Roetgen - Roetgen schafft Platz für neues Gewerbe

Roetgen schafft Platz für neues Gewerbe

Von: Andreas Gabbert
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Gegenüber dem bestehenden Gewerbegebiet an der B 258 will die Gemeinde Roetgen ein weiteres schaffen. Die Grünen sind strikt dagegen.

Roetgen. Die Pläne der Gemeinde Roetgen, am Ortsausgang in Richtung Aachen auf der rechten Seite ein weiteres Gewerbegebiet auszuweisen, sind einen Schritt weitergekommen. Der Roetgener Bauauschuss hat jetzt einer Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt.

Für die Ausweisung des Gebietes muss eine gleichwertige Gewerbefläche zurück genommen werden. Das ist notwendig, um die Ziele der Raumordnung und Landesplanung zu erreichen. Dafür soll die Fläche „Am Vennstein“ herhalten, da sich diese ohnehin im Privateigentum befindet und für eine gewerbliche Entwicklung nicht zur Verfügung steht.

Außerdem musste das Plangebiet um rund 0,5 Hektar verkleinert werden, da sich auf den Wiesen rechts der B 258 ein gesetzlich geschütztes Biotop befindet. Die Verwaltung hatte zwar eine Ausnahmegenehmigung beantragt, diese wurde aber von der Städteregion abgelehnt. Das Gebiet umfasst nun eine Fläche von 2,2 Hektar und erstreckt sich über eine Länge von rund 250 Metern entlang der Bundesstraße.

Auf der anderen Seite grenzt dieses Gebiet unmittelbar an die ehemalige Bahnstrecke, den heutigen Ravelradweg, heran. Bislang wird diese Fläche landwirtschaftlich genutzt und liegt in einem Landschaftsschutzgebiet. Eine industrielle Nutzung ist dort, wie im gesamten Gemeindegebiet, nicht vorgesehen.

Gegen die Planung hatten Bürger, die Städteregion und andere Behörden Stellungnahmen abgegeben. Über 53 Einwände und Anregungen hatte der Bauausschuss abzustimmen. Dazu gehörten u.a. Befürchtungen mit Blick auf die Wasserführung, das örtliche Klima, die Verkehrsführung, die Lärmemissionen, das Landschaftsbild, den Tourismus und auf die Ziele des Umweltschutzes.

Grundsätzliche Bedenken hat der Landesbetrieb Straßen.NRW geäußert. Aufgrund der sehr hohen Verkehrsbelastung der B 258 sei eine weitere Anbindung nicht hinnehmbar. In der Stellungnahme der Verwaltung heißt es dazu, die erforderliche Anbindung sei „im Zuge einer Modifikation der vorhandenen Anbindung des bestehenden Gewerbegebietes Vennstraße zu verwirklichen“. Gemeint ist ein Kreisverkehr.

FDP und Grüne stimmten grundsätzlich gegen die Beschlussvorschläge der Verwaltung. SPD, CDU und UWG stimmten geschlossen dafür. Alle Abstimmungen endeten mit elf Ja- und drei Nein-Stimmen.

Achim Mathée (UWG) sprach sich im Namen seiner Fraktion grundsätzlich für das neue Gewerbegebiet aus. Es gebe aber einige Anregungen, die berücksichtigt werden sollen, sagte Mathée.

Gerd Pagnia (Grüne) hielt fest, dass er und seine Parteikollegin Gudrun Messing alle zur Abstimmung stehenden Punkte abgelehnt hätten, um eine eindeutige Stellungnahme abzugeben, auch wenn es einige Punkte gebe, „über die man reden könnte“. Gewerbegebiete links und rechts am „Tor zur Eifel“ seien kontraproduktiv für den Tourismus. Außerdem könne die Versiegelung der Fläche zu großen Problemen führen, diese Erfahrung habe man schon im Neubaugebiet Greppstraße machen müssen.

Mit ihrer Meinung ständen die Grünen nicht alleine da, dies bestätigten die Stellungnahmen des Umweltamtes der Städteregion und die Stellungnahmen der Bezirksregierung in Köln. „Wenn man einmal eine Fläche ausweist, besteht die Gefahr, dass es weitergeht“, sagte Pagnia. Auch die Nähe des geplanten Gewerbegebietes zu Eifelsteig und Vennbahnradweg sei „nicht so prickelend“. Argumente wie Steuereinnahmen und Arbeitsplätze würden aus Sicht der Grünen auch nicht ziehen. Man wisse nicht, wie viele und welche Arbeitsplätze geschaffen würden.

Klaus Onasch (SPD) konnte den Grünen „in großen Teilen zustimmen“. Schließlich handele es sich ja auch nicht um das ursprünglich gewünschte Gebiet. An anderen Stellen bestehe aber keine Möglichkeit für die Ansiedlung von weiterem Gewerbe, und Stillstand dürfe es in diesem Zusammenhang in der Gemeinde Roetgen nicht geben. „Wenn wir alle sagen, dass wollen wir nicht, dann kann Roetgen sich nicht weiterentwickeln“, betonte Onasch. Die Bauchschmerzen der Gegner seien aber nachvollziehbar.

In Zukunft werde man noch eine Menge Aufwand betreiben müssen, um allen Einwendungen gerecht zu werden. Bedauerlich fand Onasch die Verkleinerung um fünf Hektar, da es sich um ein besonders attraktives Teilstück handele, gerade auch mit Blick auf die Zuschneidung der Grundstücke.

Franz-Josef Zwingmann (FDP) erklärte, seine Partei beurteile die Entscheidung sehr differenziert. Vor einer Erweiterung der Roetgener Gewerbegebiete gelte es, die konkrete Entwicklung der Nachfragesituation zu bewerten. Außerdem müsste geklärt werden, welches Gewerbe sich ansiedeln soll, welche und wie viele Unternehmen sich ansiedeln sollen und wie viele wohnortnahe Arbeitsplätze entstehen sollen. Da diese Fragen aber für beide Bereiche, links und rechts der B 258, ungeklärt seien, werde die FDP zunächst alle Beschlüsse ablehnen.

Gudrun Messing (Grüne) kritisierte, dass Fakten nicht anerkannt und Bedenken einfach vom Tisch gefegt würden. Das geplante Gebiet sei „zu klein, zu hässlich und an der falschen Stelle“. Sie empfand es als „peinlich“, dass eine SPD geführte Verwaltung Einspruch gegen den Erhalt eines Biotops eingelegt habe. „Für ein paar Euro, die vielleicht gar nicht kommen, wird hier alles verschandelt“, sagte Messing.

Helmut Helzle (CDU) entgegnete: „Wir brauchen diese paar Euro, um die Bürger nicht weiter zu belasten.“ Deshalb spreche sich die CDU-Fraktion auch für das neue Gewerbegebiet aus. „Die andere Seite wäre zwar besser, aber da kommt man nicht weiter“, sagte Helzle.

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