Schlüsseldienst im Nirgendwo

Von: P. St.
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Wenn der Schlüssel im Schloss abbricht, kann daraus eine langwierige Geschichte werden. Das musste jetzt auch ein Bürger aus Simmerath erfahren, nachdem er den Schlüsseldienst bestellt hatte.

Simmerath. Dietrich K. (Name von der Redaktion geändert) machte vor knapp drei Wochen, das, was er jeden Abend macht. Er steckte den Schlüssel in das Schloss seiner Haustüre und freute sich auf den wohl verdienten Feierabend.

Doch der Abend begann nicht gut für den Mann aus Simmerath. Der Schlüssel brach beim Umdrehen plötzlich ab, steckte im Schloss und versperrte fürs erste die Tür.

Über den Nebeneingang aber gelangte Dietrich K. ins Haus und machte das, was in solchen Fällen angesagt ist: Er mobilisierte einen Schlüsseldienst. Wie schön, freute sich der Geschädigte, dass er im örtlichen Telefonbuch einen „Schlüsseldienst Simmerath” fand, der als Firmensitz Hauptstraße. 64 angab und damit nur einige hundert Meter vom Ort des Schlüsselbruchs entfernt war. Außerdem, so die langjährige Erfahrung von Dietrich K., sind ortsansässige Unternehmen in der Regel redlich, korrekt und vertrauenswürdig.

Der Geschädigte rief die Simmerather Telefonnummer an, und ein Mitarbeiter des Schlüsseldienstes kündigte seinen Besuch an. Der Mitarbeiter reiste allerdings aus Jülich an und gab an, für ein bei Kleve ansässiges deutschlandweit tätiges Unternehmen tätig zu sein. Dietrich K. war mit seinem Anruf also nicht in Simmerath sondern „irgendwo in Deutschland” gelandet. Genaues weiß man nicht.

Fast 300 Euro verlangt

Der junge Mitarbeiter erledigte seine Arbeit am Schloss und forderte den Rechnungsbetrag sofort bar oder per Kreditkarte ein. Der Betrag setzte sich aus einer Pauschale von 99 Euro, 30 Euro Anfahrtskosten und 98 Euro für ein neues Schloss. Hinzu kam dann noch die Mehrwertsteuer, sodass die Gesamtsumme knapp unter 300 Euro lag.

Der Kunde aus Simmerath aber verlangte eine Rechnung, wie es ja bei seriösen Handwerksbetrieben durchaus üblich sei. Der Mitarbeiter reagierte äußerst ungehalten, konnte den Widerstand aber nicht brechen und hinterließ widerwillig auf einem Zettel eine handschriftliche Rechnung und die Firmenadresse.

Die Zwischenzeit bis zur Bezahlung nutzte Dietrich K. für Nachforschungen. Er stellte fest, dass ein Firmensitz in der Hauptstraße 64 in Simmerath äußerlich nicht erkennbar ist. Unter dieser Adresse findet man ein Einzelhandelsgeschäft.

Dann konsultierte der Geschädigte einen tatsächlich vor Ort existierenden Schlüsseldienst in der Nähe. Dieser gab die Auskunft, dass für den geschilderten Schaden normalerweise 80 bis 100 Euro anfallen würden, und in aller Regel der Austausch des Schlosses nicht erforderlich sei. Das erinnerte sich der Mann zurück, wie nachhaltig ihm der Firmen-Mitarbeiter ein neues Schloss aufgedrängt hatte.

Die Geschichte mit dem Einsteckschloss ging für Dietrich K. aber noch weiter, denn er musste feststellen, dass der Einbau des neuen Schlosses nicht zufriedenstellend erfolgt war: Die Türe lasse nicht nur beschwerlich von außen öffnen, und die Verarbeitung im Türrahmen sei unsauber erfolgt, teilte er der Firma mit. Sobald der Einbau korrekt erfolgt sei, werde er die Rechnung umgehend begleichen.

„Dies dürfte für Sie am einfachsten zu erledigen sein, indem Sie einen Mitarbeiter Ihres Schlüsseldienstes in Simmerath, Hauptstraße 64, damit beauftragen. Der ist nur 600 Meter von unserem Haus entfernt”, teilte der Kunde voller Entgegenkommen mit.

Der Job ist in Gefahr

Der Mitarbeiter des Schlüsseldienstes hat inzwischen einen weiteren Besuch in Simmerath angekündigt, und bei der telefonischen Terminabsprache erklärt, dass er nun wohl nach zehn Jahren seinen Job verlieren werde, da er den Rechnungsbetrag nicht vor Ort eingetrieben habe.

Dietrich K. will den Mitarbeiter nun ermutigen, gegen die angedrohte Kündigung zu klagen, da er sich nichts habe zu Schulden kommen lassen. Und sollte ihm noch einmal ein Missgeschick mit einem Schlüssel passieren, dann hat er inzwischen dazu dazugelernt, welche Schlüsseldienste im Nirgendwo und welche vor Ort tatsächlich existieren.
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