Rote Karte von freundlichen Kindern

Von: P. St.
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Kinder, Polizei und Städteregionsrat Helmut Etschenberg zeigten vollen Einsatz bei der Aktion „Kinder haben keine Airbags“ vor dem Kindergarten „Wackelzahn“ in Roetgen. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Autofahrer, die wegen Geschwindigkeitsübertretungen geblitzt werden, sind meist nicht gut auf die Initiatoren solcher Aktionen zu sprechen. Das sah am Freitagmorgen zwischen acht und neun Uhr auf der Hauptstraße in Roetgen aber ganz anders aus.

Verständnisvolle, einsichtige und kommunikationsfähige Autofahrer traf man hier an, wenn die Polizei die rote Kelle schwenkte und zum Ranfahren aufforderte.

Die Städteregion Aachen hatte das Familienzentrum „Wackelzahn“ (65 Plätze) als Standort für die Aktion „Kinder haben keine Airbags“ ausgesucht. Diese Aktion verfolgte nicht das Ziel, zu flotten Autofahrern in der Tempo-30-Zone vor dem Kindergarten ein Knöllchen zu verpassen, sondern vielmehr wollte man mit dem Bürger ins Gespräch kommen. So drohte bei Geschwindigkeitsübertretungen auch ausnahmsweise kein Verwarnungsgeld, sondern maximal eine rote Karte mit der Aufschrift „Kinder haben keine Airbags“. Die Karten-Rückseiten hatten die Kinder individuell bemalt.

Während der recht aufwendigen Aktion mussten die Vorschulkinder, die gemeinsam mit der Polizei die Autofahrer über Sinn und Zweck informierten, nur dreimal „Rot“ zeigen. Viel häufiger wurde die grüne Karte gezogen, die den Autofahrern korrektes Verhalten bescheinigte.

Dass Autofahrer, wie in einem Falle geschehen, gleich mit dem Anwalt drohten, blieb die absolute Ausnahme, viel häufiger gab es kurze, freundliche Dialoge: „Ich werde mich bessern“, sagte einer der einsichtigen Temposünder und versprach, dass er sich die soeben erhaltene rote Karte als kleine Gedankenstütze an die Windschutzscheibe heften werde.

Angesichts des großen Aufgebotes an mit Warnwesten bestückten Personen vor dem Kindergarten, allen voran Städteregionsrat Helmut Etschenberg, traten die meisten Autofahrer vorahnungsvoll schon an der Marienkapelle auf die Bremse. So bedurfte es einer inszenierten Tempoüberschreitung durch eine Mitarbeiterin der Städteregion, die gebeten wurde, etwas Gas zu geben, um dann mit 42 km/h die Blitze auszulösen. „Endlich eine rote Karte“, freuten sich Kinder, die später aber noch zwei Autofahrern (34 und 38 km/h) Doppel-Rot zeigen konnten.

„Wir möchten mit dieser Aktion um Verständnis dafür werben, dass wir verstärkt vor Schulen und Kindergärten kontrollierten“, erläuterte Helmut Etschenberg Sinn und Zweck der Übung.

Nicht ins Gespräch kamen die Beteiligten mit dem Fahrer eines schwarzen Audis, der das Anhaltezeichen der Polizei ignorierte und weiter in Richtung Ortskern fuhr. Die beiden Polizeibeamten Heiner Bongers und Stefan Esser notierten das Kennzeichen. Man werde mit dem Halter ein „verkehrszieherisches Gespräch“ führen.

Am Ende der Aktion zeigten sich die Initiatoren mit der Ergebnis zufrieden. „Sehr wohltuend waren die vielen positiven Reaktionen“, so Helmut Etschenberg, der noch einmal hervorhob, dass die Kontrollen nicht den Zweck verfolgten, Autofahrer zu ärgern, sondern in erster Linie eine Maßnahme zur Verkehrssicherheit darstellten.

Vor Beginn der Aktion hatte der Messwagen der Städteregion zwischen sieben und acht Uhr übrigens schon bei einer routinemäßigen Überwachungsaktion Position bezogen – ohne Publikum und ohne Präventivcharakter. Sechs Autofahrer waren zu schnell – sie erhalten demnächst ein Verwarnungsgeld.

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