Roetgen - Roetgens Feuerwehr ist jeden vierten Tag im Einsatz

Roetgens Feuerwehr ist jeden vierten Tag im Einsatz

Von: P. St.
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Hohe Einsatzbereitschaft und fundiertes Können werden von den freiwilligen Feuerwehrleuten verlangt, so wie hier vom Löschzug Roetgen bei einem dramatischen Wohnhausbrand in Rott. Foto: Archiv/Schepp
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Auch bei schweren Verkehrsunfällen wird die Feuerwehr so gut wie immer alarmiert. Foto: Löschzug Roetgen

Roetgen. Der Unterschied ist oft gar nicht so groß, was das Aufgabenfeld und die Einsatzbelastung der Freiwilligen Feuerwehren im Vergleich zu den Kollegen von der Berufsfeuerwehr betrifft. Wie stark die freiwilligen Retter gefordert sind, wurde jetzt auch in der Jahresbilanz der Freiwilligen Feuerwehr Roetgen deutlich.

In der abschließenden Sitzung des Roetgener Gemeinderates erhielt die Wehrleitung Gelegenheit, in einem Rückblick auf 2015 und im Ausblick auf die aktuelle Entwicklung ihre Situation zu erläutern.

Joachim Wynands und Joachim Grefen von der Wehrleitung machten auf eindrucksvolle und anschauliche Weise deutlich, in welch hohem Maße die Kollegen der Freiwilligen Feuerwehr gefordert sind.

Am Ende des Jahres 2015 dürfte die Zahl der Einsätze hochgerechnet bei 92 liegen. Dies bedeutet, dass die Feuerwehr durchschnittlich an jedem vierten Tag des Jahres zu einem Einsatz ausrücken muss. Dass diese Einsätze zu jeder Tages- und Nachtzeit erfolgen, muss nicht eigens erwähnt werden, wohl aber die daraus resultierende Belastung für die Rettungskräfte und ihre Familien. Hinzu kommt dann noch der normale Ausbildungs- und Wartungsbetrieb. Statistisch belegen lässt sich auch, dass überdurchschnittlich viele Einsätze an Sonn- und Feiertagen zu verzeichnen sind. Bei der Zahl der Einsätze bleibt die Feuerwehr Roetgen mit ihren rund 70 Aktiven im Gemeindegebiet knapp unter dem Rekordjahr 2014 mit 104 Einsätzen.

Einige dieser Einsätze, so Joachim Grefen, seien „sehr hässlich“ gewesen. So musste bei einem Hausbrand in Rott eine tote Person geborgen werden, bei einem Pkw-Brand am Rosenmontag in Roetgen entging der Halter knapp dem Feuertod und bei einem Massenunfall auf der B 258 musste die Feuerwehr Unterstützung bei der Bergung mehrerer Verletzter leisten. Im Jahr 2015 leistete die Freiwillige Feuerwehr Roetgen fast 12.000 Einsatzstunden.

Das entspricht 164 Stunden für jeden Aktiven, und die Tendenz ist steigend. Noch eine interessante Rechnung machte der Wehrführer auf: Lege man bei den geleisteten Einsatzstunden, die etwa vier Wochen im Berufsleben entsprechen würden, den geltenden Mindestlohn von 8,50 Euro zugrunde, komme man auf eine Summe von gut 100000 Euro. Grefen: „Diese Ausgaben bleiben der Gemeinde Roetgen letztlich durch unser Ehrenamt erspart.“

Das Spektrum der Feuerwehreinsätze war wie immer umfangreich. Unwettereinsätze, Verkehrsunfälle und Brandeinsätze (darunter zwei große Wohnhausbrände) standen im Mittelpunkt des Einsatzgeschehens 2015. Joachim Grefen: „Alle Einsätze forderten von unseren Wehrleuten ein hohes Potenzial an Können.“ Dass die Einsätze erfolgreich bewältigt worden seien, sei auch eine Folge des guten Ausbildungsstandes der Wehrleute.

Ein Problem, dass die Freiwilligen Feuerwehren immer mehr beschäftigt, ist die Verfügbarkeit der Helfer in der Kernarbeitszeit von 7 bis 17 Uhr. Bei der Freistellung des Personals für Einsätze seien die Arbeitgeber oft nicht mehr großzügig. In gewisser Weise konnte Grefen den Unmut der Arbeitgeber sogar nachvollziehen, insbesondere dann, wenn die Feuerwehr zur Beseitigung von Ölspuren auf Straßen alarmiert werde. Derartige Einsätze habe es allein in diesem Jahr 20 an der Zahl gegeben. Hier mahnte die Roetgener Wehrleitung dringenden Handlungsbedarf an, zumal eine Ölspur auf der Fahrbahn „kein Unfall ist, sondern allenfalls ein kleine Störung“. Es dürfe daher nicht sein, „dass die Feuerwehrleute zu den Straßenkehrern der Nation werden“.

Hoffnung setzen die Freiwilligen Feuerwehren allerorten auf die Novellierung des Feuerschutz- und Hilfegesetzes NRW, dessen erste Lesung kürzlich im Landtag erfolgte. In der neuen Fassung des Gesetzes soll die zentrale Rolle des Ehrenamtes im Brand- und Katastrophenschutz gestärkt werden. In Zusammenhang mit der Gesetzesänderung lobte die Roetgener Wehrleitung besonders das Engagement des SPD-Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling, der die Sorgen der Feuerwehrleute vor Ort aufgenommen habe.

Beim schwierigen Thema der Beseitigung von Ölspuren zeichnet sich ein Kompromiss ab. Nach Auskunft von Kämmerling sei die Basis dafür gelegt worden, „den Aufwand der ehrenamtlichen Kräfte im ländlichen Raum deutlich zu reduzieren“. Hier soll der Straßenbaulastträger wieder stärker in die Pflicht genommen werden. Fakt ist derzeit, dass der Landesbetrieb Straßenbau keinen Bereitschaftsdienst vorhält, um am Wochenende und außerhalb der Kernarbeitszeiten Ölspuren zu beseitigen.

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