffen, elterliche Betriebe nach einer Modernisierung zu übernehmen oder ihnen die Chance zu geben, einen neuen Betrieb zu eröffnen, schlagen die Schüler vor.

Ein wichtiger Punkt ist auch der Erhalt der historischen und ortstypischen Bauweise. In diesem Zusammenhang ist eine Informationsveranstaltung mit dem Betac-Immobilienbüro, das das Projekt begleitet hat, geplant. Dort sollen Verkäufer und potenzielle Käufer wie Bauherren wertvolle Hilfestellungen bekommen. Eine Informationsveranstaltung mit den ortsansässigen Handwerksbetrieben könnte Bürgern außerdem Anregungen zur Gestaltung der Gebäude mit Dorfcharakter ermöglichen.

Besonders interessant sei gewesen, praktische Erfahrungen außerhalb des Unterrichts zu sammeln, sagt die 17-jährige Pia Stockschläder, die an dem Projekt beteiligt war. „Das war eine Menge Arbeit für uns, besonders in der ohnehin schon stressigen Abiturphase“, sagt sie. Um dieses Pensum zu schaffen, hätten sich die Schüler in Gruppen aufgeteilt und nachher ihre Ergebnisse zusammengetragen.

Die Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Kalterherberg, Sonja Laschet, ist begeistert von der Arbeit und den Ideen der Schüler. „Die Arbeit der Schüler ist beendet, aber für uns in Kalterherberg geht es jetzt erst richtig los“, sagt sie. Wichtig sei, dass die Bürger immer in dieses Projekt eingebunden waren und so solle es auch bei der Umsetzung der Vorschläge sein. Transparent und bürgernah sind die Schlagworte. Geplant ist eine weitere Bürgerversammlung. Außerdem soll ein Arbeitskreis erste Ergebnisse erarbeiten. Jeder ist eingeladen, sich in den Arbeitskreis einzubringen. Bei Interesse kann man sich per E-Mail an Sonja Laschet (sonja.laschet@gmx.de) wenden.

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