Schafswolle verdirbt Rehen den Appetit

Von: Andreas Gabbert
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Auch bei den kleinen Buchen im Fuhrtsbachtal kommt die Schafswolle zum Einsatz. Stadtförster Klaus-Jürgen Schmitz hofft jetzt auf einen ähnlichen Erfolg wie bei den Douglasien. Foto: A. Gabbert
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Forstwirt Harald Roder im Einsatz mit der Spritze: Je mehr Wolle zum Einsatz kommt, um so mehr kann auf das Spritzen verzichtet werden.

Monschau. Die Bäumchen entlang des Weges durch den Stadtwald im Fuhrtsbachtal sehen aus, als habe sie jemand mit Zuckerwatte betupft. Um Leckereien handelt es sich dabei aber nicht – im Gegenteil. Es ist stinkende Schafswolle, die Reh- und Rotwild vom Naschen abhalten soll. Stadtförster Klaus-Jürgen Schmitz hat damit vielen Zweiflern zum Trotz ein Experiment gewagt, und der Erfolg gibt ihm Recht.

Noch vor zehn Jahren wurden im Stadtwald chemische Mittel wie Weißteer, HT1 und Kalk-Wassergemische eingesetzt, um zu verhindern, dass das Wild die jungen Pflanzen abfrisst. „Seit etwa neun Jahren versuchen wir, umweltverträgliche Mittel einzusetzen“, sagt Schmitz. Dabei kommt ein Mittel mit dem Namen Trico zum Einsatz, dessen Wirkstoff aus Schaffett besteht. Da das Mittel nicht gerade günstig ist (ein zehn Kilogramm schwerer Kanister kostet rund 70 Euro) und Schmitz davon gehört hatte, dass einfache Schafwolle ähnlich gut gegen den sogenannten Verbiss wirken solle, hat er es einfach ausprobiert. „Das Wild mag den Geruch von Schaffett nicht und die Wolle ist voll davon“, erklärt Schmitz.

85 Prozent haben überlebt

Als er vor drei Jahren auf einer Windwurffläche, die der Orkan Kyrill in der Nähe der Florianhütte bei Rohren zurückgelassen hatte, die jungen Douglasien nicht einzäunte, sondern mit Büscheln von Schafwolle behängte, waren viele andere Förster mehr als skeptisch. „Jeder hat gesagt, das wird nichts. Normalerweise wäre das ohne Zaun auch gar nicht möglich.“ Bis heute haben rund 85 Prozent dieser Douglasien überlebt, teilweise sind sie schon über drei Meter groß, und auf circa 50 Zentimeter Höhe ist an manchen noch die Wolle erkennbar. Bei den kleinen Buchen im Fuhrtsbachtal hofft Schmitz jetzt auf einen ähnlichen Erfolg. „Vielleicht schaffen wir das da auch. Wenn sie aus dem Äserbereich des Rehwilds raus gewachsen sind, dann hat man schon einen großen Teilerfolg errungen“, sagt der Stadtförster. Die Wolle hat für ihn gleich mehrere Vorteile. „Umweltfreundlicher geht es nicht, sie ist günstig, effektiv und eine Verpackung ist auch nicht nötig.“ Allerdings ist das Anbringen der Wolle für die insgesamt fünf Forstwirte im Monschauer Stadtwald nicht gerade angenehm. „Die Wolle muss richtig stinken, das ist für unseren Zweck am besten“, sagt Schmitz. Den Geruch bringen die Forstwirte dann abends auch mit nach Hause, das Fett geht durch die Handschuhe bis auf die Haut.

Mit dem Einsatz der Schafwolle hofft er auch, mehr Pflanzen schützen zu können. Bislang war das aufgrund der hohen Kosten nur bei 50 bis 60 Prozent der jungen Triebe möglich. „Ganz ohne geht es aber nicht. Ohne Maßnahmen ist kein wirtschaftlicher Waldbau möglich.“ Mit diesen Schutzmaßnahmen sind die fünf Forstwirte im Stadtwald circa vier Wochen im Jahr beschäftigt und schaffen trotzdem nicht alles. Bislang reicht aber auch die Wolle, die der Stadtförster von Schafzüchtern aus dem Bekanntenkreis bekommt, dafür nicht aus. Deshalb nimmt Schmitz gerne weitere Wolle an. So lange davon nicht genügend da ist, wird ein Teil der Pflanzen weiterhin mit Trico behandelt. „Ich hoffe, dass wir das irgendwann gar nicht mehr brauchen. Je mehr Wolle wir bekommen, umso weniger sind wir auf andere Mittel angewiesen“, sagt Schmitz.

Nicht zuletzt leistet die Wolle auch einen positiven Beitrag im komplizierten Verhältnis zwischen Jagd- und Forstwirtschaft. „Wenn junge Bäume im Wald nicht ohne Schutz wachsen können, dann stimmt etwas nicht. Der Wildverbiss gehört zwar zum Wald, das Wirtschaften muss aber möglich sein“, sagt Schmitz. In deutschen Wäldern gilt deshalb grundsätzlich der Slogan „Wald vor Wild“, und die Jagdpächter sind verpflichtet, bestimmte Abschussquoten zu erfüllen. Im Gegensatz zu vielen Vorurteilen sei die Mehrheit der Jäger beim Abschuss aber eher zurückhaltend, sagt Schmitz, der als Jäger selbst in einem Genossenschaftsrevier bei Kalterherberg die Jagd ausübt. „Ich wünsche mir, dass die Jäger manchmal selber wie ein Forstwirt denken würden. Das heißt nicht, dass sie alles tot schießen müssen. Wir brauchen auch nicht unbedingt höhere Abschussquoten, aber die bestehenden sollten schon erfüllt werden“, sagt Schmitz.

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