Monschau - Reißende Rur nimmt die Täler in Beschlag

Reißende Rur nimmt die Täler in Beschlag

Von: Heiner Schepp
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Die Rur hat in der Monschauer Altstadt für vollgelaufene Keller und im weiteren Verlauf für überflutete Campingplätze und erheblichen Sachschaden gesorgt. Foto Heiner Schepp Foto: Heiner Schepp

Monschau. Normalerweise schlängelt sich die Rur malerisch durch das baumreiche, wilde Grünental zwischen Widdau und Dedenborn, zehn bis 15 Meter Breite misst der Fluss an den meisten Stellen und die meiste Zeit des Jahres. Seit Donnerstagmorgen aber hat die Rur in weiten Teilen das komplette Tal in Beschlag genommen.

Die Schneeschmelze auf immer noch hartgefrorenem Boden und stundenlange, kräftige Regenfälle haben den Fluss zum reißenden Strom anschwillen lassen und die Täler in eine Seenlandschaft verwandelt.

Während das Hochwasser dort aber „nur” Schäden in der Landschaft anrichtete, sorgte die Naturgewalt in der Monschauer Altstadt für vollgelaufene Keller und im weiteren Verlauf für überflutete Campingplätze und erheblichen Sachschaden.

In Monschau wurden schon am frühen Vormittag die Kräfte der Feuerwehr zusammengezogen, da sich „eine Verschärfung der Einsatzlage” andeutete, so Günter Below. Zu diesem Zeitpunkt lagen bereits mehrere Notrufe von Bewohnern der Altstadt vor, deren Keller durch den mächtig gestiegenen Pegel der Rur vollgelaufen waren. Am schlimmsten erwischte es die beiden Gastbetriebe „Zum Stern” und „Tomasso” (ehemals Horchem), wo eingelaufenes Wasser in den Untergeschossen Mobiliar und Vorräte erheblich in Mitleidenschaft zog.

Bereits um 3 Uhr in der Nacht überschritt der Pegel am alten Finanzamt (Parkhaus) in Monschau binnen Minuten zunächst den Warnwert 1 und rasch auch den Warnwert 2, die bei 1,10 Meter und 1,15 Meter liegen. Bis zum Nachmittag kletterte die Wasserstandsmarke bei andauerndem Regen stetig weiter und lag um 13.45 Uhr bei 1,61 Meter - dem höchsten Stand seit Jahren. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2010 hatten die Höchststände bei 90 Zentimetern im Februar und 115 Zentimetern im November gelegen.

Entsprechend die Rur-Pegelstände des Landesumweltamtes in Dedenborn: Noch bis 19 Uhr am Vorabend hatte die Marke unter 70 Zentimetern gelegen, um dann am Donnerstag auf über 1,60 Meter emporzuschnellen.

Entsprechend überflutete der größte Fluss der Nordeifel schon in der Nacht die Ufer und rückte bedrohlich nah an die Gebäude und Fahrzeuge entlang der Rur. Und da der Wasserstand stieg und stieg verwandelte die Rur den Campingplatz in Hammer noch am Vormittag in ein Klein-Venedig. Die Zufahrtstraße „An der Streng” stand knöcheltief unter Wasser, und nur sehr Ortskundige trauten sich, mit dem Fahrzeug den Straßen- und Brückenverlauf nachzuempfinden.

Ein ähnliches Bild im Rosenthal bei Monschau, wo die Feuerwehr bereits um 11 Uhr von „sechs Wohnwagen unter Wasser” berichtete und den Platzeigentümer in Aachen alarmierte. Etwas glimpflicher kamen zumindest bis zum Nachmittag die Dauercamper in Dedenborn davon, wo die breite Rur zwar bedrohlich in die Vorgärten schwappte, der Platz aber zunächst noch begehbar blieb.

Auf allgemeines Kopfschütteln stieß die Waghalsigkeit einiger Wildwassersportler, die am Morgen im Rosental ihre Kanus vom Autodach luden. Da unter den Brücken in Monschau und im Rosenthal nur noch eine gute Hand breit Luft war, suchten sie ihr Glück etwas rurabwärts und wurden später bei Dedenborn gesichtet - wohlgemerkt zunächst mit und später ohne ihre Boote in den Fluten, als bunte Punkte in einer grauen Wasserlandschaft.
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