Schüler nehmen sich Zeit für Senioren

Von: hes
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Julia Gehlen aus Imgenbroich (4. v. li.) und Carolin Jansen aus Mützenich (4. v. re.) sind zwei von 20 Schülerinnen der St. Ursula-Mädchenrealschule, die im Rahmen des Projekts „Patenschaften Jung & Alt“ regelmäßig Senioren in den Heimen der Umgebung besuchen, um mit ihnen Zeit zu verbringen. Auch im Wohn- und Pflegeheim „Zum Grünen Tal“ sind die Schülerinnen gerne gesehene Gäste. Foto: Heiner Schepp

Imgenbroich. Das Wiedersehen ist herzlich: „Guten Morgen, Frau Breuer (Name geändert). Wie geht es Ihnen heute?“ begrüßt Julia Gehlen mit freundlicher Stimme die alte Dame im Haus „Zum Grünen Tal“. Der Frau im Rollstuhl ist die Freude anzusehen, als das junge Mädchen sie in den Arm nimmt. Der Besuch der Schülerin hier im Imgenbroicher Seniorenheim ist immer ein kleines Highlight für die über 90-Jährige, für die Julia fast so etwas wie eine eigene Enkeltochter geworden ist.

Seit zweieinhalb Jahren besucht die 16-Jährige regelmäßig das Wohn- und Pflegeheim in ihrem Wohnort und ist damit eine der erfahrensten Patinnen. „Entstanden ist das Ganze aus einem Projekt beim Schulfest 2010“, berichtet Franz-Peter Müsch, Schulleiter an St. Ursula, der zu Recht „ein bisschen stolz darauf ist, was daraus geworden ist“.

Schließlich läuft das Projekt mittlerweile im fünften Jahr und wurde 2012 sogar preisgekrönt: Unter dem Motto „Alt hilft Jung und Jung hilft Alt“ wurden die Patenschaften, denen sich im Jahr 2011 auch das Monschauer St. Michael-Gymnasium anschloss, mit dem Stifterpreis der Städteregion Aachen ausgezeichnet. Jeweils 1000 Euro erhielten die beiden Schulen für ihre Idee und die Umsetzung.

„Das Projekt ist eine Bereicherung des Schulangebotes und nicht mehr aus unserem Schulprogramm wegzudenken“, sagt Franz-Peter Müsch und sieht die Begegnung „seiner“ Schülerinnen mit den Senioren auch als „wichtigen Bestandteil unserer Bildungs- und Erziehungsarbeit“.

Seit Sommer 2012 haben alleine 24 Schülerinnen von St. Ursula eine Patenschaft in den Seniorenheimen der Region, von Roetgen bis Walheim, von Simmerath bis Monschau, von Kalterherberg bis Vossenack übernommen. Mittlerweile existiert sogar eine Warteliste mit interessierten Schülerinnen.

In der ersten Zeit richtete sich der Aufruf, im Projekt mitzumachen, an Mädchen der Klasse neun, mittlerweile sind es die Achtklässlerinnen, die man dafür gewinnen möchte. Julia Gehlen und Carolin Jansen erinnern sich noch an den Schultag, als sie beschlossen, bei den Patenschaften mitzumachen. „Ich hatte vorher schon von meiner Schwester von dem Projekt gehört und habe mich dann gemeinsam mit einer Freundin gemeldet“, erzählt Carolin, die froh ist, noch alle vier Großeltern zu haben und von daher den Umgang mit der älteren Generation bestens kennt.

Julia erinnert sich noch daran, als das Projekt ihr und ihren Mitschülerinnen in der Schule vorgestellt wurde. Der damals gezeigte Film „Apfelsinen in Omas Kleiderschrank“, der am Beispiel eines 16-Jährigen und seiner Oma Einblicke in das familiäre Zusammenleben mit einer Demenzkranken gibt, beschäftigte das junge Mädchen sehr. „Ich musste immer an meine eigene Oma denken“, gesteht die 16-Jährige, die seit nunmehr zweieinhalb Jahren Patin im „Grünen Tal“ ist.

Spielen, Spazieren, Zuhören

Was bedeutet es für die Schülerinnen, eine Patenschaft zu übernehmen? In der Regel besuchen sie ein- bis zweimal im Monat eigenverantwortlich und in Absprache mit dem Sozialdienst der Heime Bewohner in einem Seniorenheim ihrer Wahl, um Zeit mit einem (Einzelpatenschaft) oder mehreren (Gruppenpatenschaft) Heimbewohnern zu verbringen.

Da wird gespielt und vorgelesen, gemeinsam gekocht oder gebacken, gebastelt und gemalt. Oder die Patinnen gehen mit den ihnen anvertrauten Senioren spazieren. „Besonders beliebt ist Bingo“, berichtet Julia, die es selbst als „große Bereicherung“ empfindet, wenn die alten Menschen aus ihrer Kindheit, und aus alten Zeiten erzählen.

„Die Mädchen, die in unserem Projekt mitmachen, sind schon etwas Besonderes, sie fallen auf“, lobt auch Petra Schiller das außerschulische soziale Engagement. Die Mutter einer (ehemaligen) Schülerin ist Initiatorin, Leiterin und Koordinatorin des Projekts und schätzt es hoch ein, „dass die Mädchen darauf verzichten, mit ihren Freunden zusammen zu sein und stattdessen teils weite Wege auf sich nehmen, um alten Menschen den Nachmittag zu versüßen“.

Da es sich um ein Projekt außerhalb des Unterrichts handelt, gibt es dafür zwar keine Schulnote, wohl aber einen gesonderten Eintrag auf dem Zeugnis. „Da verliert dann eine Vier in Deutsch oder Mathe an Gewicht, wenn die Schülerinnen ein solches Projekt vorweisen können“, sagt Petra Schiller, die schon häufig „sehr positive Rückmeldungen von Arbeitgebern erhalten“ hat, wenn diese einen solchen Eintrag im Zeugnis gesehen haben.

Für Julia und Carolin wie auch für viele ihrer Mitschülerinnen ist die Patenschaft nicht zwingend ein erster Schritt in einen sozialen Beruf und auch nicht reiner Selbstzweck. „Es werden Berührungsängste zur anderen Generation abgebaut. Das ist auch Lernen fürs Leben“, ist Petra Schiller überzeugt. Und Julia Gehlen fügt hinzu: „Der schönste ‚Lohn‘, den wir bekommen können, ist, wenn wir mit einem Lächeln empfangen werden.“

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