Roetgens Kindergärten unter einem Dach?

Von: P. St.
Letzte Aktualisierung:
12088271.jpg
Nicht nur im Kindergarten Wackelzahn wird es langsam eng. Die Kindertagesstätten der Städteregion in der Gemeinde Roetgen können sich vor Nachfragen kaum retten. Foto: P. Stollenwerk
12088294.jpg
In der ehemaligen Roetgener Volksschule ist der Kindergarten Wackelzahn untergebracht. Der Standort stößt an seine Grenzen. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Roetgen wächst. Die rund 8300 Einwohner zählende Flächengemeinde, der Eifel ebenso nahe wie Aachen, gehört nach wie vor zu den attraktivsten Wohngegenden in der Städteregion Aachen.

Dies wird sichtbar in der steigenden Bevölkerungszahl, der anhaltenden Ausweisung neuer Baugebiete und auch in einem verstärkten Bedarf nach Kindergartenplätzen. Hier brennt in Roetgen mal wieder der Baum, denn mit dem jetzigen Platzangebot lässt sich nur noch auf kurze Sicht die steigende Nachfrage decken. Die Eltern möchten ihren Nachwuchs immer früher in den Kindergarten schicken.

Das veränderte Verhalten der Gesellschaft, die verstärkte Integration von Flüchtlingen sowie das kaum kalkulierbare Zuzugsverhalten junger Familien setzen die Städteregion Aachen, in deren Trägerschaft sich drei der insgesamt sechs Kindertagesstätten im Gemeindegebiet Roetgen befinden, unter Zugzwang. Als es jetzt in der Sitzung des Roetgener Bildungs-, Jugend-, Generationen- und Sportausschusses um die aktuelle Kindergartensituation in der Gemeinde Roetgen ging, wurde schnell deutlich, dass für eine Lösung nicht viel Zeit bleibt.

Nicht weniger als 18 Gruppen in sechs Kindergärten gibt es im Gemeindegebiet Roetgen. Hier werden insgesamt 341 Kinder betreut. Nach intensiver Diskussion im Ausschuss sollen nun Gemeindeverwaltung und Städteregion kurzfristig prüfen, welche langfristigen Maßnahmen zur Deckung des Bedarf ergriffen werden können. Dazu gehört auch die Anregung von Rainer Nießen (UWG), ein „Konzept mit Zukunft auf der grünen Wiese“ zu prüfen.

Statt immer wieder durch Einzelmaßnahmen in den einzelnen Kindertagesstätten notdürftig Entlastung zu schaffen, wäre ein Neubau, der „über Jahrzehnte“ Planungssicherheit biete, ein ernsthaft zu prüfendes Modell. Spontane Zustimmung für diesen Vorschlag gab es übrigens von Bürgermeister Jorma Klauss (SPD).

Die Städteregion Aachen unterhält in der Gemeinde Roetgen die Kindertagesstätten Wackelzahn, Löwenzahn und Regenbogen in Rott.

Besonders die Nachfrage nach U3-Plätzen ist sprunghaft gestiegen. In der gesamten Städteregion Aachen, berichtete Alexander Franzen von der Städteregion, liege die Nachfragequote inzwischen bei 86 Prozent, und in der in dieser Hinsicht führenden Gemeinde Roetgen sogar bei 98 Prozent. Im vergangenen Jahr wurden in Roetgen 27 U3-Kinder aufgenommen.

Nicht ganz so hoch ist die Nachfragequote für die ein- bis zweijährigen Kinder: Sie liegt bei 32,5 Prozent in der Städteregion und bei 58 Prozent in der Gemeinde Roetgen. Ebenso verstärkt sich auch der Andrang auf die Ganztagsbetreuung. „Wir können uns vor Anfragen kaum retten“, beschrieb Franzen die Lage in der Städteregion insgesamt.

Als Sofortmaßnahme sollen nun zum nächsten Kinderjahr alle Gruppen um zwei Plätze aufgestockt werden. Das würde für Roetgen 36 zusätzliche Plätze bedeuten. Zum 1. August wären dann alle Kinder versorgt, aber es bliebe auch keine Reserve mehr.

Ab Januar 2017, so Franzen weiter, müssten dann in mehreren Kindertagesstätten in der Städteregion neue Gruppen eingerichtet werden, für die vornehmlich die vorhandenen Mehrzweckräume in Anspruch genommen werden müssten. Dabei handele es sich aber um reine Vormittagsgruppen. Mit Blick auf die Situation in Roetgen wäre eine solche Lösung nur in der Kita Wackelzahn, die in der alten Grundschule untergebracht ist, praktisch umsetzbar.

Hier haben bereits erste Gespräche für die Konzeption eines neuen Raumprogramms stattgefunden. Bei den beiden anderen Kitas sei eine solche Lösung nicht möglich. Hier müsse man sich auch über Anbauten unterhalten. Franzen sprach von einem „absoluten Notprogramm“.

Mit Blick auf die Situation in der gesamten Städteregion sprach er für das nächste Kindergartenjahr von einem Finanzmehraufwand in Höhe 1,5 Millionen Euro, der teilweise aber eine Folge der Tarifverhandlungen bedingt sei.

Aktuell könne man für das nächste Kindergartenjahr nicht jedem Kind „einen Platz fest zusagen“. Auch bei der Kindertagespflege stoße man in Roetgen an die Grenzen. Selbst wenn zwei weitere Tagesmütter in Roetgen aktiv würden, sei damit das Problem nicht gelöst. Daher, so Franzen, brauche man „einen klaren Auftrag aus Roetgen, wie es weitergehen soll“.

Im Ausschuss stieß diese Situationsbeschreibung teilweise auf Unverständnis: „Diese Entwicklung war abzusehen. Warum ist die Entwicklung der Neubaugebiete ignoriert worden?“, fragte David Giersberg (SPD).

Auch Silvia Bourceau (UWG) fand es ärgerlich, dass man „sehenden Auges in dieses Dilemma gelaufen ist“. Sie warnte vor weiteren „Klein-Klein-Lösungen“.

Ingrid Karst-Feilen (Grüne) bezweifelte, dass 30 neue Plätze durch die Gruppenaufstockungen überhaupt ausreichen würden, da unerwartete Zugänge ja darin nicht berücksichtigt seien.

Roetgen sei bei den Nachfragewerten „immer ganz oben“, sagte Alexander Franzen. Man könne nicht auf der Grundlage von Vermutungen Kindergartenplätze vorhalten: „Wir können halt immer nur auf Sicht fahren.“

Bürgermeister Jorma Klauss setzt ebenfalls auf eine langfristige Lösung: Gemeinsam mit der Städteregion gelte es nun, eine neue Strategie für die Kindergärten in Roetgen zu entwickeln.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert