Rursee: „Kormoran für die Angler kein rotes Tuch“

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
5286527.jpg
Zugeschlagen: Ein Kormoran benötigt pro Tag rund 450 Gramm Fisch als Nahrungsaufnahme.
5286617.jpg
Am Urftseeufer im geschützten Umfeld des Nationalparks Eifel fühlt sich die Kormoran-Kolonie (die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2010) wohl. Der Bestand an Brutpaaren wächst stetig. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Dass ausgerechnet der schwarze Kormoran von den Naturschutzverbänden zum Vogel des Jahres 2010 in Deutschland auserkoren wurde, hätte aus Sicht der Angler nicht unbedingt sein müssen, aber in die Rolle des ärgsten Feindes des gänsegroßen Wasservogels wollen sich die Vertreter der Fischerei nun auch nicht drängen lassen.

Doch das Verhältnis zwischen Anglern und Kormoranen ist angespannt, was in der Natur der Sache liegt, denn ob Angler oder Kormoran: Beide sind auf Fisch aus, und da bleiben auch Kollisionen nicht aus.

„Der Kormoran allein ist für uns kein rotes Tuch“, betont jedoch Heiner Kreymann aus Xanten, Vorstandsmitglied im Rheinischen Fischereiverband und damit auch Interessenvertreter der Fischereipächtergemeinschaft Rursee, aber das „Konfliktpotential“ zwischen Anglern und Kormoranen schätze man doch etwas größer ein als dies von Seiten des Nationalparks Eifel geschehe. Das eigentliche Problem sehe man hingegen im „übertriebenen Aktionismus“ der Naturschutzpartner bei einer Tierart, „die nicht einseitig gefördert werden darf“.

Im Zusammenhang mit der kürzlich im Nationalpark Eifel erfolgten Eröffnung einer Vogelbeobachtungsstation am Urftseeufer, die vor allem die Betrachtung einer Kormoran-Kolonie mit rund 50 Brutpaaren auf der Urftsee-Insel Krummenauel ermöglicht, sind nach Einschätzung der Verantwortlichen der Fischereipächtergemeinschaft die Aktivitäten des Wasservogels verharmlost worden. Von Seiten des Nationalparks war darauf hingewiesen worden, dass sich der Kormoran vor allem der „reichen Jungfischbestände des in der Talsperre dominierenden Flussbarsches“ bediene.

Keineswegs nur Barsche aber gehörten zum Nahrungsspektrum des Kormorans, sondern sämtliche in den Eifelgewässern vorkommende Fischarten wie Rotaugen, Hechte und Aale, betont Heiner Kreymann, der beim Verband auch Referent für Gewässerfragen ist: „Wir wollen nicht gegen den Kormoran wettern, sondern es geht uns um eine sachliche Darstellung.“

Kreymann bedient sich unter anderem eines umfangreichen Gutachtens, das zwischen 2005 und 2007 durch den Rheinischen Fischereiverband erstellt wurde, und sich mit den Lebens- und Ernährungsbedingungen für Fische im Rursee beschäftigt.

Wegen der hohen Präsenz wurde auch das Thema „Fischentnahme durch Kormorane“ im Gutachten beleuchtet (siehe Box).

Nicht von der Hand zu weisen ist demnach, dass sich die einst stark dezimierte Zahl der Kormorane seit den 1980er Jahren kontinuierlich erhöht hat, und der Vogel daher auch bereits 1997 aus der Prioritätenliste der gefährdeten Arten verschwunden ist.

Der Kormoran sei immer stärker zu den Binnengewässern vorgestoßen, und es sei an der Zeit „regulierend einzugreifen“, wolle man das Fischarten-Spektrum in den hiesigen Gewässern nicht gefährden. Heiner Kreymann: „Der Artenschutz darf nicht an der Wasseroberfläche aufhören.“

Seit Ausweisung des Nationalparks im Jahr 2004 wurde zwar der Urftsee als Revier für die Angler gestrichen, aber bei einem Tagesradius von bis zum 20 Kilometern bedienen sich Kormorane selbstverständlich auch in den Nachbargewässern wie Obersee, Rursee oder Oleftalsperre.

14 Tonnen Fisch für den Kormoran

Bei seinen Fischzügen geht der Kormoran keine Kompromisse ein: Bis zu 20 Meter tief kann er in ein Gewässer vorstoßen und bis zu 40 Zentimeter große Fische als Beute heraustragen. Der Nahrungsbedarf eines Kormorans liegt bei 450 Gramm pro Tag.

Das oben erwähnte Gutachten kommt zu der Erkenntnis, dass durch den Kormoran aus den Gewässern der Eifeler Seenplatte und der Nachbartalsperren (wie Staubecken Obermaubach oder Wehebachtalsperre) pro Jahr auf einer Gesamt-Wasserfläche von rund 1500 Hektar etwa 14 Tonnen Fisch entnommen werden. Der Barsch zählt dabei laut Erkenntnissen nicht zu den bevorzugten Beutetieren, da dieser bei nahender Gefahr seine Stachelstrahlen aufrichtet, was dem Kormoran widerstrebt.

Vor diesem Hintergrund, so die Einschätzung von Heiner Kreymann, sei es sicherlich keine unzulässige Forderung der Angler, dass Maßnahmen ergriffen würden, die eine weitere Ausdehnung der Kormoran-Bestände in der Region einschränkten, zumal die Vögel auch kaum noch natürliche Feinde zu fürchten brauchten. Kreymann: „Eine gezielte Förderung des Kormorans wird zur einer Verfälschung des natürlichen Artenreichtums führen. Wir setzten uns für den Erhalt der heimischen Fischbestände ein – auch als Nahrungsmittel, denn Fische gibt es nicht nur als Fischstäbchen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (4)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert