Schlussverkauf an der Hauptschule

Von: Peter Stollenwerk
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An weißgedeckten Schultischen fanden sich noch einmal die ehemaligen Lehrer ein, ehe die Hauptschule auf der Haag in Monschau als Schulgebäude endgültig ihre Türen schloss. Foto: P. Stollenwerk
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Dankbare Abnehmer waren andere Schulen für die noch verwertbaren Lernmaterialien an der Hauptschule. Foto: P. Stollenwerk
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Auch der Grill wird weggeräumt: Die letzten Hauptschüler verlassen recht entspannt die Haag. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Genau 40 Jahre lang hat sie sich im stets aufgewühlten Gelände der Schullandschaft behaupten können; jetzt sind ihre Tage gezählt: Die Gemeinschaftshauptschule Monschau-Simmerath-Roetgen auf der Monschauer Haag schließt für immer ihre Türen.

Die letzten Hauptschüler haben zum Ende des Schuljahres 2014/15 den für die damalige Zeit typischen 1970er Jahre-Betonflachbau verlassen. Nach den Sommerferien werden keine Schüler mehr den weitläufigen Schulhof bevölkern.

Als die noch verbliebenen rund 90 Hauptschüler Ende vergangener Woche ihre Zeugnisse erhielten, war dies zugleich auch das letzte offizielle Kapitel der Schulgeschichte; anschließend trafen sich dann noch einmal die verbliebenen elf Lehrkräfte des in den zurückliegenden Jahren immer mehr geschrumpften Kollegiums, um einen Schlussstrich zu ziehen und den Blick in die Zukunft zu richten.

Für einige der zweite Umzug

Zum neuen Schuljahr werden nur noch sechs dieser Kollegen wiederkommen. Diese müssen sich dann genau wie vier Hauptschulklassen in drei Jahrgangsstufen an eine neue Umgebung gewöhnen. Lehrer und Schüler ziehen in Räume der Elwin-Christoffel-Realschule. Nur topographisch gesehen ist dieser Umzug hinunter ins kleine Laufenbachtal, nur einige hundert Meter Luftlinie vom alten Standort entfernt, ein Abstieg, denn in den vor kurzem erst durchgängig sanierten Schulgebäude wird es an nichts fehlen.

Hier treffen dann zwei über fünf Jahrzehnte bewährte Bildungseinrichtungen zusammen, die jetzt beide Auslaufmodelle sind. Gemeinsam sehen Realschule mit noch verbliebenen 225 Schülern und die Hauptschule ihrem Ende entgegen. Schon seit dem vergangenen Schuljahr gibt es keine Eingangsklassen mehr, und zum Ende des Schuljahres 2017/18 ist endgültig Feierabend.

In den letzten Stunden ist an der Monschauer Hauptschule aber nichts von Depression zu spüren. Der riesige Schulhof, die großzügige Pausenhalle und die lang gestreckten Flure wirken ein wenig überdimensioniert für die wenigen noch verbliebenen Schüler, aber von Hoffnungslosigkeit ist nichts zu spüren. Jonas Kral und Sam Kutsch, beide aus der Klasse 9a, schleppen einen Gartengrill über den Schulhof.

Ein kleines Fest vor den Sommerferien bildete für sie und ihre Klasse sozusagen den Abschluss auf der Haag. Den Umzug in andere Räume sehen sie ganz entspannt: „Es ist zwar schade, dass wir das letzte Jahr nicht noch hier verbringen können, aber daran lässt sich ja ohnehin nichts mehr ändern.“

Auch bei Schulleiter Franz Anton Dénes hält sich die Wehmut in Grenzen: „Man nimmt immer das Beste mit“, sagt er, und sieht der neuen Herausforderung durchaus gespannt entgegen. Außerdem sind für ihn Schulumzüge nicht Neues. Exakt vor zwei Jahren bestimmten schon einmal Umzugskartons das Bild an der Schule.

