Roetgen: Flüchtlingsrat koordiniert die Hilfsangebote

Von: ag
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Maria Feige, Dorle Stebani, Ingrid Karst-Feilen und Claudia Henn (vorne von links) engagieren sich im Flüchtlingsrat Roetgen. Zu den Hilfsangeboten gehört auch ein Fahr- und Transportdienst, der Fahrten zum Arzt oder den Transport von gespendeten Möbeln organisiert. Foto: A. Gabbert

Roetgen. Die Flüchtlingswelle, die derzeit den Bund, das Land NRW und die Kommunen in Atem hält, macht auch vor der Gemeinde Roetgen nicht Halt. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der Asylbewerber in Roetgen mehr als verdreifacht – und sie steigt weiter. Derzeit leben rund 90 Flüchtlinge in der Gemeinde, noch in dieser Woche werden weitere erwartet.

Eine wichtige Rolle bei der Betreuung der Flüchtlinge nimmt seit vielen Jahren der Flüchtlingsrat Roetgen ein. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Männern und Frauen, die sich überparteilich und überkonfessionell für Flüchtlinge einsetzt. Gegründet wurde der Flüchtlingsrat Ende der 1980er-Jahre von Mitgliedern des Pfarrgemeinderates, später kamen viele Freiwillige hinzu. „Anfang der 1990er-Jahre bis circa 2003 war unser Kreis mit 15 bis 20 Personen sehr groß“, berichtet Dorle Stebani. Danach verringerte sich die Zahl, um ab Ende 2013 nach einem Aufruf im Pfarrinfo einen drastischen Anstieg zu erfahren.

„Das hat sich gelohnt“, sagt Ingrid Karst-Feilen. Heute gibt es 15 Mitarbeiter und viele neue Interessenten. Acht bis zehn von ihnen pflegen einen direkten Umgang mit den Flüchtlingen, die anderen sind im Hintergrund aktiv. Für den direkten Kontakt mit den Asylbewerbern werden noch weitere Personen gesucht. Dazu findet am kommenden Donnerstag um 19 Uhr ein Treffen im katholischen Pfarrheim in Roetgen statt. „Jeder kann gucken, wie und in welchem Umfang er sich einbringen möchte“, sagt Maria Feige.

Die Aufgaben werden im Flüchtlingsrat auf mehrere Teams verteilt: Unter anderem gibt es ein Organisationsteam, ein Besucherteam, ein Team für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit, ein Einrichterteam, einen Fahrdienst und ein Team, das sich um die Belange der Kinder kümmert. „Wir bräuchten noch mehr Leute, die handwerklich etwas machen können“, sagt Claudia Henn. „Wir versuchen auch die Flüchtlinge und ehemalige Flüchtlinge einzubeziehen. Sie können zum Beispiel dolmetschen, andere zu Ämtern begleiten, bei der Organisation helfen und aufgrund der eigenen Erfahrungen wertvolle Tipps geben“, erklärt Maria Feige.

Die Zusammenarbeit mit dem Sozialamt bezeichnen die Mitglieder des Flüchtlingsrates als sehr gut und partnerschaftlich. „Wir werden sogar in Entscheidungen mit einbezogen“, sagt Karst-Feilen. „Die wissen auch, was sie an uns haben“, ergänzt Maria Feige. Auch der Leiter des Sozialamtes, Dirk Recker, bestätigt die gute Zusammenarbeit. „Der Flüchtlingsrat macht eine hervorragende Arbeit. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum wir die Situation in so einer kleinen Gemeinde bewältigt bekommen“, sagt er.

Bei der Unterbringung der Flüchtlinge kehrt die Gemeinde zunehmend von Gemeinschaftsunterkünften ab und setzt, wenn möglich, auf dezentrale Wohnungen und Häuser in Roetgen und Rott. Die bisherigen Erfahrungen seien sehr positiv, auch wenn diese Form der Unterbringung für den Flüchtlingsrat und das Sozialamt mehr Arbeit bringe, sagen die Mitglieder des Flüchtlingsrates.

Zu den Aufgaben der Gruppe zählt auch der Erstkontakt zu den Flüchtlingen. Es gibt ein Willkommenspaket mit einem Bildwörterbuch, Hygieneartikeln, Büromaterial, Geschirrtüchern, Spülmittel, Bürste, Schwamm, Stadt- und Busplänen sowie Infoblättern. Maria Feige bietet außerdem eine „Rundreise“ zum Kennenlernen an. Dabei fährt sie den Alternativladen in Roetgen, das Café International, das Sozialwerk Eifeler Christen und die Tafel in Imgenbroich an.

Außerdem zeigt sie, wo das Handyguthaben aufgeladen werden kann, welche Einkaufsmöglichkeiten es gibt, wie das Busfahren in der Eifel funktioniert und wo die Deutschkurse stattfinden. Auf die Deutschkurse und die Unterstützung der Schulkinder legt der Flüchtlingsrat besonderen Wert. Ein weiteres wichtiges Hilfsangebot ist der Fahr- und Transportdienst. Der Fahrten zur Tafel, zum Arzt oder ins Krankenhaus und den Transport von gespendeten Möbeln organisiert.

Es gibt auch Paten für die Flüchtlinge, die in der Anfangszeit als direkte Ansprechpartner dienen sollen. „Dafür sollte man Offenheit und Einfühlungsvermögen mitbringen, aber auch mit Enttäuschungen sollte man umgehen und Distanz wahren können“, sagt Stebani. Eine weitere Aufgabe sieht der Flüchtlingsrat in der Integration der Flüchtlinge in der Gemeinde und knüpft freundschaftliche Kontakte zu den Vereinen.

Benötigt werden weiterhin Wohnraum, Übersetzer und weitere Helfer. „Fahrräder sind heiß begehrt. Wir brauchen noch sowas wie eine freiwillige Fahrradwerkstatt, vielleicht ein Angebot, das es ein- bis zweimal in der Woche gibt“, sagt Claudia Henn. Weitere Informationen über die Arbeit des Flüchtlingsrates gibt es im Internet.

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