Rotmilan oder Schwarzstorch vom Windpark Himmelsleiter bedroht?

Von: Jan Mönch
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Sie wollen keine Windräder im
Sie wollen keine Windräder im Münsterwald: Michael Lorrig, Herbert Klinkenberg, Thomas Schmeink, Heinz Gossens, Volker Rubach und Klaus Löhrer (von Foto: Ralf Roeger

Aachen. Den Feldhamster will die Bürgerinitiative (BI) nicht aus dem Ärmel schütteln. Vor vielen Jahren sorgte der bekanntlich für Verzögerungen, als das Gewerbegebiet Avantis sich in der Planungsphase befand. Die BI „Kein Windpark Himmelsleiter” ist allerdings auch überzeugt, auf den Nager nicht angewiesen zu sein, um den Münsterwald zu retten.

Dort nämlich lebten genügend andere Tierarten, und zwar auch solche, die unter Artenschutz stehen. Umso erstaunter ist man bei der Initiative darüber, dass ein faunistisches Gutachten, in Auftrag gegeben von der Stadt Aachen, zu einem anderen Ergebnis kommt.

Wie mehrfach berichtet, würde die Aachener Ratsmehrheit am Tor zur Eifel gern einen Windpark errichten, bestehend aus zehn 185 Meter hohen Windkraftanlagen. In der Eifel läuft man dagegen bereits seit geraumer Zeit Sturm, auch im Aachener Süden mehren sich die kritischen Stimmen.

Heinz Gossens fasst den Eindruck, den die BI von dem Gutachten der Aachener Firma pro Terra hat, so zusammen: „Der Verfasser scheint dem Willen des Auftraggebers zu folgen.”

Den schweren Vorwurf eines Gefälligkeitsgutachtens will die BI detailliert untermauern. Ein paar Beispiele: Der Rotmilan, eine geschützte Vogelart, werde in dem Gutachten „nicht erkannt”, obwohl er aber „regelmäßiger Gast” im Münsterwald sei. Genauso ergeht es dem Schwarzstorch, der „plötzlich nicht mehr festgestellt” werde.

Mit Kopfschütteln quittiert die Bürgerinitiative auch, dass die Gutachter lediglich acht Überflüge von Kranichen festhalten. Ohnehin sei der zugrundegelegte Zeitraum für ein solches Gutachten viel zu gering gewesen.

Was Windräder angeht, sind die genannten Tiere laut Herbert Klinkenberg solche „ohne Meidungsverhalten” und daher besonders gefährdet. Die Gegner der Aachener Pläne machen sich jedoch auch Gedanken um diejenigen Tiere, die die Windräder als Gefahr einstufen und ihnen dementsprechend weichen würden. Diese Tiere würden sich logischerweise einen anderen Lebensraum suchen - und aus dem hiesigen Ökosystem fallen. Dies ließe sich dann natürlich schwerer nachweisen als von Rotoren zerfetzte Vogelkadaver am Fuße der Masten.

Hinsichtlich der möglichen Konsequenzen wird Herbert Klinkenberg deutlich: „Ich glaube, die Stadt macht sich gar keine Vorstellungen, was auf sie zukommt, wenn getötete artgeschützte Tiere gefunden werden, auf die wir hingewiesen haben. Da ginge es dann um einen Straftatbestand.”

Waldbrandgefahr?

Gar nicht daran denken wollen Klinkenberg und seine Mitstreiter, was wäre, wenn eines der Windräder Feuer fangen würde. Was zunächst ein wenig abwegig klingen mag, halten die Protestler für durchaus realistisch: Die Blitzeinschlagsgefahr schließlich sei bei einer Rotorhöhe von 185 Metern - zumal in Gebirgslage - immens. Das Innenleben der Anlage würde dann ein Übriges tun. Tatsächlich berichteten bereits deutschlandweit Zeitungen über solche Vorfälle - bislang trug sich allerdings keiner davon mitten in einem dichten Waldgebiet zu.

Die Bürgerinitiative möchte nun erst einmal abwarten, was die großen Naturschutzverbände, BUND und Nabu, zu dem Gutachten sagen. Klinkenberg möchte der Ansicht der Profis zwar eigentlich nicht vorgreifen, sagt aber dennoch: „Wir können uns kaum vorstellen, dass die zu einer anderen Ansicht kommen.”

Die Befürworter des Windparks ficht all dies bislang jedenfalls nicht an. Auf der Internetseite des Projekts, betrieben vom Kreisverband der Grünen, steht kurz und knapp: „Die Gutachten halten die Beeinträchtigungen der Landschaft und der Tierwelt für vertretbar.”
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