Rott - Rotter Hubertusschützen: Zum Bogen kam das Kleinkaliber

Rotter Hubertusschützen: Zum Bogen kam das Kleinkaliber

Von: kf
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Rott. Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Am Sonntag, 2. Oktober, feiern die Rotter Hubertusschützen ihr 125-jähriges Bestehen. Die Vereinsgeschichte kann bis in das Jahr 1891 zurückverfolgt werden. Damals beschlossen die Bogenschützen, auch das Kleinkaliberschießen als Sportart in ihren Verein aufzunehmen.

Einen tiefen Einschnitt in der Vereinshistorie verzeichnet die Chronik mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914, da die militärischen Ereignisse den jungen Verein schwer trafen. Viele Schützen mussten Rott verlassen, um als Soldaten auf den europäischen Schlachtfeldern eingesetzt zu werden. Getreu ihrem Schützenmotto „Glaube, Sitte und Heimat“ versuchten sie, ihr Land in auch diesem sinnlosen Krieg zu verteidigen. Fünf junge Rotter Schützen verloren dabei ihr Leben.

Nur wenige Jahre nach diesem herben Verlust verboten die Nazis 1936 alle Vereine, die in Verbindung zur Kirche standen. Erst 1948 gelang es den Rottern, den Schützenverein wieder aufleben zu lassen. 28 Mitglieder fanden sich damals zur Neugründung ein, 1. Vorsitzende nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Josef Pons. Nach der Eintragung der Bruderschaft in das Vereinsregister im Juli 1979 konnte auch der Bau einer eigenen Schützenhalle am Rotter Tiergarten in Angriff genommen werden. In Eigenleistung entstand bis zum 29. August 1981 eine Halle mit acht Schießbahnen. 2001 erweiterte der Schützenverein die sportlichen Disziplinen auf Kleinkaliberschießen.

Da die Rotter Schützen allerdings ein zu kleiner Verein waren, um alleine in dieser Disziplin antreten zu können, beschloss man eine Kooperation mit den Schützen aus Kornelimünster und Venwegen. Dieser Zusammenschluss firmierte ab Oktober 2002 unter „KK Schlausermühle“. Bereits seit 1998 ist Hans-Dirk Coppeneur erster Brudermeister der „St. Hubertusschützen“. 2010 wurde er sogar in den „Ritterorden des Heiligen Sebastian zu Europa“ aufgenommen.

Vier Disziplinen bietet der Verein für seine aktiven Mitglieder an: Luftgewehrschießen, Pistole, Kleinkaliber und eine Ordonanzmannschaft. Letztere schießt mit Großkalibern auch bei Kirmeseröffnungen. Dieses Team besteht aus acht Mitgliedern, die mit ehemaligen Dienstgewehren ab 1900 schießen. Die Mannschaft „Luftgewehr aufgelegt“ konnte 2015 bei den Deutschen Meisterschaften im Dortmund den 19. Platz von 212 belegen.

Heute besteht der Verein aus 70 Mitgliedern, von denen lediglich fünf die Jugend-Abteilung des Vereins bilden. Allerdings sind nur noch 20 Schützen sportlich aktiv, darunter zwei Frauen. Das Vereinssterben geht somit auch am Rotter Schützenverein nicht vorbei. Die Schützen vermuten, dass besonders der stressige Arbeitsalltag ein Grund für die stagnierenden Mitgliederzahlen in vielen Vereinen sei. Rott sei in den letzten Jahren – wie viele Gemeinden an der Peripherie einer Großstadt – zu einer „Schlafstadt“ mutiert.

Gleiches gelte auch für den fehlenden Nachwuchs. Der Druck und Stress, der durch Abitur, Ausbildung oder Studium entstehe, ließe keine Zeit mehr für eine Mitgliedschaft in einem Verein. Auch die Amokläufe der letzten Jahre hätten den Schützen schwere Zeiten beschert. Oft sei man nach dem Fall in Winnenden, wo die Tatwaffe aus dem unabgeschlossenen Waffenschrank des Vaters gestohlen wurde, auf dieses Verbrechen angesprochen und sogar beschimpft worden.

Der Aufwand, der betrieben werden muss, um eine Waffe zu erhalten, sei groß. So muss ein angehender Schütze unter anderem ein Training von sechs Monaten absolvieren. Auch der Bau eines Waffentresors sei Pflicht, den die Polizei überprüfen würde. Wer eine Waffe besitzt und nachweisbar keinen sportlichen Aktivitäten nachgeht, kann diese wieder abgeben müssen. Das Schießen von Schützenvereinen ist ein Leistungssport, der neben einer ruhigen Hand und gutem Sehvermögen, besonders Charakterstärke fordere. Der Umgang mit einer Waffe sei laut den Schützen eine große Verantwortung, der man gewachsen sein muss. Auch wenn das besagte Vereinssterben dem Rotter Verein große Sorge bereite, wird das 125-jährige Jubiläum groß gefeiert werden.

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