Rektor warnt vor Experimenten

Von: Peter Stollenwerk
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Ein fester Bestandteil in der Eifeler Schullandschaft ist derzeit die städtische Realschule Monschau mit 531 Schülern. Aufgrund der demographischen Entwicklung des Akzeptanzverlustes bei den Hauptschulen stehen die Zeichen aber auf Veränderung. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Die Schullandschaft in der Nordeifel wird sich in den nächsten Jahren verändern. Diese Erkenntnis hat sich seit dem Treffen der drei Eifeler Räte aus Monschau, Simmerath und Roetgen Anfang der Woche gemeinsam mit den Schulleitern und fünf Vertreterinnen der Bezirksregierung verfestigt.

Für Peter Groten, seit sieben Jahren Leiter der städtischen Elwin-Christoffel-Realschule (ECR) in Monschau, hat sich allerdings noch ein anderer Eindruck verfestigt, wonach die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule für Monschau und Simmerath bereits in vielen Köpfen das einzig wahre Modell der Zukunft sei.

Der 56-jährige Pädagoge, der über eine 37-jährige Erfahrung im Schuldienst verfügt, hält es für geboten, „für alle Denkmodelle offen” zu bleiben. „Alle Möglichkeiten müssen genau durchgecheckt werden.”

Auch wenn noch nichts beschlossen ist und die Beratungen über Chancen und Veränderungen in der Eifeler Schullandschaft gerade erst begonnen haben, möchte Peter Groten es nicht versäumen, frühzeitig den Finger zu heben und vor „Experimente mit ungewissem Ausgang” warnen.

Positiv dabei sieht er, dass nicht unter Zeitdruck entschieden werden muss, sondern erst bis zum Beginn des Schuljahres 20111/2012 die Weichen gestellt sein sollen.

Intaktes Gebilde in Gefahr

Groten, einige Eltern, die sich gleich beim Schulleiter meldeten, und auch das Kollegium warnen davor, dass möglicherweise ein bewährtes System wie die Realschule aus den Angeln gehoben wird.

Der Rektor der 531 Schülern zählenden und 50 Jahre alten ECR: „Bei der Gemeinschaftsschule handelt es sich um einen Modellversuch; die Realschule dagegen ist ein voll intaktes Gebilde.”

Dass Handlungsbedarf in der Region angesagt ist, steht auch für Peter Groten außer Zweifel. Für die nächsten zehn Jahre gebe es schließlich verlässliche Prognosen der demographischen Entwicklung, wonach die Schülerzahl um etwa ein Drittel zurückgehe.

Der Handlungsbedarf werde aber ausgelöst durch die Situation der beiden Hauptschulen in Monschau und Simmerath, die bei Eltern und Schülern keine Akzeptanz mehr finde.

Die künftigen Überlegungen der Kooperation von Schulen dürften nicht zu einem „Qualitätsverlust” führen. Mit einer Gemeinschaftsschule, befürchtet Groten, „handelt man sich auch noch alle Schwächen einer Gesamtschule ein”.

Zudem sei auch fraglich, ob in der Eifel eine Gemeinschaftsschule überhaupt in vollem Umfang zum Zuge komme. In der Gemeinschaftsschule werden die Klassen fünf und sechs gemeinsam unterrichtet, danach erfolgt die Aufteilung in einen integrativen und kooperativen Zweig, wo den unterschiedlichen Begabungen der Schülern Rechnung getragen wird. Diese Unterrichtsform ist aber nur dann machbar, wenn eine Gemeinschaftsschule vierzügig geführt werden kann.

Ein weiteres Problem sieht Groten auch im Wechselverkehr zwischen zwei recht weit entfernten Schulstandorten. „Dann sind eventuell zwei Gebäude nicht ausgelastet und es sind riesige organisatorische Probleme zu bewältigen.”

„Auf dem Papier ist das ja alles wunderbar”, warnt der von so mancher Reform enttäuschte Schulpraktiker Peter Groten. Als Alternative zur Gemeinschaftsschule käme für ihn am ehesten eine Verbundschule zwischen Real- und Hauptschule in Betracht. Ein Wechsel von Schülern zur einen oder anderen Schulform wäre dann recht unproblematisch.

Bei der künftigen Diskussion, und darin sieht Peter Groten alle Beteiligten auf einer Linie, müsse man vor allem die Kinder im Blick haben, damit diese vor Ort die bestmöglichen Bildungschancen finden würden: „Erst wenn gar nichts anders geht, dann sollte man über die Gemeinschaftsschule reden.”
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