Nideggen - Rureifel: Wieder mehr Sportler in der Vertikalen

Rureifel: Wieder mehr Sportler in der Vertikalen

Von: Kristina Toussaint
Letzte Aktualisierung:
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Kletterin Ronja Forbrig in einer Route im Effels, einem von vier Massiven, die in Nideggen beklettert werden können. Wie die „Obstwand“ sind die meisten Felsen hier rund 15 Meter hoch. Foto: Toussaint

Nideggen. Seit über 100 Jahren ist die Rureifel bei Sportkletterern beliebt – ein Traditionsgebiet. Die Sperrung von zwei Dritteln der Kletterfelsen aus Naturschutzgründen hatte vor knapp 20 Jahren den Deutschen Alpenverein (DAV) und die Klettergemeinde brüskiert.

Heute locken modernisierte Sicherungshaken und sanierte Wege wieder mehr Besucher in das Gebiet. Der harte Kern der Alteingesessenen kommt weiterhin – wünscht sich aber noch immer, dass wieder mehr Routen freigegeben werden.

Die „senkrechten Kartoffelacker“, wie Kletterer den durchfurchten Buntsandstein mit hervorstehenden, bis zu faustgroßen Kieseln liebevoll nennen, bieten Routen aller Schwierigkeitsgrade. Seitdem jedoch 1999 zwei Drittel der bekletterbaren Felsen inklusive der Burgwand durch die Bezirksregierung Köln unter Schutz gestellt und gesperrt wurden, sind viele Kletterer auf andere Gebiete ausgewichen. Der Deutsche Alpenverein (DAV) hatte die Wartung aus der Hand gegeben – mit der Begründung, das Gebiet verliere durch die drastische Reduzierung der Kletterrouten seine Relevanz. Im Auftrag der Stadt Nideggen kümmert sich nun die Bergwacht um die Sanierung der Absicherungshaken.

Vor etwa fünf Jahren hat der DAV jedoch eingelenkt und bringt sich mit dem Arbeitskreis Klettergarten Nordeifel (AKN) gemeinschaftlich mit der Stadt, der Unteren Landschaftsbehörde und der Biologischen Station in Erhalt und Sanierung des Gebiets ein. Dass die 17 Sektoren, die in vier Gebieten beklettert werden dürfen, weiterhin in gutem Zustand und benutzbar bleiben, sei inzwischen das Hauptanliegen des DAV, so Herbert Häner aus der Sektion Aachen. Häner ist Leiter des Arbeitskreises. „Unser Ziel ist, den Status quo zu erhalten, zu bewahren, was wir zurzeit haben.“ Die Routensanierung durch die Ehrenamtlichen der Bergwacht funktioniere gut. Meist seien es marode Umlenkungen, also die obersten Sicherungshaken einer Route, die von Besuchern gemeldet und dann durch die Bergwacht mit einer modernen Zwei-Punkte-Absicherung ersetzt werden.

Insbesondere im Gebiet Hirtzley seien im Laufe des letzten Jahres Haken ersetzt oder ergänzt worden, so Vanessa Reuter von der Stadt Nideggen. Auch im Effels, einem Gebiet, das oft von Anfängern frequentiert wird, habe man einiges saniert.

Alteingesessene Kletterer, die dem Traditionsgebiet die Treue halten, sind bei trockenem Wetter an jedem Tag der Woche in der Rureifel anzutreffen. Früher habe es auch ohne Sperrungen funktioniert, dass Kletterer und Natur im Einklang nebeneinander lebten, erzählt Ulrich Beaujean aus Aachen. Und er muss es wissen: Seit über 50 Jahren klettert er in der Eifel. „Früher war das hier für uns das Paradies, jedes Wochenende hat man hier verbracht. Brütete ein Falke, wurden Schilder aufgestellt und man betrat das entsprechende Areal nicht.“ Mit rund tausend Routen sei das Klettergebiet eines der größten in Deutschland gewesen. Für Kletterer aus Aachen, Köln oder Düsseldorf war Nideggen das Heimatgebiet – an den Kieselsteinen lernte man, am Fels zu klettern. Heute stehen den Sportkletterern hier noch etwa 210 Routen zur Verfügung.

„Insbesondere der Burgfelsen war früher ein Magnet“, sagt die Abendenerin Ronja Forbrig. Nicht nur Kletterbegeisterte, auch schaulustige Wanderer habe die Burgwand angezogen. Die ausbleibenden Besucher wirken sich negativ auf die Einzelhandelslandschaft aus, so die Kletterer.

In Blens mussten ein Klettergeschäft sowie ein Sportbekleidungs- und Geschenkartikelladen schließen. „Die Sperrungen waren zum Teil nachvollziehbar“, sagt Beaujean. Die Felsköpfe seien beispielsweise zu schützen und sollten nicht betreten werden. „Teilweise wirkten sie auf uns aber wie ein Bauernopfer.“ Die Ergebnisse der Gutachten seien viel zu streng ausgelegt worden, so die Kletterer. Sie würden sich wünschen, dass noch einmal neu untersucht wird, wie die Vögel und Fledermäuse in der Rureifel leben und inwiefern sie sich vom Menschen gestört fühlen. Neuerliche Gutachten sind von der Stadt aber nicht vorgesehen, so Vanessa Reuters: „Das ist durch.“ Die Naturschutzgegebenheiten würden sich schließlich nicht ändern.

Um die Felsen vor Abnutzung zu schützen, begrenzt die Stadt die Anzahl der Kletterer, die die Sektoren täglich nutzen, auf 150. Zumindest in diesem Jahr scheinen sich die Besucherzahlen positiv zu entwickeln: Seit April habe man jeden Monat mindestens 100 Tickets mehr verkauft als in den entsprechenden Monaten des Vorjahres, so die Stadt. Im Juli seien es mit 790 im Vergleich zu 560 sogar deutlich mehr gewesen. Die Erklärung: die benachbarte Jugendherberge setze vermehrt auf Erlebnispädagogik. Außerdem scheine die Zusammenarbeit mit dem DAV zu fruchten.

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