Roetgen: Tote Leitungen in Neubaugebieten

Von: Jessica Küppers
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In Roetgen fehlen in mehreren Straßen genügend Telefon- und Internetanschlüsse für die Bewohner. Gründe dafür sind technische Probleme und fehlende Einigungen zwischen den unterschiedlichen Anbietern. Foto: J. Küppers
Roetgen Internet
Martina Heitzer muss schon seit zwei Monaten auf den Telefon- und Internetanschluss im Neubaugebiet Wiedevenn warten. Das Problem ist in Roetgen keine Seltenheit. Foto: J. Küppers
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In Roetgen fehlen in mehreren Straßen genügend Telefon- und Internetanschlüsse für die Bewohner. Gründe dafür sind technische Probleme und fehlende Einigungen zwischen den unterschiedlichen Anbietern. Foto: J. Küppers

Roetgen. „Daran können wird leider nichts ändern“, diesen Satz hat Martina Heitzer in den vergangenen Wochen oft gehört. Als Bewohnerin des Neubaugebietes Wiedevenn I in Roetgen wartet sie nun schon seit August auf ihren Telefon- und Internetanschluss.

Zuständig für die Einrichtung von Anschlussmöglichkeiten, sogenannten Ports ist die Deutsche Telekom AG. Diese Plätze müssen anschließend durch die verschiedenen Internetanbieter beauftragt werden, um sie ihren Kunden zur Verfügung stellen zu können. An dieser Stelle hapert es scheinbar.

Dass ihr Internet- und Telefonanschluss nicht pünktlich zum Einzug verfügbar sein würde, weiß Martina Heitzer schon seit knapp drei Monaten.

Begonnen hatte die Misere mit einem Schreiben ihres Internetdienstleisters 1&1. Darin hieß es, dass sich die „Bereitstellung ihres Anschlusses verzögern“ werde.

Was über einen kurzen Zeitraum auch mittels Mobiltelefon und Internetstick überbrückbar gewesen wäre, ist für Heitzer mittlerweile ein handfestes Problem: „Ich bin beruflich dringend auf einen verlässlich funktionierenden Anschluss angewiesen und kann auch privat nur schwer darauf verzichten.“ Nachdem sie mehrfach telefonisch nachfragte, erfuhr sie, dass sie nur einen Anschluss bekäme, wenn jemand aus dem Neubaugebiet wegzöge. Auf Anfrage unserer Zeitung verwies der Internetdienstleister 1&1 auf den Leitungspartner Telekom, der für die Bereitstellung der Anschlüsse, der sogenannten Ports, zuständig sei.

Ohne Telefon oder Internet auskommen zu müssen, ist nicht nur im Neubaugebiet Wiedevenn ein Problem. Auch in der Raerener Straße ist bislang für den gesamten Straßenzug nur die Grundversorgung gewährleistet. Das bedeutet, dass dort telefoniert, aber nicht gesurft werden kann. Dort liege es an einer Überlandleitung, berichtet Dirk Meyer, Bauamtsleiter der Gemeinde Roetgen.

Und weiter: „Eine Überlandleitung ist aus unserer Sicht nicht mehr zeitgemäß. Deswegen haben wir die zunächst abgelehnt und auf eine Verlegung in die Erde gedrängt.“ Nachdem bekannt wurde, dass es ohne solche Masten auch kein Internet für die Bewohner der Straße geben wird, hat die Gemeinde eingelenkt und die Masten erlaubt. „In den Neubaugebieten Greppstraße I, Greppstraße III und Wiedevenn II kann nach Auskunft der Telekom an die Gemeindeverwaltung eine Breitbandversorgung sichergestellt werden“, betont Meyer. Dazu seien im Vorfeld Leerrohre verbaut worden, die belegt werden können.

Das Problem im Wiedevenn betrifft, anders als in der Raerener Straße, nur ein Mehrfamilienhaus. In diesem Haus wohnt auch Martina Heitzer. Dass dort einige Haushalte über einen Anschluss verfügen und andere nicht, hat einen simplen Grund, erklärt Timothy Frings von der Bauverwaltung der Gemeinde Roetgen: „Die Ports, also die Steckplätze im Verteiler sind schlichtweg alle besetzt.“

Eine größere Karte mit ausreichenden Steckplätzen für alle Bewohner könnte das Problem beheben, werde aber erst eingesetzt, wenn genügend Haushalte und Anfragen vorhanden seien, erläutert Frings seinen Kenntnisstand. Bisher konnte nur ein Kabel angeschlossen und ein Telefonanschluss ermöglicht werden. Die übrigen Acht wurden zwar durch den Architekten angelegt, lassen sich aber nicht mit dem Verteiler verbinden.

Die Gemeinde darf erst eingreifen, wenn das Gebiet überwiegend unterversorgt ist, sprich wenn mehr als 50 Prozent der Anwohner keinen Zugang mit 2,8 Mbit zur Verfügung haben. „Erst dann könnten EU-Fördermittel bereitgestellt werden, andernfalls bedeutet die Finanzierung der Anschlüsse einen Eingriff ins Marktgeschehen“, erläutert Frings. Die Deutsche Telekom AG sei in der Pflicht, Anschlüsse bereit zu stellen.

Telekom liegen keine Aufträge vor

André Hofmann, Pressesprecher der Telekom weist diese Vorwürfe entschieden zurück: „Wir haben für dieses Neubaugebiet genügend Anschlüsse zur Verfügung gestellt und werden die Kapazitäten bis Ende September sogar noch erweitern.“ Ein Auftrag von 1&1 liege der Telekom für dieses Gebiet nicht vor. Sollte jedoch kurzfristig ein Auftrag gestellt werden, könne dieser innerhalb von zehn Tagen bearbeitet und ein Anschluss bereit gestellt werden.

Bis die Zuständigkeiten zwischen den Anbietern geklärt sind, muss Martina Heitzer weiter warten und hoffen, dass ihr Internet- und Telefonanschluss endlich installiert wird.

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