Rursee: Mehr Fische durch eine künstliche Insel

Von: Ernst Schneiders
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Mehrere Standorte für die künstliche Insel in Rursee sind bereits ausgeguckt. Wo sie vor Anker geht, steht noch nicht fest. Zunächst müssen noch technische Fragen und die Finanzierung geklärt werden. Der Rheinische Fischereiverband und der Wasserverband Eifel-Rur sind gefordert. Foto: P. Stollenwerk

Rursee. Gemessen an der Größe des Gewässers sind im Rursee viel zu wenig Fische. Zu wenig Nahrung bietet das Trinkwasserreservoir, denn das Wasser ist zu sauber, hat das Institut für Binnenfischerei in Potsdam im vergangenen Jahr in einer Studie im Auftrag des Rheinischen Fischereiverbandes festgestellt.

Ein weiterer Grund für den zu geringen Fischbestand ist der bei Talsperren übliche schwankende Pegelstand. Viel Fischlaich gerät deshalb über die Wasserlinie und vertrocknet. Eine der Möglichkeiten die „natürliche Reproduktion” der im Rursee lebenden Fischarten zu fördern, sind künstliche Inseln.

Über diese Möglichkeit haben der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) und der Fischereiverband bereits im vergangenen Jahr diskutiert. Weitergekommen ist man bis zum heutigen Tage nicht, wie vom Wasserverband mit Sitz in Düren zu erfahren war. Zeit und Arbeitskraft seien anderweitig gefordert gewesen, hieß es. Und bevor es weiter gehe, ständen zunächst Gespräche mit dem Rheinischen Fischereiverband über die Fördermöglichkeiten an. Ohne Finanzspritze vom Land oder vom Verband selbst rechne sich eine solche künstliche Insel nicht.

Für Walter Sollbach aus Köln, Vorsitzender des Fischereiverbandes, stellt sich der Sachverhalt ein wenig anders dar. Herbert Polczyk vom WVER habe zugesagt, ein technisches Problem, das sich bei der Verankerung einer künstlichen Insel in einer Bucht des Rursees ergebe, erneut zu prüfen, damit es gemeinsam mit dem Hersteller gelöst werden könne.

Sorge bereitet nämlich zweierlei: Zunächst, dass die Insel wegen der starken Pegelschwankungen immer wieder auf dem Trockenen landet. zum anderen, dass sie am Ufer anlandet, was mit Sicherheit dazu führen würde, dass Touristen auf ihr herumwandern. Beides sei jedoch nicht im Sinne des Erfinders.

Auch Projektleiter Heiner Kreymann aus Moers, Mitarbeiter des Fischereiverbandes, erinnert den WVER an dessen Zusage, das Thema erneut auf die Tagesordnung zu setzen, damit es möglichst in diesem Jahr umgesetzt werden kann, nachdem es 2009 an den fehlenden Finanzierung gescheitert ist.

Ob es letztlich bei einer künstlichen Insel mit den ins Auge gefassten 1000 Quadratmetern bleibt, oder ob es aus technischen Gründen mehrere Inseln von mindestens 100 Quadratmetern werden, sei noch offen, betont Kreymann.

Wegen der stark schwankenden Pegelstände sei die Statik für dieses künstliche Objekt aufwändig, und eventuell seien die Schwimmpontons nicht das richtige Material. Doch das sei ein Job für die Ingenieure, so Heiner Kreymann: „Der Rursee leidet unter einer Strukturarmut, weil er als Talsperre eigentlich eine andere Nutzung hat. Wir wollen mit dieser künstlichen Insel diese Strukturarmut etwas ausgleichen.”

Will heißen: Im Wurzelwerk der Vegetation, das bis ins Wasser reicht, können die Fische ablaichen und finden Jungfische relativ sicheren Schutz vor den Räubern im See. Das würde dem Ziel einer „natürlichen Reproduktion” der Fischarten entsprechen und den immer wieder kostspieligen Neubesatz verringern, der auch dafür sorgt, dass die Angler was zu fangen und die Kormorane was zu beißen haben.

Bleibt die Frage nach dem lieben Geld, denn 100 Quadratmeter Insel kosten 5000 Euro. Trotz der zu erwartenden Gesamtsumme hält Walter Sollbach das Projekt für sinnvoll und notwendig. Der Fischereiverband werde sicherlich einiges aus der eigener Schatulle aufbringen können.

Darüber hinaus gelte es, das Umweltministerium des Landes zu sensibilisieren und eventuell andere Fördertöpfe der Eifel, beispielsweise das Leader-Programm, anzuzapfen. Wichtig sei zunächst aber, das der WVER die offenen technischen Fragen beantworte. Sollbach: „Wir wollen möglichst bald beim Selbsterhalt der Fischbestände einen Schritt weiterkommen.”
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