Roetgen - Schnelles Internet für Rott ist ein Problem

Schnelles Internet für Rott ist ein Problem

Von: ess
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Im Roetgener Rathaus ist man mit dem Stand der Breitbandverkabelung für die Orte Roetgen, Mulartshütte und vor allem Rott nicht zufrieden. Auch die Rolle der Telekom missfällt zunehmend. Foto: imago/Becker & Bredel

Roetgen. Breitbandverkabelung ist auch in der Gemeinde Roetgen zu einem wichtigen Standortfaktor für die Ansiedlung von Familien und Unternehmen geworden. Deshalb hat der Gemeinderat einmütig einen Antrag der FDP-Fraktion durchgewunken. Die hatte gefordert, künftig bei der Versorgung mit Strom, Wasser, Gas und Telefon auch Leerrohre für Internet-Glasfaserkabel zu verlegen.

In einer ausführlichen Stellungnahme hatte die Gemeindeverwaltung den Sachstand geschildert, aus dem auch hervorgeht dass man im Roetgener Rathaus mit dem Verhalten der Telekom nicht sonderlich zufrieden ist.

Als unterversorgt gelten Ortschaften, in denen die bestehende Internetanbindung weniger als 1Mbit/s beträgt, beginnt Jessica Schnettler, zuständige Fachfrau der Verwaltung, ihren umfangreichen Bericht. Nach Auskunft der Telekom haben 100 Prozent der Rotter Haushalte eine Anbindung von weniger als 1Mbit/s. Die Prozentzahl der nicht erreichbaren Anschlüsse für den Ortsteil Rott beträgt 33 Prozent. Jessica Schnettler: „Demnach besteht für Rott dringender Handlungsbedarf.”

Es wurde bei diversen Telekommunikationsanbietern eine Verbesserung der Breitbandanbindung für Rott angeregt. Lediglich die Telekom erklärte sich bereit, mit der Verwaltung Verhandlungen aufzunehmen. Vorgesehen war eine Anbindung via Glasfaserkabel von der Himmelsleiter über Rotterdell. Nach weiteren Gesprächen zeigte die Telekom eine für die Gemeinde kostengünstigere Alternativlösung auf. Hierbei sollte der Ortsteil Rott von Roetgen kommend über die L238 angeschlossen werden.

Hohe Kosten für Gemeinde

Nach mehrmaliger Nachfrage, so Jessica Schnettler, erhielt die Gemeinde von der Telekom im April 2009 den Entwurf eines Musterkooperationsvertrages. Anschließend wurde mit dem Landesbetrieb Straßenbau diese Lösung erörtert. Dabei stellte sich heraus, das die Verlegung lediglich im Bereich des vorhandenen Geh-/Radweges möglich war. Nach der Verlegung hätte dieser Weg mit einer Schwarzdecke überzogen werden müssen. Dies hätte einen immensen Aufwand sowie hohe Kosten für die Gemeinde verursacht.

Von der Telekom Bonn wurde im Juni 2009 eine weitere Trassenprüfung zugesichert. Trotz mehrmaliger Nachfrage erhielt die Verwaltung keinerlei Rückmeldung. Da bereits Anfang des Jahres 2009 absehbar war, dass die Verhandlungen mit der Telekom nur schleppend verlaufen würden, so Jessica Schnettler weiter, setzte sich die Verwaltung zusätzlich mit der Vodafone D2 GmbH in Verbindung.

Am 10. August wurde eine Alternativlösung, die Aufrüstung der bestehenden Mobilfunkstation „Am Gierberg” per UMTS, mit der Vodafone D2 GmbH erörtert. Diese Alternative stellte für die Verwaltung jedoch lediglich eine Übergangslösung dar, da schnellstmöglich eine Glasfaserverlegung erfolgen soll. Deshalb machte die Verwaltung trotz UMTS-Anbindung weiterhin Druck auf die Telekom Bonn.

