Schmallenberg-Virus: Veterinäre und Landwirte hoffen auf Impfstoff

Von: Ernst Schneiders
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Nicht jedes Schaf ist mit dem
Nicht jedes Schaf ist mit dem Schmallenberg-Virus infiziert und nicht jedes infizierte Muttertier bringt missgebildete oder tote Lämmer zur Welt. Von bisher zwölf in der Städteregion getesteten Neugeborenen sind sieben positiv, davon sechs aus der Eifel. Foto: imago/stock & people

Nordeifel. Sechs von zwölf sind nach Adam Riese 50 Prozent. Allerdings hatte der Vater des modernen Rechnens dabei im Mittelalter nicht das Schmallenberg-Virus im Sinn. Damit muss sich in der Gegenwart Dr. Johannes Hörmeyer vom Veterinäramt der Städteregion befassen.

Sieben von zwölf auf das Virus getesteten Lämmern haben einen positiven Befund. Sechs davon kommen aus der Nordeifel. Hinzu kommt ein bestätigter Infektionsfall aus Aachen.

Infiziert werden die trächtigen Mutterschafe durch den Stich einer bestimmten Stechmücke. Nach fünf Monaten Tragzeit werden Lämmer tot oder mit so schweren Missbildungen der Gliedmaßen und der Wirbelsäule geboren, dass sie sofort eingeschläfert werden müssen, weiß der Veterinärmediziner. Die Kadaver werden zum Staatlichen Veterinär-Untersuchungsamt nach Krefeld gebracht, wo eine Sektion stattfindet und das Virus nachgewiesen wird.

Trotz der Missbildungen gelinge es aber nicht immer, bei den Lämmern einen positiven Nachweis zu führen, weiß Dr. Hörmeyer. Auch führe eine Infizierung des Muttertiers nicht zwangsläufig zu Missbildungen bei der Nachkommenschaft. Bei den bei Schafen sehr häufigen Zwillingsgeburten komme es vor, dass ein Lamm missgebildet, das andere hingegen völlig gesund sei.

Erst seit Mitte Januar ist man hierzulande mit dem Schmallenberg-Virus befasst, das nach dem Ort seiner Erstentdeckung in Deutschland benannt ist. Es ist vergleichbar dem Akabane-Virus in Japan, das 1959 erstmals isoliert wurde und Rinder, Schafe und Ziegen befällt. Seit Mitte Januar kommen in der Region nach fünfmonatiger Tragzeit die Lämmer zur Welt.

„Die Schafzüchter und Landwirte in der Eifel sind hilflos”, konstatiert Dr. Johannes Hörmeyer, weil sich die Tiere bereits im Herbst infiziert haben. Die Züchter hoffen, wie auch die Veterinäre, darauf, dass möglichst schnell ein Impfstoff entwickelt wird. Bei der so genannten Blauzungenkrankheit im Jahr 2006, die auch Rinder, Schafe und Ziegen befiel, habe es zwei Jahre gedauert, bis es einen Impfstoff gegen diese Tierseuche gab, erinnert sic h der Veterinär der Städteregion. In den Jahren 2008 und 2009 war es Pflicht, die Bestände zu impfen, danach freiwillig. Dass es weitere Missbildungen geben werde, davon muss man nach Hörmeyers Worten ausgehen, denn in denn kommenden Wochen und Monaten werden noch viele Lämmer geboren.

Positiv getestet ist mittlerweile auch ein Kalb aus der Eifel, das vorzeitig zur Welt gekommen ist, aber keine Missbildungen aufweist. Die Veterinäre gehen davon aus, dass auch die Wiederkäuer unter den Wildtieren, Rot- und Rehwild, vom Schmallenberg-Virus befallen werden können. Hörmeyer: „Es sind aber noch keine Tiere zu uns gebracht worden.”

Von einer Epidemie mag der Veterinärmediziner nicht sprechen. Das Virus könne sich noch nicht von Tier zu Tier übertragen. Der Übertragungsweg führe derzeit nur über eine Stechmücke.

Beruhigung für die Verbraucher: Das Schmallenberg-Virus ist für Menschen ungefährlich. Dr. Johannes Hörmeyer: „Nach bisherigen Erkenntnissen ist das so.”
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