Schmidt: Einst ein halbes Dutzend kleiner Läden

Von: Anneliese Lauscher
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Tradition verpflichtet:  Für
Tradition verpflichtet: Für Gerda Huben aus Schmidt ist ihr Lebensmittelmarkt seit vielen Jahrzehnten der wesentliche Bestandteil ihres Lebens. Foto: Anneliese Lauscher

Schmidt. Immer mehr Geschäfte verschwinden aus dem Ortsbild unserer Dörfer. Aber es gibt noch eine ganze Reihe Läden, die sich einer Tradition verpflichtet und den Kunden verbunden fühlen.

In Schmidt gibt es zwei Lebensmittelmärkte, die ähnlichen Service bieten. Ein Geschäft mit Tradition ist der „Nahkauf Gerda Huben” in der Heimbacher Straße. Den führt seit 42 Jahren Gerda Huben.

Sie erinnert sich noch gut an das kleine Lebensmittelgeschäft, das ihre Mutter nach dem Krieg gegründet hatte. Das war ein Laden, wie man sie sicher in vielen Orten des Monschauer Landes kannte: Winzig klein mit überschaubarem Sortiment von Dingen, die man täglich brauchte. Zucker, Mehl und Reis wurden „lose” angeboten und in Tüten verpackt. Die Menschen mussten recht oft einkaufen, denn sie hatten meist keinen Kühlschrank, und Vorratshaltung war ein Problem. In den 50er Jahren gab es von diesen kleinen Lebensmittelläden in Schmidt ein halbes Dutzend, jetzt sind noch zwei Geschäfte übrig geblieben.

„Meine Mutter war immer für die Kunden da”, erzählt Gerda Huben. Deren Kunden sind im Großen und Ganzen auch ihr treu geblieben, wie das auf dem Dorf so üblich ist. Sie kaufen „an Pittsches” ein, dieser Name hat sich erhalten, weil Gerda Hubens Großvater Peter hieß. Natürlich wurde das Geschäft größer, jetzt kann man sich auf einer Fläche von 150 qm bedienen; das Sortiment umfasst Obst und Gemüse, Konserven, Kaffee und Getränke, einen kleinen Bestand an Drogerie- und Büroartikeln sowie Zeitschriften.

Und „an Pittsches” ist auch die Post. Mit großer Skepsis haben die Schmidter vor ca. 15 Jahren zur Kenntnis genommen, dass ihr Postamt geschlossen wurde. Seitdem können sie ihre Postsachen im Markt Huben erledigen. Das Personal musste geschult werden und ist auch jetzt noch zu Fortbildungen verpflichtet. „Ich musste mich an den Computer gewöhnen”, sagt Gerda Huben lächelnd. Dreimal wurden die Vertragsbedingungen geändert, was es für den Betreiber der Postfiliale bestimmt nicht leichter gemacht hat.

Doch Gerda Huben und ihr engagiertes Team blieben am Ball. Die Post befindet sich übrigens direkt am Eingang; man will vermeiden, dass der Eindruck entsteht, man müsse sich genötigt fühlen, nun auch etwas zu kaufen.

Auf die Frage nach ihren persönlichen Arbeitszeiten antwortet Gerda Huben, ohne nachzudenken: wochentags immer zwölf Stunden abzüglich Mittagspause. „Man darf nicht immer nach dem Verdienst gucken, man darf die Stunden nicht addieren. Wenn du das nicht gern tust, kannst du es vergessen”, lautet ihr Fazit. Ihr Laden ist auch Treffpunkt, für manche Kunden ist er sozusagen ein sozialer Begegnungsort. Sie wollen unter Leute kommen, was erzählen und das Neuste aus dem Dorf erfahren. Durch Aushang erfährt man schon im Eingangsbereich, wo beispielsweise eine Wohnung leer steht, ein Babysitter oder eine Haushaltshilfe gesucht wird oder wem eine Katze entlaufen ist.

Auch für Vereine ist der Laden eine Anlaufstelle, für Feste und Veranstaltungen kann man hier Getränke in Kommission bekommen. Zum Service - auch für private Feiern - gehört das Ausleihen eines großräumigen Kühlschranks.

Auch wenn sie Flexibilität, Entgegenkommen und Verbundenheit mit ihrer Kundschaft pflegt, so sieht Gerda Huben die Zukunft der Dorfläden nicht rosig. Es ist der Lauf der Zeit, glaubt sie, dass die Lebensmittelgeschäfte in den Dörfern sterben werden. Zwar wurde vor zwei Jahren noch die Planung eines riesigen Neubaus für mehrere Discounter am Ortsausgang von Schmidt zu den Akten gelegt, doch ist es nicht zu übersehen, dass die berufstätigen Menschen auf dem Weg von der Arbeit häufig in Simmerath oder Nideggen einkaufen. Gerda Huben hat sich Gedanken gemacht, auf welche Weise ihr Geschäft weitergeführt werden könnte, wenn sie einmal aussteigt. Sie glaubt, dass es auf längere Sicht eine Chance hat, wenn man sich auf ein kleineres Sortiment konzentriert.
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