Schräge Story mal ganz anders

Von: Anneliese Lauscher
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Vossenack. Einer Werkstattaufführung durften im Kloster-Kultur-Keller die Zuschauer beiwohnen; am Freitagabend wurde „Harold and Maude” gegeben, sozusagen als letzte Probe vor der Premiere. Eine Woche lang hatte das Ensemble an dem Stück gearbeitet, und das Publikum durfte nun äußern, was es davon hielt.

15 Selbstmordversuche

Als der australische Theaterautor Colin Higgins dieses Stück über zwei sehr unterschiedliche Charaktere schrieb, dachte er wahrscheinlich nicht an eine Aufführung mit Puppen. Doch das „Theater Blaues Haus” aus Krefeld machte sich zusammen mit dem „Dornerei Theater mit Puppen” aus Neustadt an der Weinstraße an die Bearbeitung des Stoffes. Die Regie übernahm Anne Swoboda, und die Franziskaner in Vossenack boten während der vergangenen Woche die Räumlichkeiten zum Üben. Bruder Wolfgang Mauritz versprach den Gästen „ein ganz besonderes Flair”.

In der Stille vor dem Beginn wurde ein Plattenspieler eingeschaltet, man hörte das Aufsetzen der Nadel, leises Knacken und dann die sanfte, unverwechselbare Stimme von Cat Stevens: „Where do the children play”. Aber dann geht Harolds Mutter gleich zur Sache, schwadroniert unaufhörlich auf ihren Sohn ein, er müsse sein Leben ändern, sich eine Frau suchen. Der 19-jährige Harold liegt in der nächsten Szene auf der Couch des Psychiaters und berichtet trocken von 15 Selbstmordversuchen.

Die Zuschauer wissen nicht so recht, ob sie erschrecken oder sich amüsieren sollen; tatsächlich wirken Harolds makabre Einfälle etwas befremdlich und trotzdem amüsant. Bei einer Beerdigung lernt er Maude kennen, eine etwas schrullige alte Dame mit einer positiven Lebenseinstellung und einem verblüffenden Optimismus. Sie fasziniert den lebensmüden Harold, und es entwickelt sich eine tiefe Beziehung zwischen den beiden so gegensätzlichen Persönlichkeiten.

Die Mutter fährt mit ihren Versuchen, Harold unter die Haube zu bringen, fort. Mal ist es eine kesse Biene, mal eine schüchterne junge Dame, die sie ausgesucht hat. Hier wird das Puppenspiel variiert, Eleen Dorner überlässt ihrem Partner Volker Schrills beide Puppen und tritt selbst als Heiratskandidatin auf - eine witzige Überraschung. Aber Harold ist nicht interessiert und eröffnet seiner Mutter schließlich, dass er Maude heiraten will. Logisch, dass sich die Mutter das überhaupt nicht vorstellen kann.

„Sing out” ist der Musiktitel, der die Begegnungen von Harold und Maude untermalt. „Wenn du frei sein willst, sei frei”, ermuntert die alte Dame den jungen Helden. Sie ist so frei, sich an ihrem 80. Geburtstag das Leben zu nehmen.

Das Stück und die wunderbare Spielweise gaben Anlass zu angeregten Gesprächen.
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