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Scharmützel auf dem Rursee

Von: Klaus Pesch
Letzte Aktualisierung:
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Stand wieder im Zentrum des Interesses: Trianel-Projektleiter Dr.-Ing. Christoph Schöpfer. Foto: K. Pesch

Nordeifel. Die Arbeitsgruppe Energie der UWV im Euskirchener Kreistag hatte eine unkonventionelle Idee, um sich am Diskussionsprozess über das von der Unternehmensgruppe Trianel am Rursee geplante Pumpspeicherkraftwerk (PSW) zu beteiligen.

Sie lud Gegner und Befürworter des Projekts sowie interessierte Bürger zu einer „schwimmenden Informationsveranstaltung“ auf die über den Rursee schippernde „Stella Maris“ ein. Um sich politisch positionieren zu können, habe die Arbeitsgruppe auf diese Weise ihre Meinungsbildung vervollständigen wollen.

Die Veranstaltung wurde bei Kaffee und Kuchen an Bord nicht zu einer gemütlichen Tour durch die schöne Eifel, sondern die Wogen der Emotionen schwappten zum Teil doch recht hoch. Das mag auch daran gelegen haben, dass lediglich drei unorganisierte Bürger aufs Schiff gekommen waren, ansonsten lieferten sich Gegner und Befürworter Scharmützel. Unter die Gürtellinie geriet dabei eines der Mitglieder der Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“, als er mutmaßte, das PSW werde wohl deshalb gebaut werden, damit irgendein Vertreter der Grünen sich anschließend ein Plätzchen im Aufsichtsrat sichern könne. Das sei „eine Unverschämtheit“, gab es darauf von den Befürwortern zu hören.

Im Zentrum des Interesses stand Trianel-Projektleiter Dr.-Ing. Christoph Schöpfer. Von den Gegnern des Projektes wurde ihm vorgeworfen, dass durch das Kraftwerk der Tourismus am See existenziell gefährdet sei. „Das stimmt nicht, das müssen sie belegen!“, sagte Schöpfer. Es sei auch nicht wahr, dass der Segel-Betrieb durch das Projekt gefährdet sei. Die Diskussionen um das Trianel-Projekt seien bisher nicht von Sachlichkeit geprägt gewesen, „Nur-Nein-Sager“ hätten sich zu Wort gemeldet.Christoph Pranter von der Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ wollte das nicht gelten lassen: „Wir führen eine sehr sachliche Diskussion. Das weise ich zurück“, sagte er.

Trianel, so Schöpfer, werde „Geld in die Hand nehmen“, um den Tourismus auch während der langen Bauphase, die im übrigen nicht acht, sondern sechs Jahre betragen werde, zu stützen. Schöpfer schätzte, dass sein Unternehmen eine Vorbereitungszeit von fünf Jahren benötige, so dass nicht vor 2018/19 gebaut werden könne.

Er wurde auch mit Aussagen von Dr. Wolfgang Firk vom Vorstand des Wasserverbandes Eifel Rur (WVER) konfrontiert, der mitgeteilt hatte, dass vor einem Betrieb des Pumpspeicherwerks die Böschungen der Rurtalsperre für 50 Millionen Euro befestigt werden müssten. Diese Summe stimme nicht, widersprach Schöpfer. Lediglich 20 Millionen seien dafür erforderlich. Sein Unternehmen werde für alle Schäden, die durch Trianel verursacht würden, haften. Schöpfer machte jedoch deutlich, dass vor dem Bau des Pumpkraftwerks eine Lösung gefunden werden müsse, damit keine Sedimente durch den Betrieb aufgewirbelt würden. „Ansonsten ist das Projekt nicht durchführbar“, konstatierte er. Wenn der WVER dem Kraftwerk nicht zustimme, werde das Projekt ohnehin sterben.

Durch den Tidenhub von bis zu zwei Metern, so ein Vertreter der Bürgerinitiative, sei ein „Schlammbad“ an den Ufern des Sees zu erwarten. Auch hier widersprach Schöpfer. Einen solchen „Schlammkragen“ am See gebe es auch ohne das Kraftwerk, wie man während einer Trockenperiode vor zwei bis drei Jahren habe feststellen können. Daran seien „alte Böden“ im Seeufer schuld.

„Augen zu und durch“

Klaus Stockschläder von der Grünen-Fraktion Simmerath sagte hingen, man brauche im Rahmen der Energiewende Speicher wie von Trianel vorgesehen, um die Netz-Stabilität zu gewährleisten. Rüdiger Bornhold aus dem Rheinisch Bergischen Kreis, der die Freien Wähler NRW im Regionalrat vertritt, sagte, alle kritischen Fragen müssten im Regionalrat vor dem Beginn des Planfeststellungsverfahrens geklärt sein. Er verwies darauf, dass etliche Stadtwerke an Trianel beteiligt seien. Sollte es durch das Projekt zu finanziellen Verlusten kommen, sei also auch die öffentliche Hand tangiert. Und Wulf-Dietrich Simon, Fraktionsvorsitzender der Mechernicher UWV, beklagte, derzeit gebe es noch zu viele Fragezeichen. Ohne konkrete Hintergrundinformation könne die Region nicht „Ja“ zu dem Projekt sagen. Sonst heiße es später „Augen zu und durch“.

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