Rückenschule im Roetgener Märchenwald

Von: P. St.
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Ohne Zweifel hat das Holzrücken im verschneiten Eifelwald eine romantische Note: Für Bernhard Ungermann und seine Brabanter Kaltblutpferde ist die Arbeit aber mit einigem Aufwand verbunden. Foto: P. Stollenwerk
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Die körperliche Beanspruchung der Forstwirte beim Entasten kann ein Messgerät erfassen.

Roetgen. Um das Thema „Rücken“ gleich im doppelten Sinne ging es jetzt im Roetgener Gemeindewald. Einmal waren im tief verschneiten Fichtenwald die Rückepferde im Einsatz, zum anderen befasste sich der in Roetgen tagende Präventionsausschuss der Unfallkasse NRW mit dem Thema rückenschonendes Arbeiten im Wald.

Die in Düsseldorf ansässige Unfallkasse, die man auch als Berufsgenossenschaft für den öffentlichen Dienst bezeichnen könnte, hat im Jahr 2013 die Präventionskampagne „Denk an mich. Dein Rücken“ gestartet. Ziel ist es, arbeitsbedingte Rückenbelastungen durch entsprechendes Verhalten im Alltag zu verringern.

Der praktische Teil der Ausschusssitzung wurde in den Roetgener Gemeindewald verlegt, wo die Forstwirte der Gemeinde typische Tätigkeiten praxisnah demonstrierten. Zuvor hatte sich das 15-köpfige Gremium im Sitzungssaal des Rathauses über das Thema „Beanspruchung des Muskel-Skelett-Systems durch Belastung beim Fällen und Entasten von Bäumen“ intensiv ausgetauscht.

Messsystem in der Praxis getestet

Dass der Präventionsausschuss der Unfallkasse nun eine seiner drei Sitzungen im Jahr ausgerechnet nach Roetgen auslagerte, hat mit Bürgermeister Manfred Eis zu tun, der als Arbeitgeber-Vertreter dem Ausschuss angehört.

Also nutzte Eis die Gunst der Stunde, indem er für den Ausschuss nicht nur ein fachlich fundiertes Programm ausgearbeitet hatte, sondern am Rande auch noch die schönsten Seiten der winterlichen Eifel in Szene zu setzen wusste. Die Gäste aus der Landeshauptstadt werden es wohl als besonders nachhaltiges Erlebnis empfunden haben, als Holzrücker Bernhard Ungermann aus Höfen seine beiden Brabanter Kaltblutpferden Richard und Ivo geschmeidig durch den tief verschneiten Fichten-Hochwald führte und entrindetes Stammholz perfekt in die Rückegasse zog.

Diese sehr nachhaltige Waldbewirtschaftung hat im Roetgener Wald durchaus noch ihren festen Platz wie Gemeindeförster Wolfgang Klubert den Gästen erläuterte. Rund 7000 Festmeter Stammholz werden jedes Jahr im Gemeindewald eingeschlagen, und mindestens ein Drittel davon wird noch per Hand geschält. Das ist zwar teurer, aber bietet auch viele Vorteile. Entrindetes Holz kann länger im Wald verbleiben ohne das es an Qualität verliert; außerdem verliert es mit der Zeit an Gewicht, was den Abtransport leichter macht.

Der Präventionsausschuss hatte zwar auch seine Freude an der folkloristisch wirkenden Art der Forstwirtschaft, im Mittelpunkt aber stand ein neues Messsystem, das konkret die Belastung des Rückens bei forstwirtschaftlichen Tätigkeiten, insbesondere beim Fällen, Wenden und Entasten mit der Motorsäge personenbezogen erfassen kann. „Bei allem technologischen Fortschritt ist die Arbeit mit der Motorsäge mit einer hohen körperlichen Belastung verbunden und daher auch einer unserer Schwerpunkte“, betont Thomas Picht, Sprecher der Unfallkasse NRW.

Das Führen der Motorsäge, die gebeugte Körperhaltung sowie die Fortbewegung in unebenem Gelände beim Entasten gelten als starke Belastungsfaktoren.

Mit einem computer-unterstützten Messsystem können nun im Rahmen einer Pilotstudie Belastungen der Muskeln und des Knochenbaus unter realen Bedingungen gemessen werden. Eine moderne Sensorik, die auf der Arbeitskleidung getragen werden kann, überträgt die Bewegung per Kabelverbindung auf den Computer, der dann die Daten nach arbeitswissenschaftlichen und biomechanischen Bewertungskriterien erfasst und auswertet. Auf dieser Grundlage werden dann konkrete Feststellungen über Fehlhaltungen bei der Arbeit sichtbar und es können effektive Maßnahmen zur Vermeidung berufsbedingter Gefährdungspotenziale getroffen werden.

Für das hochsensible Messsystem stellten sich bei der Tagung des Präventionsausschusses auch Testpersonen zur Verfügung. Allerdings wurden die Tests wegen der Gefahr von verzerrten Darstellungen nicht im Wald selbst ausgeführt, sondern unter dem schützenden Dach einer Halle an der Dreilägerbachtalsperre.

Den Höhepunkt des Tages hatte sich Gemeindeförster Klubert für das Ende der Veranstaltung aufgehoben. In der Abteilung 90 bei Mulartshütte werden derzeit 105-jährige und über 40 Meter hohe Fichten gefällt. Ein solches Spektakel sieht man nicht alle Tage.

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