Rurberg - Röttgen am Rursee: Volle Konzentration auf die Energiewende

Röttgen am Rursee: Volle Konzentration auf die Energiewende

Von: P. St.
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Mit Beifall wurde Bundesumwelt
Mit Beifall wurde Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen in Begleitung seines Gastgebers, Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns (li.) im Rurberger Antoniushof empfangen. Foto: P. Stollenwerk

Rurberg. Vom bisher schönsten Frühlingstag des Jahres am Rursee hat Norbert Röttgen nur noch die Reste gesehen. Der Bundesumweltminister, der am Freitag die Gemeinde Simmerath besuchte lief schon gewaltig seinem Zeitplan hinterher, als er, dennoch völlig stressfrei wirkend, mit gut 45 Minuten Verspätung im Rurberger Antoniushof eintraf, wo ihn über 250 Gäste erwartungsfroh und mit Beifall empfingen.

Das abendliche Panorama des Eiserbachsees mit dem Honigberg im Hintergrund ließ sich nur noch erahnen, als Röttgen gemeinsam mit seinem Gastgeber, Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, später auf die Terrasse der guten Stube am Rursee schritt, um den Besuch ausklingen zu lassen. Die Romantik trat allerdings rasch in den Hintergrund, da der Abend für den derzeit stark gefragten NRW-Politiker im Kreis Düren noch seine Fortsetzung fand.

Keine Zeit für Diskussion

Besser hätte der auf Vermittlung des CDU-Bundestagsabgeordneten Helmut Brandt stattgefundene Ministerbesuch nicht terminiert werden können, denn nach der Auflösung des Düsseldorfer Landtags Anfang letzter Woche und der daraufhin schlagartig erfolgten Ausrufung von Dr. Norbert Röttgen als Spitzenkandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, hatte der Besuch des Landesvorsitzenden der NRW-Vorsitzenden eine neue Dimension erhalten, was auch dazu beigetragen haben dürfte, dass das Publikumsinteresse erstaunlich groß war.

Doch der Wahlkämpfer Röttgen hielt sich ganz gezielt zurück, seine volle Konzentration galt dem zentralen Thema des Abends - der Energiewende. Bei diesem Thema spielt die Gemeinde inzwischen bundesweit in der ersten Liga, denn sollte es zur Umsetzung des Pumpspeicherkraftwerkes Rursee durch den Stadtwerkeverbund Trianel kommen, dann würde in der Nordeifel das viertgrößte Wasserkraftwerk entstehen und Simmerath wäre eine führende Adresse bei der Nutzung alternativer Energien.

Doch ehe bis zum Jahr 2015 der Baubeschluss fällt (von den verbliebenen in der Prüfung befindlichen Standorten hat Simmerath derzeit beste Chancen) gibt es noch viel Diskussions- und Informationsbedarf.

Diskutiert wurde an diesem Abend in Rurberg wegen des knappen Zeitfensters des Ministers nicht, auch wenn einige Kritiker des Projektes, insbesondere jene, die vom touristischen Nutzen der Rurtalsperre profitieren, gerne zu Wort gekommen wären und sich schon auf einen Schlagabtausch vorbereitet hatten.

Die nächste Gelegenheit dazu wird sich kurz nach Ostern bieten, wenn die Gemeinde Simmerath zu einer weiteren Bürger-Informationen einladen wird, ist es doch das Ziel aller Beteiligten mit einer offensiven Informationspolitik die Bürger, seien es Befürworter oder Bedenkenträger, frühzeitig einzubinden. Diese Absicht unterstrich auch Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns: „Der Tourismus am Rursee ist ein bedeutendes Standbein für die Gemeinde Simmerath. Daher ist es wichtig sicherzustellen, dass die hohe touristische Funktion des Rursees mit attraktivem Wassersport auch künftig gewährleistet bleibt.”

Ebenso werde man auch die Sorgen und Ängste der Land- und Forstwirtschaft ernst nehmen. Simmerath wolle bei der Energiewende seinen Beitrag leisten, wobei Hermanns auch nicht verschwieg, „dass sich hierdurch auch eine zusätzliche Einnahmequelle für die Gemeinde Simmerath und damit für die Bürger ergeben kann.”

Trianel-Chef Sven Becker und Projektleiter Dr. Markus Hakes informierten kurz und kompakt über den derzeitigen Sachstand beim Rursee-Kraftwerk. „Der Rursee bietet ein erhebliches Potenzial”, sagte Hakes, wohl wissend, dass ein Konsens mit dem touristischen Potenzial hergestellt werden muss. Eines konnten die Trianel-Verantwortlichen bereits versichern: Beim Betrieb des Pumpspeicherkraftwerkes soll der Pegelhub des Rursees die Zwei-Meter-Marke nicht überschreiten, und, so versicherte Hakes: „Ab einem Rurseepegel von 260 Metern wird der Betrieb des Kraftwerkes eingestellt.”

Weniger auf das konkrete Projekt am Rursee als vielmehr auf das „große nationale Gemeinschaftsprojekt” Energiewende, das Norbert Röttgen als „Marathonlauf, der gerade gestartet ist”, bezeichnete, konzentrieren sich die Aussagen des Ministers, der sich an diesem Abend als Wahlkämpfer einfach nicht aus der Reserve locken ließ. Fragen nach seiner möglichen politischen Zukunft als NRW-Ministerpräsident nach den Neuwahlen am 13. Mai wich der smarte Aufsteiger in der NRW-CDU elegant aus: „Die Politik muss auch unabhängig von Wahlterminen für den Bürger berechenbar bleiben.”

Freibier für die Geduldigen

Wohl nichts mit Wahlkampf hatte auch eine spontane Einladung von Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns und Städteregionsrat Helmut Etschenberg zu tun, die die Bürger im Anschluss noch zu „einem oder zwei Getränken” in den Antoniushof einluden, um sie für das geduldige Warten auf den Minister zu entschädigen. Von diesem Angebot wurde rege Gebrauch gemacht.
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