Laut Telekom sollte nunmehr auf die ursprüngliche Variante, die Verlegung von Glasfaserkabel über Rotterdell, zurückgegriffen werden. Nach wiederholter Nachfrage sicherte die Telekom zu, dass die Verwaltung bis Ende November 2009 eine neue Berechnung über diese Anbindung erhalten würde, damit noch im Jahr 2009 ein Kooperationsvertrag geschlossen werden könnte.

Nach mehrmaligen schriftlichen sowie mündlichen Erinnerungen erhielt die Gemeinde am 16.12.2009 endlich einen Musterkooperationsvertrag. Dieser beinhaltete jedoch keinerlei auf die Trasse zugeschnittene Vertragsdetails. Bei einem Ortstermin mit der Telekom am 21.12.2009 wurden die Details des Kooperationsvertrages besprochen. Lediglich diese Details mussten noch in den Vertrag eingearbeitet werden.

Da trotz mehrmaliger Erinnerungen bis Anfang Februar kein Kooperationsvertrag eingegangen war, wurde die Geschäftsführung der Telekom mit Schreiben vom 8. Februar aufgefordert, endlich einen Kooperationsvertrag vorzulegen. Von der Telekom Bonn wurde zugesichert, dass die Verwaltung bis einschließlich 26. Februar einen ausgearbeiteten Kooperationsvertrag erhalten würde. Seit dieser Zusicherung tut sich nichts.

Laut Auskunft der Telekom vom April 2009 haben 89,9 Prozent der Haushalte in Mulartshütte eine Anbindung von weniger als 1 Mbit/s. Die Anzahl der nicht erreichbaren Anschlüsse beträgt 3,4 Prozent. Durch die Aufrüstung der Mobilfunkbasisstation „Am Giersberg” via UMTS kann eine Vielzahl von Mulartshüttener Haushalten eine Downloadgeschwindigkeit von mehr als 1 Mbit/s nutzen. Des weiteren ist Mulartshütte über das Ortsnetz Kornelimünster angeschlossen.

Roetgen gilt als versorgt

Nach Auskunft der Telekom ebenfalls vom April 2009 haben 6,1 Prozent der Roetgener Haushalte eine Anbindung von weniger als 1Mbit/s, 3,6 der Anschlüsse können nicht erreicht werden.

Da auch viele Roetgener Bürger eine schnellere Breitbandanbindung wünschen, wurde bei verschiedenen Anbietern eine mögliche Verbesserung angefragt. Des weiteren wurde auch der Kabelfernsehanbieter Roetgens kontaktiert, weil bereits wie in Aachen Breitband via Kabelfernsehen bezogen werden kann. Der Anbieter wies darauf hin, dass zur Zeit aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit keine Ausbauabsichten bestehen. Auch andere Telekommunikationsanbieter waren an einem Glasfaserausbau nicht interessiert.

Nach Auskunft der Telekom vom 22. Februar ist für das Unternehmen der Ort Roetgen mit einer Breitbandanbindung von über 1Mbit/s in mehr als 90 Prozent der Haushalte verfügbar. Somit ist für die Telekom eine ausreichende Versorgung gewährleistet. Eine Realisierung einer Glasfaseranbindung Roetgens ist für die Telekom durchaus vorstellbar, jedoch hätte die Gemeinde aufgrund der fehlenden Unterversorgung sämtliche Kosten für den Ausbau zu tragen.

Im Hinblick darauf, dass sich ab einer Entfernung von etwa 700 Metern vom Verteilerkasten an der Wintergrünstraße (im Umkreis der Wintergrünstraße erhalten die Haushalte eine Geschwindigkeit von bis zu 16 Mbit/s) die Breitbandanbindung deutlich verlangsamt, müsste die Gemeinde für einen Ausbau sehr hohe Kosten tragen. Daher ist aus kommunalen Mitteln ein solcher Ausbau nicht realisierbar.

Für Jessica Schnettler ist die Lage insgesamt unbefriedigend, zumal sich Anbieter weigern, für schnelleres Internet „Geld in die Hand zu nehmen”.
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