Roetgen/Stolberg - Rückhaltebecken in Roetgen: Geteilte Meinungen

Radarfallen Bltzen Freisteller

Rückhaltebecken in Roetgen: Geteilte Meinungen

Von: olk
Letzte Aktualisierung:
7808687.jpg
Gudrun Meßing (Mitte) erläutert den Bürgern aus Rott und Mulartshütte vor Ort die geplanten Maßnahmen zum Hochwasserschutz. Nicht nur das schützenswerte Schieferbachbett, auch das Auenland ist von den Planungen des Wasserverbandes betroffen. Foto: Simon Olk

Roetgen/Stolberg. Die Stolberger Innenstadt muss vor Hochwasser geschützt werden. Die bisherigen Maßnahmen reichen dafür aber nicht aus. Daher sollen zwei Hochwasser-Rückhaltebecken an der Vicht auf Roetgener Gemeindegebiet gebaut werden. Die Grünen hatten deshalb nun zu einer Ortsbegehung eingeladen.

Rund 20 Bürger nutzten das Angebot, sich vor Ort ein Bild von den geplanten Maßnahmen zu machen. „Wir möchten die Bürger frühzeitig informieren, damit ihre Belange im Planfeststellungsverfahren berücksichtigt werden“, sagte Gudrun Meßing, die die Veranstaltung organisierte.

Der Wasserverband Eifel-Rur (WVER), der verantwortlich für den Hochwasserschutz ist, plant derzeit die Bauwerke in Rott und Mulartshütte. Sie sollen mit einem Gesamtvolumen von 1,2 Millionen Kubikmeter ausreichend Platz für die Wassermassen bieten. Kostenpunkt: etwa 10 Millionen Euro.

Die Dämme werden enorme Ausmaße haben: Der Damm bei Rott hat eine geplante Länge von 170 bis 200 Metern und eine Höhe von 15 Metern. Er wird 820.000 Kubikmeter fassen. Das Bauwerk bei Mulartshütte wird etwa 130 bis 150 Meter lang bei einer Höhe von 10 bis 12 Metern und wird 400.000 Kubikmeter aufnehmen können.

Ein Ausbau der natürlichen Aueflächen könne derzeit lediglich ein Volumen von geschätzt 240.000 Kubikmeter fassen – viel zu wenig, um einem hundertjährigen Hochwasser standzuhalten, mit dem der Verband laut Gesetzgeber kalkulieren muss. Die Maßnahmen stießen bei den betroffenen Bürgern auf ein geteiltes Echo. „Ich verstehe nicht, warum zwei Kilometer unterhalb der Dreilägerbachtalsperre Bauwerke dieses Ausmaßes errichtet werden müssen“, sagte Manfred Schnitzler aus Rott.

Meßing erläuterte, dass der Betreiber, die Wassergewinnungs- und -aufbereitungsgesellschaft Nordeifel (WAG), als Trinkwasserlieferant kein Interesse daran habe, die Talsperre als Rückhaltebecken zu nutzen. Auch hier habe der Roetgener Gemeinderat bereits gedrängt, diese Alternative eingehend zu prüfen.

Bernd Matthiesen wies darauf hin, dass die Talsperre jahrelang genau diesen Zweck erfüllt habe, bis der Betreiber beschlossen habe, sie volllaufen zu lassen. Dennoch versteht Matthiesen die Aufregung um die Planungen nicht: „Nach 10 Jahren wird der Damm ganz natürlich aussehen und sich in die Umgebung eingegliedert haben“, sagte der Mulartshütter.

Meßing wies darauf hin, dass vor und hinter dem Damm der Bachlauf auf mehr als hundert Metern begradigt werde, von natürlichem Lauf könne also keine Rede sein. Außerdem kritisierte sie, dass die Familien- und Jugendbildungsstätte „Auenland“ für die Becken weichen müsse. Die Verbindungsstraße zwischen Rott und Mulartshütte müsse ebenfalls verlegt werden. Zudem verwies sie darauf, dass die biologische Station Stolberg das einmalige Bachbett aus natürlichem Schiefer als sehr selten und schützenswert einstufe.

Entgegen der Aussagen des Wasserverbandes im Bauausschuss Anfang März, laufe bisher kein Planfeststellungsverfahren. Sie habe sich diesbezüglich bei der Bezirksregierung erkundigt, sagte Meßing. „Wenn das Planfeststellungsverfahren eröffnet wird, ist es wichtig, dass möglichst viele Bürger sich schriftlich zu dem Vorhaben äußern und Eingaben machen“, betonte die grüne Ratsfrau.

Meßing erläuterte die beiden konkurrierenden EU-Richtlinien, die 2007 im nationalen Wasserhaushaltsgesetz vereint wurden – auf der einen Seite die Wasserrahmenrichtlinie, die die Gewässerqualität sichern soll und dem Umweltschutz dient, und auf der anderen Seite die Hochwasser-Risikomanagement-Richtlinie, die sich hauptsächlich mit den technischen Möglichkeiten des Hochwasserschutzes beschäftigt.

Meßing: „Die Gewichtung bei diesen Punkten ist immer noch Abwägungssache. Entscheidet die Bezirksregierung, dass der Hochwasserschutz von Stolberg wichtiger ist, spielen Umweltgesichtspunkte in Rott und Mulartshütte nur noch eine nachrangige Rolle.“

Meßing bemängelte, dass der Fragenkatalog der Grünen vom WVER nicht zufriedenstellend beantwortet wurde. Das sieht auch Norbert Kotzurek aus Mulartshütte kritisch: „Ich finde es nicht gut, dass die Ergebnisse der Voruntersuchungen nicht öffentlich zugänglich sind. So fällt es schwer, eine Abwägung bei diesen Maßnahmen zu treffen“, sagte er. „Ich bin froh, dass wir heute schon über die Planungen informiert wurden“, sagte Resi Münch aus Mulartshütte.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert