Rotes Haus: Goldener Helm und Pelikan sind wieder da

Von: Heiner Schepp
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Beteiligte und Augenzeugen der Wiederanbringung der beiden Hauszeichen am Roten Haus in Monschau: LVR-Gebietsdirektorin Dr. Monika Herzog, Verwalter Dietmar Gonnermann, Bürgermeisterin Margareta Ritter, Verwalterin und Museumsführerin Bettina Gonnermann, Regina Weber (LVR-Referentin), Thomas Böll (SPD-Mitglied der Landschaftsversammlung Rheinland), Metallrestaurator Alexander Justen, Dr. Walter Hauser (Vorstand LVR), Aurel Scheibler von der Besitzerfamilie sowie Holzbildhauer Alexander Diczig. Foto: Heiner Schepp
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Das Hauszeichen „Goldener Helm“ verweist darauf, dass sich die Familie Scheibler Repräsentationsformen und Lebensstil des Adels aneignete. Foto: Heiner Schepp
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Das Hauszeichen „Zum Pelikan“ war vermutlich ein Symbol für den Unternehmer oder das Unternehmen als „Ernährer“. Foto: Heiner Schepp

Monschau. Kurz zupfen Bettina und Dietmar Gonnermann an den weißen Tüchern über den beiden Eingangsportalen des Roten Hauses, dann brandet Beifall auf. Unter dem Stoff, den das Verwalterehepaar heraufzieht, kommen zwei große vergoldete Symbole hervor, die sogenannten Hauszeichen am sicherlich bekanntesten Haus in Monschau.

Zehn Jahre lang musste der Stammsitz der Monschauer Tuchmacherfamilie Scheibler, der seit 1963 im Eigentum der Stiftung Scheibler-Museum Rotes Haus ist, ohne die prunkvollen Symbole an der Fassade zur Laufenstraße auskommen. Nach fast zehn Jahren, in denen die beiden symbolträchtigen Zeichen aufwendig restauriert bzw. vollständig erneuert wurden, zieren sie nun wieder den Eingang in das Rote Haus.

Auch Scheibler-Nachfahre dabei

Dass die Hauszeichen, auch Hausmarke oder Handgemal genannt, mehr als nur ein weiteres historisches Bonbon sind, zeigte die illustre Liste der Augenzeugen dieser feierlichen Enthüllung. Aus Berlin war mit Aurel Scheibler ein Nachfahre der berühmten Tuchmacherfamilie eigens angereist, Dr. Walter Hauser vertrat den Vorstand des Landschaftsverbandes Rheinland, Thomas Böll die Landschaftsversammlung Rheinland und Dr. Monika Herzog das Rheinische Amt für Denkmalpflege. Monschau wurde vertreten durch seine erste Bürgerin Margareta Ritter und die rührige Verwalterfamilie Gonnermann.

Dr. Hauser erinnerte daran, dass der Landschaftsverband die Erneuerung der Marken bereits 2006 beschlossen und diese dann auch abgehängt hatte. Inklusive aller Vorarbeiten, Materialien und Arbeiten habe die Restaurierung den LVR rund 20.000 Euro gekostet, die man aber zu großen Teilen aus Restgeldern der Fassadensanierung (2010 bis 2013) am Roten Haus habe decken können.

Thomas Böll, der auch Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag ist, umriss das Aufgabengebiet des LVR, der mit einem Jahresbudget von 3,5 Milliarden Euro vorrangig im Bereich der Sozialhilfe tätig ist, dessen Dezernat Kultur sich aber auch um Museen kümmert und „das Rote Haus ganz besonders gerne hegt und pflegt“.

Bürgermeisterin Margareta Ritter bezeichnete das Rote Haus als „das Markenzeichen unserer Stadt“, dessen Beliebtheit und Offenheit besonders Bettina und Dietmar Gonnermann zu verdanken sei. Auch dem LVR gebühre Dank, dass er „damals die Zeichen der Zeit erkannt hat, um dieses kulturelle Erbe zu bewahren“, so Ritter. Die Bürgermeisterin erinnerte an den „Tag des Rheinlands“ vor fünf Jahren, als es vor dem Roten Haus eine klassische Aufführung gegeben habe. „Eine solche Verbindung des Roten Hauses mit anderer hoher Kunst würde ich mir nochmal wünschen“, sagte Margareta Ritter.

Im Mittelpunkt standen an diesem Morgen aber die beiden Künstler, die im Auftrag des Landschaftsverbandes die Restaurierung der beiden Hauszeichen übernommen hatten: Holzschnitzer Alexander Diczig und Metallrestaurator Alexander Justen. Sie erläuterten, wie sie bei der Restaurierung bzw. Erneuerung vorgegangen waren, ehe Dr. Hauser auf die Historie und Bedeutung der beiden Hauszeichen einging.

In Bezug auf Kontor, Produktionsstätte und Speicher ist das Hauszeichen „Zum Pelikan“ vermutlich ein Symbol für den Unternehmer oder das Unternehmen als „Ernährer“. Denn im 18. Jahrhundert beschäftigte Johann Heinrich Scheibler immerhin 4000 Mitarbeiter und gehörte zu den bedeutendsten Betrieben der Region und darüber hinaus. Ob der „Pelikan“ schon zu Johann Heinrich Scheiblers Zeiten hing oder später angebracht wurde, ist ungewiss. Die ältesten fotografischen Abbildungen stammen aus der Zeit um 1900.

Der Pelikan wurde mehrfach nachgeschnitzt; die Konsole, die lange Zeit die Skulptur trug, war erst in den 1950er Jahren hinzugekommen. Der neu geschnitzte Pelikan orientiert sich an älteren Versionen aus der Zeit um 1900 und an bekannten Vorbildern der christlichen Ikonografie.

Im Haus „Zum Goldenen Helm“ lagen die Wohnräume der Familie Scheibler. Das Hauszeichen „Goldener Helm“ und die Ausstattung des Wohnhauses verweisen darauf, dass sich die Familie Scheibler – wie viele Unternehmer des 18. und 19. Jahrhunderts – Repräsentationsformen und Lebensstil des Adels aneignete.

Auch Aurel Scheibler, der einen Teil seiner Kindheit im Roten Haus verbrachte und heute als Galerist in der Bundeshauptstadt lebt, dankte den Künstlern für ihre meisterliche Arbeit und zeigte sich glücklich, dass die beiden Zeichen nun wieder an ihrem Platz seien. „Das rauhe Eifelwetter hat den Hauszeichen über Jahrzehnte kräftig zugesetzt“, stellte Dr. Hauser fest und zeigte sich zuversichtlich, „dass sie nun jenem Wetter auch wieder für einige Jahrzehnte die Stirn bieten werden.“

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