Rindviecher sorgen für Streit im Dorf

Von: Ernst Schneiders
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Streitpunkt zwischen zwei Landwirten und Nachbarn im Bereich Ruitzhof in Kalterherberg ist dieser Offenstall für Kühe, an dem die Veterinäre der Städteregion allerdings nichts auszusetzen haben. Foto: Ernst Schneiders

Kalterherberg. In dem kleinen Eifeldorf, ganz weit draußen, ziemlich abgeschieden im Bereich Ruitzhof im letzten Zipfel der Republik erfreuen sich etwa 30 Rindviecher ihres Daseins - in einem Offenstall, auch jetzt in Winter. Doch liegen seit geraumer Zeit die beiden Landwirte, denen die Angus-Rinder gehören und die namentlich nicht genannt werden möchten (obwohl in Kalterherberg jeder weiß, um wen es sich handelt), und einige Nachbarn im Clinch.

Letztere glauben nämlich zu wissen, dass Kühe im Winter in einen Stall gehören und haben deshalb bereits mehrmals das Veterinäramt der Städteregion bemüht. Dessen Chef, Dr. Peter Max Heyde, war selbst vor Ort - und hatte nichts zu beanstanden. Doch das Mobbing geht weiter.

„Diese Zeiten sind vorbei”

„Die Leute sollten einsehen, dass unsere Form der Rinderhaltung in Ordnung ist, und Ruhe geben. Vor 40 oder 50 Jahren wurden die Tiere in dunkle Ställe eingesperrt. Diese Zeiten sind vorbei. Inzwischen haben wir in diesem Punkte dazugelernt”, appelliert einer der beiden Landwirte an die Kritiker, doch endlich zu verstummen.

Vieles hat er sich in der Vergangenheit anhören müssen, hat versucht, zu erklären, aber inzwischen reicht es ihm. Dabei bekommt er nicht einmal den größten Teil des „Segens” ab: „Meinem Kumpel geht es schlimmer. Der ist noch relativ neu hier, und den machen die sich immer parat.”

Eskaliert ist dieser Nachbarschaftsstreit am Beginn des Jahres, als die Veterinäre der Städteregion alarmiert wurden, um sich diese angeblich unhaltbaren Zustände anzuschauen. Der Leitende Veterinär Dr. Peter Max Heyde kam, sah - und entdeckte nichts, was zu beanstanden gewesen wären.

Der Offenstall entspreche den gesetzlichen Vorschriften, er biete den Tieren von drei Seiten Windschutz, die Strohmatratze sei dick, trocken und werde regelmäßig erneuert, die Heusilage sei völlig in Ordnung und genügend Wasser hätten die Tiere auch. Sie seien wohlgenährt.

„Dass der Boden vor dem Unterstand aufgeweicht ist, wundert in dieser Jahreszeit nicht”, so Dr. Heyde. Allerdings seien die Keulen und Unterbäuche der Tiere sauber und trocken. Auch da gebe es nichts zu kritisieren.

Würde man die Kühe fragen ...

Der Veterinär: „Wenn man diese Kühe fragen würde, ob sie im Offenstall bleiben oder lieber in einen geschlossenen Stall umziehen möchten, sie würden alle im Offenstall bleiben wollen. Ich kenne Stallhaltungen, die sind zur Zeit wesentlich schlechter als diese Offenstallhaltung, schon wegen der Luftverhältnisse.”

Das Argument, die Tiere könnten draußen frieren, ist für Dr. Heyde „Quatsch”. Eine Kuh sei ein „Bolleröfchen auf vier Beinen”. Die Vergärung im Pansen setze soviel Wärmeenergie frei, dass man damit eine Wohnung heizen könnte. Von Frieren könne also keine Rede sein. Ein Kuh könne locker Minusgrade von 10 bis 15 Grad ertragen, „ohne mit der Wimper zu zucken”.

Unangenehm werde es allerdings bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Eisregen, „aber dann können die Tiere im Offenstall Schutz suchen”.

Dr. Heyde versteht deshalb die ganze Aufregung nicht: „Am besten sollten die Leute Tiere wie Tiere behandeln und ihr menschliches Empfinden von Kälte nicht auf Kühe oder Pferde übertragen!”
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