„Rohren röhrt”: Nachwuchs-Journalisten treffen sich in der Eifel

Von: mkl
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17 junge Schüler und Studenten aus ganz Deutschland mit einem Ziel: Sie wollen die Medienwelt erobern. Zehn Tage lang machten die Teilnehmer des Journalistenseminars in Rohren unter realen Bedingungen Fernsehen, Radio und Zeitung. Foto: Mira Kleine

Rohren. „Noch drei Minuten bis zur Sendung”, ruft die Aufnahmeleiterin, Jessica Deringer (17), so laut sie kann durch die kleine Hütte des Alpenvereins in Rohren. Überall sind aufgeregte Stimmen zu hören, einige sprechen sich ein letztes Mal ihren Text vor und perfektionieren ihre Formulierungen. „Nur noch zwei Minuten”.

Dann werden die 17 Teilnehmer des Journalistenseminars eigenständig eine dreistündige Radiosendung unter realen Bedingungen auf die Beine stellen. Jessica hat die Aufgabe, zu Beginn der Sendung den Überblick zu behalten, dass jeder auf der zuvor abgesprochenen Position sitzt und richtig mit seiner Moderation einsetzt.

Mit den sekundengenauen Ablaufplänen in der Hand versammelt sich die Gruppe vor dem extra umgebauten Radiostudio. Eine angespannte Stimmung, jetzt heißt es noch einmal tief durchatmen, sich zu konzentrieren und dann geht die fiktive Sendung „Rohren röhrt” auch schon los.

In der vergangenen Woche haben die Nachwuchsjournalisten im Alter von 17 bis 27 Jahren mit Block und Stift bewaffnet eine Entdeckungsreise in alle Formen des Journalismus gemacht. Authentische Einblicke und praktische Tipps erhielten die Jugendlichen von den erfahrenen „Medienwelt-Reiseleitern” Ulrich Adrian, ARD-Fernseh-Korrespondent in New York, der freien Journalistin Astrid Adrian, dem freien Hörfunk-Journalisten des NDR, Michael Latz, Print- und Onlinejournalistin Stephanie Traichel sowie dem Berufsberater der Agentur für Arbeit in Aachen, Rainer Seidel.

Von der ersten Sekunde an mussten die jungen Talente beweisen, dass sie trotz weniger Stunden Schlaf in der Lage sind, selbstständig Hörfunkbeiträge, Fernsehsendung und zahlreiche Zeitungsartikel zu produzieren. Lampenfieber, Teamfähigkeit und konzentriertes Arbeiten unter Zeitdruck waren tägliche Bewährungsproben, denen sie gewachsen sein mussten, um sich auf ihren beruflichen Werdegang vorzubereiten.

Spannende Inhalte lieferte die Eifeler Region für die Jugendlichen aus allen Teilen Deutschlands mehr als genug: Recherchiert wurde beispielsweise bei der Monschauer Pfeifenrunde, in der Glasbläserei in Monschau, während einer 17 Kilometer langen Eifelsteigwanderung oder in der Kaffeerösterei. Sogar die Monschauer Müllabfuhr wurde von zwei Teilnehmern für einen außergewöhnlichen und interessanten Artikel begleitet. Zudem führte Heiner Apel, Sprechwissenschaftler der RWTH Aachen, mit den Schülern und Studenten ein professionelles Sprechtraining durch, um sie bestmöglich auf Radiosendungen vorzubereiten.

Neben journalistischen Aufgaben und Redaktionssitzungen galt es auch, das Zusammenleben der Gruppe über zehn Tage zu organisieren und sich selbst zu verpflegen. Das schweißt zusammen: „In unserem Team ist eine ganz besondere Atmosphäre, wir lachen viel und jeder lernt von jedem”, so das Fazit von Vera Dallmann (22). Die qualifizierten persönlichen Berufsberatungen und die individuelle Betreuung in Einzelgesprächen haben die Teilnehmer auf die richtige Spur gebracht und neu motiviert, das Beste aus ihrem Talent herauszuholen oder auch alternative Wege einzuschlagen.

In diesem Jahr konnte das inzwischen bundesweit bekannte Seminar „Journalist werden - aber wie?” ein besonderes Jubiläum feiern: „Ich bin sehr stolz, dass wir es tatsächlich geschafft haben, das Journalistenseminar 20 Mal auf die Beine zu stellen”, so Ulrich Adrian. Dieser runde Geburtstag wurde vor allem auf dem Ehemaligenabend am vergangenen Samstag ausgiebig gefeiert.

Dass ein Rohren 20 überhaupt stattfinden konnte, war aus finanziellen Gründen alles andere als selbstverständlich. „Die Zuschüsse für das Seminar gehen Jahr für Jahr zurück”, bedauert Adrian. Deshalb wurde ein gemeinnütziger Verein zur Förderung des Rohren-Seminars gegründet. Nur die Mitgliedsbeiträge konnten die Zukunftsschmiede für Journalisten in diesem Jahr noch retten.

Aber Ulrich Adrian und sein Team bleiben optimistisch: „Wir werden alles versuchen, dass es auch noch ein Rohren 21 geben wird.” Wenn bis dahin ausreichend finanzielle Unterstützung vorhanden ist, dann sind es noch ungefähr 365 Tage und „drei Minuten bis zur Sendung”, bis es wieder heißt: „Ruhe im Studio!”
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