Sankt Ursula: Arbeiten im „Raum der Stille“

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In der behaglichen Atmosphäre des „Raumes der Stille“ gehen die Schülerinnen des Silentiums an der Mädchenrealschule ihrer Schularbeit nach. Hier gibt es nur eine Regel: Man muss mich so leise verhalten, dass man keinen beim Arbeiten stört. Foto: Schule

Monschau. „Arbeiten im ‚Raum der Stille‘ – dienstags und mittwochs von 12.50 bis 15.45 Uhr“. So kann man es an der Tür des Mehrzweckraumes der St. Ursula Mädchenrealschule in Monschau lesen. Was aber verbirgt sich zu den angegebenen Zeiten hinter dieser Tür? Geht es im „Raum der Stille“ um innere Einkehr, um Nichtstun, Entspannung oder Meditation auf Liegematten?

„Nein, ganz im Gegenteil, die Betonung liegt auf Arbeiten“, erklärt Christel Schütt-Müller, die pädagogische Fachkraft des Silentiums an St. Ursula. Hier im großen Mehrzweckraum der Schule versammeln sich an zwei Nachmittagen in der Woche die Schülerinnen, die es bevorzugen, alleine zu arbeiten und nur in einem besonders ruhigen Umfeld Leistung erbringen können.

Andere wiederum empfinden diese Atmosphäre als langweilig, sie bevorzugen es, mit anderen zusammen zu arbeiten und sich auszutauschen. „So schätzen wir uns im Silentium – was ja auch Stille bedeutet – glücklich, beiden Lerntypen ein optimales Umfeld bieten zu können. Die Schülerinnen der 5. Klasse genießen es, in klasseninternen Gruppen gefördert zu werden“, erläutert Schütt-Müller.

Im „Raum der Stille“ gibt es nur eine Regel: Ich muss mich so leise verhalten, dass ich keinen beim Arbeiten störe. Respekt und Wertschätzung werden hier ganz groß geschrieben und prägen die Atmosphäre. Die Schülerinnen sind hier Gäste und so ist der große helle Raum auch entsprechend vorbereitet: Dazu gehören leise Musik, Blumen und auch Matten, die die Mädchen nutzen können.

„Denn nur in einer angenehmen Stimmung kann Motivation entstehen, und dafür sind wir Erwachsenen verantwortlich“, sagt die Pädagogin. Die meisten Schülerinnen kommen regelmäßig und haben ihren festen Arbeitsplatz. Sind sie mit ihren Hausaufgaben früher fertig, stehen ihnen Arbeitsblätter, Übungen für den Unterricht oder Aufgaben zur Förderung der Konzentration und Achtsamkeit zur Verfügung.

Wie kam es zu dieser Differenzierung des Silentiums, das so alt ist wie die Schule und lange vor Nachmittagsbetreuung und Offener Ganztagsschule hier angeboten wurde? „Langjährige Erfahrungen in der Silentiumsarbeit zeigten, dass es für die leisen, sprich zurückhaltenderen Mädchen oft zu unruhig war und unsere Aufmerksamkeit in großem Umfang den temperamentvolleren galt“, blickt Silentiumsleiterin Nicole Jansen zurück.

Die Schule habe sich gefragt, wie man diesen unterschiedlichen Persönlichkeiten besser gerecht werden könne. „Die Beschäftigung mit den verschiedensten Methoden und die Berücksichtigung der Ansprüche der jeweiligen Lerntypen führten uns zu der Idee des ‚Stillen Raumes‘, eines festen Elements der sogenannten Dalton-Pädagogik“, verweist Jansen auf das von Helen Parkhurst entwickelte, reformpädagogische Modell zur Förderung selbstständigen Lernens in der Sekundarstufe.

„Ein erstes Ausprobieren zeigte, dass die Mädchen die Begeisterung für das Projekt mit uns teilten“, erzählt Christel Schütt-Müller. Seit zwei Jahren nun ist dieses Projekt fester Bestandteil der Silentiumsarbeit und es trage auch dazu bei, die Balance zwischen Ruhe und Aktion zu schaffen. Schütt-Müller: „Denn gerade heute, in unserer schnelllebigen und lauten Zeit, ist es von großer Bedeutung, zur Ruhe zu kommen, hin zu mir selbst.“

Indem die Schülerinnen angehalten werden, ihr Lernpensum zu notieren und zu strukturieren, erkennen sie, dass konzentriertes Arbeiten zu mehr Freizeit und auch Erfolg führt. Und in gleichem Maße wächst auch ihr Interesse und die Freude über die getane Arbeit. So schließt jede Arbeitseinheit mit einer Belohnung. Sie ist ebenfalls ein wichtiger Schlüssel zur Motivation, genauso wie das Eigenlob. „Denn es ist nicht das Eigenlob was stinkt, sondern der dumme Spruch selbst. So ermutigen wir unsere Schülerinnen ihre Fortschritte auch selbst mit Freude und Stolz anzuerkennen“, sagt die Pädagogische Leiterin.

Dank an scheidenden Schulleiter

Für den langjährigen Schulleiter Franz-Peter Müsch, der am Montag feierlich verabschiedet wird (s. auch Bericht auf der 1. Lokalseite), war das Silentium immer eine Herzensangelegenheit, blicken Christel Schütt-Müller und Nicole Jansen zurück: „Für diese Unterstützung möchten wir uns als Silentiumsteam herzlich bedanken und wünschen ihm für den neuen Lebensabschnitt nur das Allerbeste und Gottes Segen!“

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