Roetgen: Rufe nach Umgehungsstraße werden wieder laut

Von: Ernst Schneiders
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Die Bundesstraße 258 teilt Roetgen nicht nur optisch in zwei Hälften, sondern auch in zwei Lager. Während die einen die Trasse als Lebensader ansehen, möchten andere den Durchgangsverkehr lieber heute als morgen aus dem Ort verbannen. Foto: Archiv/Stollenwerk

Roetgen. Von „oben” betrachtet, von Monschau und Simmerath aus, gibt es keine Probleme. Die Bundesstraße (B) 258 ist eine leistungsstarke Verkehrsader zwischen Aachen, der Autobahn und den touristischen Zentren der Nordeifel. In Roetgen, der kleinen Gemeinde am „Tor zur Eifel”, die von der B258 in zwei Teile geteilt wird, leben viele Menschen in einem Zwiespalt.

Auf der einen Seite brauchen sie die große Straße als schnelle Anbindung und starke Einkaufsmeile. Auf der anderen Seite leiden sie unter ihr: Lärm, Abgase und Feinstaubbelastung von rund 7,5 Millionen Fahrzeugen pro Jahr. Diesen Menschen soll jetzt geholfen werden.

Eine Entwicklungsstudie für die Ortsdurchfahrt und ein Lärmaktionsplan standen auf dem Programmzettel einer Bürgerinformation am Donnerstagabend in der Aula der Grundschule, die lediglich zur Hälfte besetzt war. Planer und Verwaltung wollten von den Bürgern erfahren, wo sie der Schuh drückt und wie man es besser machen kann. Ein Vielzahl von Wortmeldungen gab es in der mehr als zweistündigen Diskussion und mehr Tadel als Lob.

Szenenapplaus erhielten zuweilen die Bürger, die immer wieder ein Thema aufs Tapet brachten, das im Gemeinderat längst einvernehmlich für „politisch tot” erklärt worden ist: die Umgehungsstraße. Ein älterer Roetgener erinnerte sich an die Zeit vor 50 Jahren, als auch bereits, unter anderen Vorzeichen versteht sich, über eine Umgehungsstraße nachgedacht worden sei: „Die Gemeinde hat die Entwicklung völlig verschlafen. Letzten Endes führt kein Weg an einer Umgehungsstraße vorbei.”

Lärm macht krank

Den Einwand von Bürgermeister Manfred Eis, es gebe einen bindenden Ratsbeschluss, ließen die Befürworter der Ortsumgehung nicht gelten: „Ratsbeschlüsse kann man ändern oder aufheben.” Sofern die Politik gewillt sei, sich dem Thema ernsthaft zu nähern, werde sie mit Sicherheit viele mögliche Trassen finden, die die Natur nicht in unvertretbarem Maße schädigten.

In unvertretbarem Maße geschädigt werden unterdessen die Bewohner von 41 Häusern, an denen eine durchschnittliche Lärmbelastung von 70 dBa und mehr gemessen worden ist. Genau ab dieser Belastung macht Lärm krank, sagt der Gesetzgeber. Wer ständig nur 69 dBa um die Ohren hat, wird sicherlich nicht weniger krank, gehört aber offiziell nicht zum Kreis der akut Gefährdeten. „Irgendwo muss man halt eine Grenze ziehen”, schien Dirk Meyer vom Bauamt der Gemeinde auch nicht sonderlich glücklich mit dieser Regelung. Man werde sich der Gebäude und der darin lebenden Menschen annehmen.

Deutliche Verbesserungsmöglichkeiten sehen die Fachleute ohnehin nur in den Häusern selbst. Am besten sei es, Schallschutzfenster einzubauen, diese geschlossen zu halten und Be- wie Entlüftung von einem modernen Lüftungssystem regeln zu lassen.

Kommentar aus dem Auditorium: „Ich dachte, wir leben in der Eifel und nicht an einer Kölner Ringstraße!” Das heißt mit anderem Worten: Wer sich mutig in sein Gärtchen neben sein Haus setzt, der spielt wegen der Lärm- und Feinstaubbelastung mit seiner Gesundheit. Knapper Kommentar vom Podium: „Das ist so!”

Und ist auch nicht zu ändern. Denn an der Trasse durch den Ort gibt es kaum Spielraum für die Gemeinde. Da entscheidet der Landesbetrieb Straßenbau mit und streckenweise belgische Behörden. „Wir können zwar mit unseren belgischen Nachbarn reden, ob die aber auf unsere Wünsche eingehen, ist eine ganz andere Frage”, beschrieb Dirk Meyer die Chancen. Baulich böte sich ohnehin nur eine Lärmschutzwand zu beiden Seiten der Straße auf der Länge der gesamten Ortsdurchfahrt an, aber das, so Meyer, „kann städtebaulich ja wohl nicht gewollt sein”.

Viele Änderungswünsche

Kreisverkehre an der Rosental-, Haupt- und Faulenbruchstraße wurden gefordert, barrierefreie Übergänge an einige Stellen, 30 km/h in den Nachtstunden, breitere Bürgersteige, eine andere Ampelschaltung und, und, und. Viele Roetgener Bürger haben sich offensichtlich detailliert mit „ihrer” Bundesstraße auseinandergesetzt.

Und für die Kommunalpolitiker stehen möglicherweise heiße Zeiten ins Haus, sollten die Befürworter einer Ortsumgehung ernst machen und sich ihre gewählten Ratsvertreter demnächst zur Brust nehmen.
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