Schließung der Förderschule Eicherscheid beschlossen

Von: ag
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Noch wird an der Förderschule in Eicherscheid unterrichtet: Schulleiter Robert Knauff will die Zeit nutzen, um mit Schülern, Eltern und Lehrern zu planen, wohin die Reise geht.

Simmerath/Eicherscheid. Die Förderschule in Eicherscheid wird geschlossen. Das hat die Förderschulverbandsversammlung am Montag in Simmerath einstimmig beschlossen. Hintergrund ist, dass die Förderschule Nordeifel mit ihrer zu geringen Schülerzahl aufgrund der Auswirkungen des 9. Schulrechtsänderungsgesetztes und der Mindestgrößenverordnung perspektivisch nicht mehr als eigenständige Schule fortgeführt werden kann.

Die Schule soll nun ab dem Schuljahr 2015/2016 auslaufend fortgeführt und frühestens mit Beginn des Schuljahres 2018/2019 als eigenständige Schule geschlossen werden. Mit dieser Formulierung will sich die Förderschulverbandsversammlung die Möglichkeit offen lassen, zu reagieren, falls sich als Reaktion auf das Gesetz eine positivere Entwicklung abzeichnen sollte.

Ministerin ist nicht zu sprechen

Da sich die drohende Schließung schon länger abzeichnete, hatte die Förderschulverbandsversammlung die Einrichtung eines schulischen Lernorts am Standort der Förderschule beschlossen. Da es unterschiedliche Auffassungen mit Blick auf die Voraussetzungen gibt, hatte sich die Versammlung dafür ausgesprochen, das Gespräch mit Schulministerin Sylvia Löhrmann zu suchen. Mit Schreiben vom 25. September wurde sie um einen Gesprächstermin gebeten. Da keine Rückmeldung erfolgte, wurde sie zwei Monate später am 27. November an den angefragten Termin erinnert. Eine Antwort erfolgte erst am 8. Januar.

Angeboten wurde aber lediglich ein Gespräch mit Mitarbeitern der betroffenen Fachabteilung des Ministeriums unter Beteiligung der Bezirksregierung. Dieses Gespräch fand dann am 10. Februar in der Förderschule statt. Dabei wurde von den Mitarbeitern des Ministeriums betont, dass die Förderschule nicht bestandsfähig sei. Außerdem wurden die rechtlichen Grundlagen zur Einrichtung eines schulischen Lernortes näher erläutert. Grundsätzlich sei die Einrichtung möglich, hieß es. Die Schülerschaft würde aber nur aus einer Teilgruppe der Schüler der allgemeinen Schule bestehen, die einen intensivpädagogischen Bedarf hat. Die Beschulung sei auch nicht auf Dauer ausgelegt und dürfe temporär maximal sechs Monate erfolgen.

Keine andere Option

Für die Beschulung von Kindern mit einem intensivpädagogischen Bedarf sieht das Ministerium die Möglichkeit, künftig eine andere Förderschule in Aachen, Stolberg oder Schleiden aufzusuchen. Die Entscheidung obliege den Eltern, und eine Fahrzeit von 90 Minuten sei den Kindern im Sekundarbereich zuzumuten.

Zur Vorbesprechung der Sitzung am Montag hatten sich Vertreter der Mitgliedskommunen mit Vertretern der Städteregion und dem Schulleiter getroffen. Einhellig wurde die Meinung vertreten, dass der Förderschulverband keine andere Handlungsoption sehe und gezwungen sei, die Förderschule auslaufend zu schließen. Unter Berücksichtigung der Zahl der Entlassschüler in den kommenden Jahren und der einhergehenden sinkenden Gesamtschülerzahl wurde es als sinnvoll erachtet, die Schule zumindest in den nächsten drei Schuljahren fortzuführen. So wäre gewährleistet, „dass die derzeitigen Schüler qualitativ hochwertig und sinnvoll auf ihren weiteren Werdegang vorbereitet werden“. Die Übergangszeit soll genutzt werden, um möglichst wohnortnahe Alternativen für die Kinder zu erarbeiten, die künftig nicht inklusiv beschult werden können. Außerdem soll an alle weiterführenden Schulen appelliert werden, genügend Plätze vorzuhalten, um auch allen inklusiv zu beschulenden Kindern eine möglichst wohnortnahe Beschulung zu ermöglichen. Die Dezernenten der Städteregion regten an, in Zusammenarbeit mit dem Schulamt Alternativen für die Zukunft zu erarbeiten. Diese Punkte wurden am Montag dann auch so beschlossen.

