Roetgen denkt über neues Flüchtlingswohnheim nach

Von: ag
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Das Wohnheim „Kuhberg“ in Roetgen soll Ende des Jahres 2019 aufgegeben werden. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Über den Bau eines neuen Flüchtlingswohnheimes wird jetzt in der Gemeinde Roetgen nachgedacht. Das Wohnheim „Kuhberg“ soll Ende des Jahres 2019 aufgegeben werden.

Mögliche Standorte für eine solche Unterkunft seien durch die Arbeitsgruppe „Flüchtlingsunterbringung“, in der Mitglieder der Verwaltung, der Fraktionen und des Flüchtlingsrates vertreten sind, in einem „mühevollen Prozess“ erarbeitet worden, erklärte der Leiter des Sozialamtes, Dirk Recker, jetzt in der Sitzung des Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschusses, als er über die aktuelle Flüchtlingssituation und die Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe berichtete.

Priorisiert werde zurzeit ein Standort an der Pilgerbornstraße. Alternativ habe man zwei Standorte an der Bundesstraße, einen an der Rosentalstraße und einen im Gewerbegebiet ins Auge gefasst. Entscheidende Kriterien seien dabei der Grundstückspreis, den durch die Lage bestimmten Integrationsfaktor, die zeitliche Nutzbarkeit und die baulichen Möglichkeiten, erklärte Recker.

In einer neuen Unterkunft würden die Flüchtlinge in kleinen eigenständigen Wohneinheiten untergebracht. „An einem Standort sollen regelmäßig circa 30 Personen untergebracht werden. Eine größere Anzahl von Flüchtlingen an einem Ort birgt die Gefahr der Ghettobildung und der schlechteren Integration. Schließlich geht es auch um die Akzeptanz durch die unmittelbare Nachbarschaft“, sagte Recker.

Wichtig sei auch, zu klären, ob der Bau durch einen Investor betrieben werden könne. Dabei müsse Voraussetzung sein, eine möglichst weitgehende Förderung im Sinne der Richtlinien zur Förderung von Wohnraum für Flüchtlinge zu erreichen. In der Folge könne ein zinsloses Darlehen und 25 Prozent Tilgungsnachlass in Anspruch genommen werden, erläuterte Recker.

Das Thema werde im nichtöffentlichen Teil der Ratsitzung am Dienstag, 15. Dezember, behandelt. Dies sei dem Schutz der möglichen Investoren und Grundstückseigentümern geschuldet, sagte Recker. Anschließend sei dann eine „kurzfristige und gute Öffentlichkeitsarbeit sowie die Information der betreffenden Anlieger unbedingt erforderlich“. Nach derzeitiger Lage sei geplant, am 4. Januar eine Informationsveranstaltung für die Bürger anzubieten.

Aktuell seien der Gemeinde Roetgen insgesamt 170 Flüchtlinge zugewiesen. Untergebracht seien sie in 23 Privatwohnungen und zwei gemeindlichen Häusern, berichtete Recker. In sechs zur Anmietung anstehenden Objekten könnten circa 36 weitere Personen untergebracht werden. Zusätzlich könnten 18 Personen in drei Mobilheimen Platz finden, die voraussichtlich Ende Januar aufgestellt würden.

„Im Umkreis des Aufstellortes, der im Eigentum der evangelischen Kirche steht, wurden alle Anwohner im weiteren Umkreis durch ein von Bürgermeister Jorma Klauss und Pfarrer Köhne unterzeichnetes Schreiben informiert“, sagte Recker.

Abzüglich von vier Personen, die zunächst auf „improvisierte Weise“ untergebracht worden seien und drei Personen, die „unterwegs“ seien, würden 47 Plätze verbleiben. „Der bis Ende Januar angenommene Bedarf wird darüber hinausgehen, in den letzten Wochen sind der Gemeinde wöchentlich im Durchschnitt acht Personen zugewiesen worden, so dass über den Ankauf eines weiteren Mobilheimes nachgedacht werden sollte“, erklärte der Leiter des Sozialamtes.

Es sei noch ungewiss, wie lange auf die Nutzung der Mobilheime zurückgegriffen werden müsse, aber zunächst sei die Aufstellung für einen Zeitraum von circa zwei bis drei Jahren geplant, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Gemeinde.

Der weiter steigende Bedarf spiegele sich unter anderem auch in der Belastung des mit der Angelegenheit befassten Personals wieder. Um eine Entlastung zu erreichen, arbeite die Gemeindeverwaltung derzeit an der Besetzung einer Stelle für Hausmeister-, Betreuer-, Organisations- und Umzugstätigkeiten, sagte Recker. Diese Stelle könne dann möglicherweise mit 75 Prozent aus einem Programm der Arbeitsagentur finanziert werden.

„In der Vergangenheit konnte die Belegung der Gemeindeturnhalle als Unterkunft für Flüchtlinge vermieden werden und dies soll auch zukünftig der Fall sein. Abhängig ist dies von der weiteren Möglichkeit, private Wohnungen anzumieten“, sagte Recker.

Dafür sei in gewisser Weise Werbung notwendig, an der sich auch die politischen Vertreter beteiligen könnten. Das Sozialamt bemühe sich, die Vermietung für die Eigentümer attraktiv zu machen, indem die Objekte künftig regelmäßig kontrolliert und beaufsichtigt würden, um möglichen Missständen vorzubeugen, „wie sie auch bei ‚Normalvermietungen‘ auftreten können“. Allerdings seien in diesen Fällen nicht die Lenkungsmöglichkeiten gegeben, die das Sozialamt bei der Unterbringung von Flüchtlingen habe, sagte Dirk Recker.

Da die Unterbringung von Flüchtlingen in Mobilwohnheimen keine Dauerlösung sein soll, appellieren die Verwaltung, die Fraktionen des Rates der Gemeinde Roetgen sowie der Flüchtlingsrat, abermals an die Bürger, privaten Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen.

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