Nordeifel - Reisende Banden auch in der Eifel aktiv

Reisende Banden auch in der Eifel aktiv

Von: Heiner Schepp
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Einbruch – meist ein Schock: Opfer von Wohnungseinbrüchen plagen Unsicherheit und Ängste oft noch lange nach der Tat. Foto: imago/Jochen Tack

Nordeifel. Sonntag, 8. Mai. Tatort Roetgen, Schleebachstraße. Gegen 18.20 Uhr kommen die Besitzer eines Einfamilienhauses gerade nach Hause, als ihnen drei Personen entgegenstürmen. Einer von ihnen läuft auf die Hauseigentümerin zu, die wegzulaufen versucht, dabei aber stürzt. Der Verfolger beugt sich über die Frau, entreißt ihr den Schlüsselbund und läuft, wie zuvor seine Begleiter, davon.

Die Frau bleibt gottlob unverletzt, die sofort eingeleitete Fahndung bleibt ergebnislos.

Pfingstmontag, 16. Mai. Tatort Strauch, Kölner Straße. Die Bewohner eines Einfamilien-Reihenhauses sind unterwegs, als gegen 16 Uhr unbekannte Täter in das Haus mitten im Ort eindringen und Beute machen.

Dienstag, 17. Mai. Tatort Eicherscheid, Buschgasse. Im Einfamilienhaus an der Straße am Ortsrand herrscht bereits eine halbe Stunde Nachtruhe, als unbekannte Täter durch die Garage in die Wohnung eindringen. Bemerkt wird der Einbruch erst am nächsten Tag, als die Spuren der Diebe entdeckt werden und EC-Karten, Bargeld und Schlüssel fehlen.

Drei Wohnungseinbrüche in diesem Monat in der Nordeifel mit unterschiedlichem Verlauf, unterschiedlicher Tatzeit. Fünf waren es insgesamt bislang im Monat Mai in der Nordeifel, neben den genannten ein weiterer in Roetgen sowie einer in Monschau.

Sogar neun hatte die Polizei im Monat davor registriert und im „Einbruchsradar“, das auf Anordnung von Innenminister Jäger seit April im Netz zu finden ist, öffentlich gemacht. Da hatte der Schwerpunkt der Wohnungseinbrecher im Bereich der Stadt Monschau, vor allem in Imgenbroich gelegen: Fünfmal schlugen die Täter hier zu oder versuchten es zumindest, dazu je zweimal in Roetgen und Simmerath.

Auch wenn die Fälle, Zeiten, Orte und Beute differieren, verbindet alle diese Fälle doch eines, nämlich dass die Polizei bislang in keinem Fall den Tätern auf die Spur gekommen ist.

Vergangene Woche hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Berlin die neue Kriminalstatistik vorgestellt. Zum wiederholten Male musste er dabei auch verkünden, dass sich die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland abermals erhöht habe. Mehr als 167.000 versuchte und vollendete Taten registrierten die Beamten, das sind 50 Prozent mehr als noch 2008.

Auch wenn die Zahlen für die Nordeifel sich neben den Werten der Städte(region) bescheiden ausnehmen, so ist die Tendenz doch alarmierend: 103 Einbrüche in Monschau, Roetgen und Simmerath wurden 2014 bei der Polizei angezeigt – 2015 waren es 165, was einer Zunahme um über 60 Prozent entspricht.

Die Einbrüche schlüsselten sich auf nach Einbruchsdiebstahl in Gaststätten (8), Geschäfte (31, 2014: 13!), Keller (2) und die größte und für die Polizei dringlichste Kategorie, die Wohnungseinbrüche, wo die Zunahme von 59 (2014) auf 97 (2015) sogar 64,4 Prozent entspricht.

Auffällig in der Statistik ist, dass von den 59 Einbrüchen im Jahr 2014 immerhin 28 als Tageswohnungseinbrüche (mutmaßliche oder festgestellte Tatzeit zwischen 6 und 21 Uhr) registriert wurden, von den 97 im vergangenen Jahr dagegen nur 27 am Tage verübt wurden, die restlichen nachts.

Ein kleiner Trost: Wurden vorletztes Jahr von den 59 Wohnungseinbruchdiebstählen nur ganze zwei aufgeklärt, kam die Polizei im Jahr 2015 immerhin in 21 Fällen den Tätern auf die Schliche. Das sind aber immer noch lediglich 21,65 Prozent Aufklärungsquote, und die Ermittler können hier von Quoten anderer Kriminalbereiche wie Mord oder Körperverletzung, die jenseits der 80 Prozent liegen, nur träumen.

Der Täter habhaft zu werden, ist das eine – sich vor ihnen zu schützen, ist das andere. Neben Sicherheitstechnik können „auch das richtige Verhalten und aufmerksame Nachbarn helfen, Einbrüche zu verhindern“, schreibt die Polizei im Rahmen ihrer Sicherheitskampagne „Riegel vor“. Einbrecher kommen demnach oft tagsüber, wenn üblicherweise niemand zu Hause ist – zur Schul- , Arbeits- und Einkaufszeit, am frühen Abend, bei einsetzender Dämmerung oder an Wochenenden.

Die Sorglosigkeit mancher Bewohner erleichtert vielfach eine Tat: Die Wohnungs- oder Haustür wird nur ins Schloss gezogen und nicht abgeschlossen. Der Schlüssel wird in sein vertrautes „Versteck“ unter der Matte gelegt, im Blumenkasten oder auf dem Türrahmen versteckt. Gut erreichbare Fenster, Balkon- oder Terrassentüren bleiben in Kippstellung und somit offen.

„Sicherheitsbewusstes Verhalten und solide mechanische Sicherungstechnik wie Schutzbeschläge und Zusatzschlösser stehen beim Einbruchschutz an erster Stelle und bieten dem Einbrecher Widerstand“, schreibt die Polizei und differenziert: „Alarmanlagen verhindern keinen Einbruch, sondern melden ihn nur.“

Dies alles hilft den 14 Eifelbürgern, die seit Anfang April Opfer eines Einbruchs wurden, nicht mehr. Denn ein Wohnungseinbruch ist für die Betroffenen oft ein Schock, und viele Opfer empfinden das Eindringen in die Privatsphäre als besonders belastend. Neben dem reinen Sachschaden und gegebenenfalls dem Verlust von unersetzbaren Erinnerungsstücken fühlen sich viele von ihnen in den eigenen vier Wänden nicht mehr wohl. Unsicherheit und Ängste nach einem Einbruch belasten die Opfer oft noch lange nach der Tat.

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