Richtig schön durch den Kakao gezogen

Von: V.M.
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Mächtig was los war auf der Bühne im „Mütterkaffee”. 180 jecke Eifeler Frauen hatten ihre helle Freude. Foto: V. Monterey

Monschau. Seit mehr als hundert Jahren feiert die lose Gemeinschaft der Frauen und Mütter das so genannte „Mütterkaffee”, zuerst im Kolpinghaus, dann im Bischof-Vogt-Haus und ab dem kommenden Jahr voraussichtlich in der Markthalle der Altstadt Monschau. Irmgard Gillissen, die älteste der katholischen Frauengemeinschaft weiß wovon sie redet.

Denn immerhin ist sie seit 1958 dabei, beim Altweiberdonnerstag, an dem die Männer nichts zu sagen haben und der eine oder andere sprichwörtlich sein Fett wegkriegt von den Darstellern der achtköpfigen Spielertruppe.

„30 Jahre mitgespielt”

„Ich habe 30 Jahre lang selbst mitgespielt”, erzählt Gillissen nicht ohne Stolz. An diesem Altweiberdonnerstag eröffnete sie unter anderen nach einer musikalischen Einleitung und der tanzenden Playmate-Truppe, lauter fleißige Häschen („Wir wollten mal anders aussehen”, so Annette Mauel), die Veranstaltung.

Und das vor einem brechend vollen Saal, vor rund 180 herausgeputzten Frauen in prächtigen Kostümen. „Als die Kinder noch kein waren, musste mein Mann alles machen und ich hatte frei”, erzählte Wilma Mertens, die seit 50 Jahren am „Mütterkaffee” teilnimmt, wo die Männer für die Frauen arbeiten müssen, als Bier schleppende „Köbesse” zum Beispiel.

Begriffsklärungen

An der Erklärung der Begriffe Fastnacht, Fasching oder Karneval scheiden sich die Geister. Ursprünglich handelte es sich um ein rein katholisches Fest und wurde mit der Fastnacht vor Aschermittwoch begangen, der letzten Nacht vor der 40-tägigen Fastenzeit, in der noch einmal so richtig geschlemmt und Fleisch gegessen werden durfte. Dabei wurden im 11. Jahrhundert die Sonntage nicht mitgerechnet. Ab dem 13. Jahrhundert wurde die Karnevalszeit vom Donnerstag bis zum Dienstag vor Aschermittwoch ausgedehnt.

Aber schon lange Zeit davor wurde im Vorfrühling gefeiert, um den kalten Winter auszutreiben, und das mit Masken, Mummenschanz, Geschrei und Getöse. Selbst in den Klöstern soll man Fastnacht gefeiert haben, und nicht nur Männer, sondern auch die Stiftsfrauen und Nonnen. Nach Berichten aus dem Jahre 1729 zur Folge soll es Schokolade, Tee, Kaffee, Glücks- und Kartenspiel gegeben haben, also alles, was im normalen Klosteralltag verboten war.

Schauspieltruppe

So gab es jetzt reichlich gedeckte Tafeln mit Kuchen, Fettgebackenem, Kaffee, Bier, Sekt und Limonade, reichlich buntes Treiben mit Musik, aufgelegt von den Brüdern Banowski und Aufführungen der närrischen Schauspieltruppe, angeleitet von Helga Janke Offermann und ausgestattet vom „Requisiteur”, dem Ortvorsteher Georg Kaulen, mit Hilfe des „Auszubildenden im ersten Lehrjahr”, Fernando Costa. Das feste Team aus acht bis zehn Frauen hatte sich auch dieses Jahr wieder so einiges ausgedacht.

Jeweils allein, in Zweier- oder Dreiertruppen traten die Schauspielerinnen, Heike Böhmer, Ruth Breuer, Janina Bons, Christina Costa, Bettina Gonnermann, Jeanette Kaulen und Anne Pröpper und nicht zuletzt Helga Janke-Offermann, die unter anderem als die gefürchtete „Frau Hodelmeyer” wieder auf dem Programmzettel stand, auf. „Auf die freue ich mich schon ganz besonders”, schwärmte Claudia Heck aus Höfen. „Ich bin zum vierten Mal hier und habe schon so einige Freunde und Bekannte mitgezogen”, selbst mitgerissen von Großtante Gillissen

Mit 15 Sketchen wartete die Schauspieltruppe auf, darunter einiges aus eigener Feder. Als neues Mitglied der Truppe brillierte Ruth Breuer als tüddelige Schwerhörige und stellte eine freundliche Bedienung mächtig auf die Geduldsprobe („Junge Frau, es geht sich um Folgendes...”), die den einen oder anderen noch lange zum Schmunzeln animieren wird.

Und schließlich und endlich zum 13. Mal „Frau Hoddelmeyer”, die durchtratscht was durchzutratschen ist, auf der Parkbank mitten in Monschau sitzt und selbst die kleinsten Missgeschicke der Einwohner, nebst Verwaltung, entlarvend auseinandernimmt, vom Knöllchen bis zum Warenständer.
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