Damals wurden die noch verbliebenen 70 Schüler der Gemeinschaftshauptschule Simmerath nach Monschau transferiert, weil das Gebäude in Simmerath für den Einzug der neugegründeten Sekundarschule Nordeifel hergerichtet wurde. Die Hälfte dieser Schüler erlebt somit bereits den zweiten Umzug. Immerhin: Nur wenige Schüler werden später einmal von sich behaupten können, dass sie ihre Schulzeit in drei verschiedenen Gebäuden absolviert haben.

Auch bei Konrektor Franz-Josef Prümmer, seit 1985 Lehrer an der Hauptschule in Monschau, ist von Abschiedsschmerz nichts zu spüren: „Ich gehe mit Freude herunter in das neue Gebäude, denn ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass die Hauptschule hier in drei Jahren einen vernünftigen Abschluss findet.“ Längst habe er sich mit der neuen Situation abgefunden, und Prümmer hofft auf einen „spannenden Neuanfang“. Was ihm zudem Mut macht, „ist das hervorragende Verhältnis zur Realschule“. Gemeinsam mit den Schülern habe man das neue Schulgebäude kürzlich besichtigt, und alle hätten einen sehr positiven Eindruck mitgenommen.

Zur Abwicklung der Hauptschule gehört auch die weitere Verwendung des umfangreichen Lern- und Lehrmaterials. „Wir waren schließlich hervorragend bestückt, sagt Franz-Josef Prümmer. Andere Schulen des Schulverbandes Nordeifel, insbesondere die Sekundarschule zeigte sich interessiert, und bediente sich am vorletzten Schultag vorrangig in den naturwissenschaftlichen Räumen, wobei die Hauptschule bei dieser besonderen Art von Schlussverkauf noch das Heft in der Hand behielt: „Wir hatten selbstverständlich Vorkaufsrecht“, sagt Franz-Josef Prümmer und schmunzelt.

Nun stehen also jetzt wieder die Umzugskartons bereit, und in den Sommerferien wird es auf der Haag für ein paar Tage noch einmal sehr lebhaft zugehen, wenn ein Unternehmen das weiterhin benötigte Material abtransportiert.

Der vorletzte Tage an der Hauptschule war noch Anlass für ein Treffen der besonderen Art. In gemütlicher Runde trafen sich im Essraum neben Lehrküche gut ein Dutzend ehemaliger Lehrer, um Abschied von jener Schule zu nehmen, die im Mittelpunkt ihres beruflichen Lebens stand. Unter den „Ehemaligen“ ist auch Bodo Friedrich, der fast 40 Jahre lang als Lehrer hier tätig war. Ihn stimme es schon ein wenig traurig, dass das „System Hauptschule“ nun dem Untergang geweiht sei. „Die Qualität der Hauptschule war einmal unheimlich hoch“, blickt Friedrich auf die beste Phase der einst klassischen Mittelschule zurück. Ihn habe es immer wieder erstaunt, „was alles aus den Jungen und Mädchen geworden ist“.

„Schüler nicht klüger geworden“

Die frühe Phase der Hauptschule ist auch für Wolfgang Prümmer immer noch präsent. „Ich bin bis heute überzeugt davon, dass die Hauptschule viel für die Bildung geleistet hat“, sagt der Lehrer. Dazu beigetragen habe auch das stets ausgezeichnete Verhältnis innerhalb des Kollegiums. Viele Kinder seien an der Hauptschule regelrecht aufgelebt und hätten zum Teil erstaunliche berufliche Karrieren gestartet. Leider aber sei die Hauptschule „gezielt ausgeblutet“ worden.

Insgesamt, ist man sich unter den Lehrern der alten Schule einig, sei das Bildungsniveau an den Schulen insgesamt betrachtet gesunken. Immer mehr Eltern wollten ihre Kinder aufs Gymnasium schicken, aber Fakt sei, „dass die Schüler nicht klüger geworden sind“.

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