Rekrutenausbildung am Donnerberg soll wegfallen

Von: red
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Wachbataillon der Bundeswehr
Radikale Schrumpfkur für die Bundeswehr: Mehr als 120 der bundesweit 400 Standorte werden geschlossen oder drastisch verkleinert. Foto: dpa

Eschweiler/Stolberg. 10.000 Stellen und zwei Standorte weniger: Auch Nordrhein-Westfalen steht auf der am Mittwoch in Berlin vorgestellten Streichliste des Verteidigungsministeriums. Die Kasernen in der Region sind von den Schließungen jedoch nicht betroffen.

In der Donnerberg-Kaserne wird die Rekrutenausbildung wegfallen, die Truppenstärke verringert sich von 490 auf 160. Die Kaserne am Donnerberg bildet gemeinsam mit den drei Aachener Kasernen Lützow, Gallwitz und Körner die „Technische Schule Landsysteme und Fachschule des Heeres für Technik”. In Aachen wird die Truppenstärke um 100 Soldaten auf 800 verringert, in Jülich von 330 auf 260.

Die rot-grüne Landesregierung sieht das bevölkerungsreichste Bundesland „hart” getroffen. Statt wie bisher 36.600 Bundeswehr-Stellen wird es in Zukunft nur noch 26.800 Posten beim Militär an Rhein und Ruhr geben. Die Standorte Kerpen und Königswinter werden komplett aufgelöst.

Die Stadt Kerpen im Rhein-Erft-Kreis zeigte sich von der Entscheidung zum bislang dort stationierten Jagdbombergeschwader überrascht. Die Stadtspitze sei sicher gewesen, dass der Standort mit über 700 Beschäftigten aufgrund der hohen Investitionen in den vergangenen Jahren erhalten bleibe, sagte ein Sprecher der Kommune. Jetzt solle das Gebäude in Zukunft zivil genutzt werden.

Auch Hauptmann Andreas Hofmann, der seit 2010 das von der Schließung betroffene Materiallager in Königswinter (Rhein-Sieg-Kreis) leitet, hat mit der Entscheidung aus Berlin nicht gerechnet. „Ich bin geschockt”, sagte der Bundeswehrsoldat. Noch bis vor Kurzem sei in das Lager investiert worden. Die 57 zivilen Mitarbeiter müssten nun wesentlich längere Wege zur Arbeit in Kauf nehmen. Mit ihm seien weitere drei Soldaten in Königswinter stationiert gewesen. Zwtl.: Gemeinden fürchten Leerstände und Einbußen

Neben den zwei komplett geschlossenen Niederlassungen werden in NRW sechs weitere Stützpunkte in Zukunft vom Verteidigungsministerium nicht mehr offiziell als Standort bezeichnet, weil sie weniger als 15 Stellen haben werden. Dies sind Arnsberg, Dortmund, Herford, Paderborn, Recklinghausen und Siegen.

Ein massiver Stellenabbau kommt auch auf andere Standorte zu. Köln etwa verliert über 2.000 seiner bisher 7.900 Stellen. „Der Abbau ist so nicht hinnehmbar”, sagte Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD). Bund und Land dürften Köln nicht allein lassen.

In Augustdorf im Kreis Lippe werden künftig statt über 4.000 nur noch knapp 2.500 Soldaten stationiert sein. In Rheine (Münsterland) werden es statt bisher über 1.900 nur noch 120 sein. In Düsseldorf werden mehr als die Hälfte der bisher 1.470 Stellen abgebaut. Eschweiler (Donnerberg-Kaserne) verliert gut 300 seiner bisher 490 Stellen, Münster über 500 seiner bisher 1.300 Soldaten.

Der Bürgermeister von Augustdorf, Andreas Wulf, zeigte sich betroffen über den Abbau der Stellen. „Das ist der größte negative Einschnitt, den wir in der Geschichte verkraften mussten”, sagte der CDU-Politiker. Rund ein Viertel der Arbeitsplätze gingen demnach der Gemeinde verloren, rund 1,3 Millionen Euro fehlten jährlich durch den Abzug der Soldaten. Wulf befürchtet zudem Wohnungsleerstand.

Der Chef der Düsseldorfer Staatskanzlei, Franz-Josef Lersch-Mense (SPD), sagte am Mittwoch, dass NRW durch die Entscheidungen „hart” getroffen wurde. Die Entscheidung, Standorte komplett zu schließen und andere drastisch zu verkleinern, sei ein „schwerer Schlag für die betroffenen Regionen”, sagte der Staatssekretär.

Bundesweit werden mit der Bundeswehrreform 31 Standorte geschlossen, zwei davon in NRW. An Rhein und Ruhr gab es bisher 51 Bundeswehrstandorte. Begrüßt wurde die Entscheidung, den Hauptsitz des Verteidigungsministeriums weiterhin in Bonn zu belassen.
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