Schlussveranstaltung von HA Schults Müll-Kunst-Installation

Von: Josef Schreier
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Bevor HA Schult zu seinem Vortrag ansetzte gab es eine Aufführung von César Francks berühmter Violinsonate in A-Dur: Anna Zlotovskaja und Nageeb Gardizi boten sie ausgezeichnet dar. Foto: J. Schreier

Monschau. Dass sogar dem Müll eine Romantik innewohnt, war Thema und These der Schlussveranstaltung von HA Schults großer Müll-Kunst-Installation in Monschau, die am Sonntag zu Ende ging. Am Vorabend versammelte sich noch einmal alles, was in Monschau – und darüber hinaus – Rang und Namen hat, um dem berühmten Aktionskünstler die Ehre zu erweisen.

Die Romantik kam zunächst mit einer fulminanten Aufführung von César Francks berühmter Violinsonate in A-Dur von 1886 zum Zuge. Das viersätzige große Werk wurde von der russischen Geigerin Anna Zlotovskaja – der jetzigen Ehefrau von HA Schult – und des aus Afghanistan stammenden, in Köln lebenden Pianisten Nageeb Gardizi ausgezeichnet dargeboten.

Während der spannenden Darbietung dieses – wie manchmal gesagt wird – „spätromantischen“ Werks mit seinen vielfältigen dramatischen und lyrischen Wendungen konnten sich die Zuhörer ihre Gedanken darüber machen, was das „Romantische“ dieser Musik eigentlich genau ausmacht und was wohl der Zusammenhang mit Schults Müllmenschen-Aktion sein könnte.

Der Komponist Franck ist allerdings nicht in Aachen geboren (wie der Programmzettel behauptete), sondern 1822 in Lüttich, und dass er erste Auftritte seinerzeit in der Nähe von Monschau absolviert hätte, war (wenn es stimmt) insoweit sicher auch nicht entscheidend.

Eher kommt man dem Geheimnis auf die Spur, wenn man sich klar macht, dass es Kennzeichen der romantischen Kunst von Beginn an war, auf die Schattenseiten des Lebens aufmerksam zu machen und darauf, dass die Wahrheit der Dinge nicht auf der glatten und geschönten Oberfläche liegt. Dass war an den teils hochemotionalen Passagen der Franck’schen Sonate durchaus herauszuhören, und auf eine andere Weise ging es in HA Schults anschließendem „Aktionsvortrag“ auch darum.

„Der Müll sagt die Wahrheit“ lautete der Titel dieses Vortrags. Schult ging es nicht darum, diese These auszufalten und zu beweisen. Er wies vielmehr – in einer höchst lebendigen und zupackenden Diktion – darauf hin, dass es der Kunst – gegebenenfalls auf eine unbequeme Weise – immer darum zu tun ist, auf die eigentliche Wahrheit der Dinge zurückzugehen.

In der modernen Gesellschaft hat sich unter einer glänzenden und auf Erfolg getrimmten Oberfläche vieles Negative und Abträgliche gebildet, mit dem – soweit man es nicht verdrängt – nicht ohne Probleme umzugehen ist. Der „Müll“ ist eines dieser Phänomene. So sprach Schult von unserer Zeit als von einer „Müllzeit“ – ebenso von einer „Stauzeit“. Die neueste Kunst will gerade auf solche Entwicklungen in Alltag und Umwelt mit ungewöhnlichen und provozierenden Aktionen aufmerksam machen.

Schult gestand zu, dass er und seine Künstlerfreunde der Stadt Monschau bei der großen Aktion im Jahre 1970 wohl zu viel zugemutet haben. Damals sei diese Kunst für die Monschauer zu ungewohnt gewesen und habe mehr als Provokation gewirkt. Bei seinem jetzigen Aufenthalt in der Stadt sei er jedoch auf eine erfreuliche Resonanz gestoßen. Vielfältig habe er den Eindruck gehabt, dass man begriffen hat, worum es bei der Müllmenschen-Aktion geht.

Auf die Stimme der Kunst hören

Besonders hob er hervor, dass vor allem die Kinder ein unbefangenes Gespür dafür haben – übrigens, wie er hinzufügte, überall auf der Welt, wo er mit seinen Aktionen schon gastierte. Überhaupt schien ihm der internationale und kosmopolitische Charakter der neuen Kunst ein Zeichen der Hoffnung zu sein. Der „Müllplanet Erde“ dürfte nur gemeinsam zu bewältigen sein.

Den anwesenden Politikern schrieb er ins Stammbuch, dass sie auf die Stimme der Kunst in einem stärkeren Masse hören und der Kunst auch tatsächlich die Möglichkeit geben sollten, sich zu äußern.

Seitens der Veranstalter dankten Dorit Schlieper und Helmut Lanio dem Künstler spürbar bewegt und sehr herzlich für die gelungene Monschauer Aktion.

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