„Routes of Liberation“: Martin Schulz eröffnet Ausstellung

Von: Sarah Maria Berners
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Die Schirmherrschaft für die Wanderausstellung hat Martin Schulz aus persönlichen Gründen übernommen. Foto: Berners
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Die „Routes of Liberation“ sind eingebettet in touristische Routen. Foto: Berners

Schmidt. „Der Friede kommt nicht wie Strom aus der Steckdose. Er muss jeden Tag neu erarbeitet werden und er ist jeden Tag aufs Neue in Gefahr“, sagt Martin Schulz mit Blick auf die Ereignisse der vergangenen Tage.

Und der Präsident des Europäischen Parlamentes fordert: „Wir müssen das Wissen weitergeben und wir müssen Betroffenheit herstellen. Wir müssen Elend und Trauer, aber auch Hoffnung und Heldenhaftigkeit sichtbar machen.“ Um dies zu tun, hat Martin Schulz die Schirmherrschaft für die Ausstellung „Routes of Liberation – das Vermächtnis des Zweiten Weltkrieges“ übernommen, die er am Samstag in der Schmidter Pfarrkirche eröffnete.

Von Amtes wegen übernimmt der Präsident des Europäischen Parlaments eine Fülle von Schirmherrschaften. Die Schirmherrschaft für die Wanderausstellung aber habe er aus persönlichen Gründen übernommen. Als Kind von Eltern, die den Krieg erlebt haben. Als Bruder eines Kindes, dass die ersten Tage seines Lebens in einem Schutzkeller verbracht hat. „Das Leben meiner Generation hat der Zweite Weltkrieg geprägt“, sagt Schulz, Jahrgang 1955. „Aber für unsere Kinder und deren Kinder ist der Krieg so weit weg wie für uns Friedrich der Große.“ Aber wenn Fanatismus und Unterdrückung in Vergessenheit geraten würde, bestehe eine Gefahr für deren Wideraufflammen. Deswegen sei die Erinnerungskultur und damit auch die Wanderausstellung zum Kriegsende so wichtig. „Uns geht es darum, die Geschichten der Menschen weiterzuerzählen, die sie nicht mehr selbst erzählen können“, erklärt Viktoria van Krieken, die Direktorin der Stiftung „Liberationen Route Europe“. Als Arnheimerin, Tochter eines Niederländers und einer Polin habe sie schon als Kind verschiedene Sichtweisen auf den Zweiten Weltkrieg kennengelernt. Und diese verschiedenen Perspektiven soll die Ausstellung, für die auch die USA und Kanada Interesse zeigen würden, darstellen. „Es ist nicht unser Ziel, eine gemeinsame Geschichte zu erzählen, das ist auch gar nicht möglich. Wir wollen parallele Geschichten erzählen. Den Menschen die Möglichkeit bieten, die Erfahrungen und Erlebnisse anderer Menschen kennenzulernen.“

Die Ausstellung befasst sich mit der Vorgeschichte und dem Verlauf des Krieges und zeichnet den Weg der Befreiung nach. Sie erklärt Schlüsselbegriffe wie Besatzung, Bombardierung und Widerstand. Aber vor allem geht sie auf persönliche Geschichten von 16 Menschen ein. Auf die des Generalfeldmarschalls Walter Model, einem Gefolgsmann Adolf Hitlers, ebenso wie auf „Jachna“, eine junge Polin, die für die Unabhängigkeit ihres Landes kämpfte. „Für die Ausstellung in Schmidt haben wir zudem die Lebensläufe von sechs Menschen, die aus der Region kommen, aufgearbeitet“, erklärt Gotthard Kirch, Projektpartner und Geschäftsführer des Vereins Rureifel Tourismus. Diese sind in einer Broschüre zusammengefasst. Die lokale Geschichte wird zudem auf Stellwänden erläutert. „Als Konsequenz aus der Geschichte bauen wir in Europa eine transnationale Demokratie auf. Die ist noch nicht fertig. Aber der Wille, Grenzen abzubauen und zusammenzuarbeiten ist da“, betont Martin Schulz. Dies sei eine Art „Immunsystem“ gegen den Krieg. Aber es sei keineswegs für immer garantiert, sagt Schulz auch mit Blick auf die Ukraine.

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