Schmuggler-Figur: „Kein falsches Heldentum aufbauen”

Von: P. St.
Letzte Aktualisierung:
Ortstermin am Schmuggler-Denkm
Ortstermin am Schmuggler-Denkmal: Mützenichs Ortsvorsteherin Jacqueline Huppertz (li.) mit der CDU-Europaabgeordneten Sabine Verheyen, Bildhauer Klaus Gehlen (hinten) und Parteifreunden. Foto: P. Stollenwerk

Mützenich. „Das Schmuggler-Denkmal am Grenzübergang Mützenich ist zu einer echten Attraktion geworden”, freut sich Ortsvorsteherin Jacqueline Huppertz. Viele Menschen halten hier an, lassen sich gemeinsam mit der Bronzefigur, die in gebückter Haltung einen Kaffeesacks über der Schulter trägt, fotografieren und scherzen dabei.

Das Schmuggler-Denkmal wurde am 3. Juni 2012 eingeweiht und soll an die turbulenten Nachkriegsjahre erinnern, als viele Mützenicher mit dem Kaffeeschmuggel aus Belgien ihr Auskommen bestritten.

Die Schmuggelzeit ist aber offenbar vielmehr als eine folkloristische Fußnote der Geschichte an der grünen Grenze. Mit der Aufstellung des Denkmals wurde diese Zeit plötzlich wieder lebendig, und auch die Bronzefigur auf dem Platz des ehemaligen Zollhauses stand im Blickpunkt, erst recht als einige Schmuggler aus damaliger Zeit behaupteten, dass die Darstellung der Figur nicht der Realität entspreche. In Wahrheit, so hieß es, habe man die Kaffeesäcke damals auf eine andere Weise geschultert, und auch der Hut als Kopfbedeckung habe nicht zur typischen Ausstattung der Schmuggler gehört.

Den Vorwurf, sich nicht intensiv genug mit der Materie beschäftigt zu haben, weist der Mützenicher Bildhauer Klaus Gehlen, der das Denkmal schuf, allerdings weit von sich. Gehlen: „Ich habe mit mehreren Zeitzeugen gesprochen und dabei erfahren, dass die Säcke auf verschiedene Art und Weise getragen wurden.” Auch ein Hut habe bei vielen Schmugglern nicht gefehlt, um mit der Hutkrempe den Nacken vor den rauen Säcken zu schützen.

Im übrigen, findet Klaus Gehlen, der auch das Kraremann-Denkmal in Simmerath und das Monschauer Original Maaßens Päulche schuf, komme es bei der Darstellung darauf an, die Charakteristik des Schmuggelns zu erfassen. Außerdem, mahnt er, soll man „kein falsches Heldentum” aufbauen, sondern auch die Situation der Zollbeamten von damals betrachten, die zum Teil auf den Dörfern lebten und oft keinen leichten Stand gehabt hätten.

Die Betrachter des Denkmals, ist sich Ortsvorsteherin Jacqueline Huppertz sicher, seien sich der Tatsache bewusst, „dass es sich um ein pikantes gesellschaftliches Stück europäischer Geschichte handelt”. Einige hätten daher auch zu Recht das moralische Problem aufgeworfen. „Ziel des Denkmals ist es natürlich nicht, illegale Taten aufzuwerten”.

Aber die Geschehnisse müssten im Zeitrahmen beurteilt werden. Der damalige Seelsorger, Mützenichs Pastor Heinrich Scheidt, habe dies treffend zusammengefasst: „Die ausbeuterische Höhe der staatlichen Kaffeesteuer reizte zu raschem, hohen Gewinn. Trotzdem schmuggelte der größte Teil der Mützenicher nur aus Bedürftigkeit”.

Was den künstlerischen Wert des Denkmals betreffe, so die Ortsvorsteherin weiter, „gehen die Meinungen auseinander”. Aber über Geschmack sollte man bekanntlich nicht streiten. „Die große Mehrheit der Personen, mit denen ich gesprochen habe, schätzt den urigen, heimatverbundenen Charakter dieser Bronzestatue.”

Dem Bildhauer Klaus Gehlen sei es nicht darum gegangen, „den Schmuggler auf naturalistische Weise darzustellen, sondern seine Psychologie zu erfassen”.

„Dank und Anerkennung” spricht Jacqueline Huppertz abschließend allen aus, „die dieses Denkmal ermöglicht haben”, verbunden mit der Hoffnung, dass noch viele Menschen der Statue an der deutsch-belgischen Grenze ihre Aufmerksamkeit schenken würden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert