„Ressourcentag“: Flüchtlinge bekommen Spar-Unterricht

Von: Max Stollenwerk
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Sozialpädagoge Rüdiger Bendel (Bildmitte) erklärt den Asylbewerbern in der Monschauer Erstaufnahmeeinrichtung auf der Haag, welches Gerät wie viel Energie verbraucht. Foto: Max Stollenwerk

Monschau. „Wenn ihr den Fernseher auf Standby lasst und nicht komplett ausschaltet, kostet das euch pro Tag zwei Cent, im Monat 60 Cent und im Jahr 7,20 Euro. Wenn jeder Bürger der Stadt Monschau das machen würde, kommen pro Jahr über 90.000 Euro nur für dieses eine Gerät zusammen“, erklärt Rüdiger Bendel den Asylbewerbern in der Monschauer Erstaufnahmeeinrichtung auf der Haag die Dimension des Energieverbrauchs im Alltag.

Kürzlich veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltbildung (ANU) mit Sitz in Frankfurt in der Unterkunft einen Ressourcentag unter dem Motto „Gemeinsam aktiv in Asylunterkünften“. Die Sozialpädagogen Rüdiger Bendel, Andrea Rotgänger und Marie Goebel erklärten den Asylbewerbern aus verschiedensten Ländern wie Ghana, Guinea, Syrien und dem Iran, die überwiegend zwischen 18 und 30 Jahren alt sind, den verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen Abfall, Energie und Wasser.

Sie bieten bereits seit Jahren Schulungen in diesem Bereich an, wobei der Schwerpunkt im Ruhrgebiet sowie im Raum Köln und Aachen liegt. Die ANU als Träger möchte dabei vor allem einen ihrer Leitgedanken, Menschen bei der Entwicklung von Strategien zum Erhalt der Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen, in die Tat umsetzen.

Fakten zum Energieverbrauch

„Es ist uns ein wichtiges Anliegen und auch Teil der Integration, dass die Asylbewerber lernen, ressourcenorientiert und sparsam zu leben. Sie müssen beispielsweise lernen, das Licht nicht unnötig brennen zu lassen, die Räume richtig zu lüften oder auch den Müll ordentlich zu trennen, denn das ist in ihren Herkunftsländern oft nicht eindeutig geregelt“, sagt Rüdiger Bendel.

Dem 49-Jährigen ist dabei besonders der Aspekt der Nachhaltigkeit wichtig, da jeder auf diese Weise „einen Beitrag zum Umweltschutz“ leisten könne. Der Ressourcentag, der schwerpunktmäßig die Bereiche Klimawandel, verschiedene Energiequellen, Mülltrennung und Wasser in Vorträgen und praktischen Übungen behandelt, kommt bei den Teilnehmern sehr gut an. „Ich finde es sehr interessant zu lernen, wie viel Strom zum Beispiel ein Fön verbraucht.

Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht“, erzählt der 29-jährige Charles aus Ghana und bekommt direkt eine Bestätigung seines 21-jährigen Landsmannes James, der es „wichtig findet, zu wissen, welches Gerät wie viel Energie braucht und wie viel das dann am Ende kostet“. Gespannt starten die Bewohner nach dem Vortrag über Energieverbrauch einen Rundgang durch ihre Unterkunft. Dabei erfahren sie zum Beispiel, dass ein Backofen circa doppelt so viel Energie verbraucht wie eine Mikrowelle und wie energieaufwendig Trockner und Waschmaschine laufen.

„Es ist ein Superprojekt, das zur Integration beiträgt, den Asylbewerbern Dinge näherbringt, die in Deutschland wichtig sind und ihnen gegenüber auch eine Wertschätzung zeigt“, sagt Sozialpädagogin Marie Goebel. Die Asylbewerber seien sehr motiviert bei der Sache und dankbar für diese Schulung, äußert sie sich über den Nutzen des Ressourcentages.

Teilnahmezertifikat

Als Belohnung dafür, dass alle Teilnehmer neun Stunden durchgehalten haben, gibt es am Ende für jeden Teilnehmer ein Teilnahmezertifikat. Und auch das hat seinen Sinn: „Bei vielen Vermietern herrscht eine gewisse Skepsis vor, wenn sie Wohnraum an Asylbewerber vermieten. Diese Vorbehalte sollen durch das Zertifikat zumindest ein wenig genommen werden“, erklärt Rüdiger Bendel.

Optimistisch blickt er auf den Nutzen des Projektes. „Wenn die Asylbewerber später vielleicht eine eigene Wohnung haben oder in eine Wohngemeinschaft ziehen, wissen sie, wie man verantwortungsvoll und sparsam mit verschiedenen Energiequellen umgeht. Auch die Flüchtlinge aus sicheren Herkunftsländern, die später abgeschoben werden, nehmen aus dem heutigen Tag sicherlich viele nützliche Dinge mit und es entsteht hoffentlich ein Umdenken bei ihnen“, sagt er, bevor er sich wieder voll in seinem Element befindet und zusammen mit einem interessierten Asylbewerber ausrechnet, wie viel das Bügeln eines Hemdes umgerechnet kostet.

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