Zuvor hatte sich der Bürgermeister der Gemeinde Simmerath, Karl-Heinz Hermanns, als Vorsteher des Verbandes zu der Situation geäußert. „Im Moment sieht es nicht gut aus für unsere Schule“, sagte Hermanns und sprach von einem ernüchternden Gespräch mit den Vertretern des Ministeriums und der Bezirksregierung. „Man hat uns gesagt, wir könnten uns eine als schulischer Lernort verkappte Förderschule abschminken“, erklärte Hermanns. Er befürchte, „dass diese Reform für manche Schüler mit deutlichen Nachteilen verbunden ist“.

Der Vorsitzende der Versammlung, Günter Scheidt, sprach ebenfalls von ernüchternden Erfahrungen, die keine andere Möglichkeit offen ließen. Er zeigte sich enttäuscht über die zögerliche Reaktion und Resonanz aus dem Ministerium und erfreut über die Unterstützung der Städteregion. Er hegte die Hoffnung, dass sich bis zur Schließung der Schule noch etwas bewegen könne. „Mal sehen, was dann möglich ist“, sagte Scheidt.

Schulleiter Robert Knauff dankte dem Schulträger für seine Unterstützung. Knauff rückte nicht die drohende Schließung in den Mittelpunkt, sondern die Sicherheit, dass die Schule noch mindestens drei Jahre bestehen bleibe. Diese Zeit müsse genutzt werden, um die Schüler vorzubereiten. „Wir werden die gewohnte Arbeit so gut wie möglich machen und mit Schülern, Eltern und Lehrern planen, wohin die Reise geht. Das Signal soll sein: Wir haben euch im Blick“, sagte Knauff. Was nach Ablauf der drei Jahre sei, bleibe abzuwarten. Er sehe die Chance, „dass bei diesem Gesetz noch nachgesteuert wird“. Das sei aber spekulativ, verlassen könne man sich nicht darauf. „Das kann man bedauern, muss man aber hinnehmen“, sagte Knauff.

Karl-Heinz Hermanns sah eine Aufgabe darin, in den verbleibenden drei Jahren „für positive Beschulungsoptionen zu kämpfen und in Gesprächen mit Ministerien und der Landespolitik gute Optionen für die Kinder zu schaffen“. Die Arbeit werde mit dem Beschluss nicht eingestellt. Er sei gespannt, wie es an anderen Stellen im Land aussehe und ob wirklich schon das letzte Wort gesprochen sei.

„Riesenexperiment“

Für die Gemeinde Hürtgenwald sprach Bürgermeister Axel Buch. „Hier werden gute, funktionierende Strukturen zerschlagen, die nachher nicht mehr so einfachaufgebaut werden können“, sagte er und bezeichnete das Gesetz als ein „Riesenexperiment“.

Es sei eine „Sauerei, Schülern die ohnehin schwach sind, so etwas zuzumuten“, sagte Scheidt mit Blick auf die Fahrzeit zu anderen Förderschulen. Auch der Dezernent der Städteregion für Schule, Gesundheit, Sicherheit und Ordnung, Gregor Jansen, empfand 90 Minuten Schulweg als unzumutbar. Er sicherte die Unterstützung der Städteregion auf dem weiteren Weg zu. Die rechtlichen Notwendigkeiten seien nun rauf und runter diskutiert worden. Es hätte eine Möglichkeit für den Erhalt der Förderschule gegeben, dazu sei auf höherer Ebene aber niemand bereit gewesen, erklärte Jansen.

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